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Osterloh sind VW-Absatzrekorde nicht gut genug

| Autor: Christoph Seyerlein

In einem Doppelinterview mit Konzernchef Herbert Diess kritisiert VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann und fordert noch mehr Absatz. Diess selbst gibt sich kleinlauter und räumt Fehler im Umgang mit der WLTP-Umstellung ein.

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Volkswagen hat ein Doppelinterview mit Konzernchef Herbert Diess (li.) und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh veröffentlicht.
Volkswagen hat ein Doppelinterview mit Konzernchef Herbert Diess (li.) und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh veröffentlicht.
(Bild: Volkswagen)

Man sollte denken, dass sich die Verantwortlichen bei Volkswagen glücklich schätzen, trotz aller Skandale und Transformationsprozesse regelmäßig Rekordzahlen vorlegen zu können. Schließlich hatte sich der Konzern nach dem unrühmlichen Ende der Ära Piëch-Winterkorn mehr Demut in der Außendarstellung verschrieben. Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh tanzt da allerdings ein wenig aus der Reihe.

In einem Doppelinterview mit Volkswagen-Chef Herbert Diess, das der Autobauer am Mittwoch selbst veröffentlichte, teilte Osterloh gegen Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann aus. Auf die Frage, wie er denn den Stand des sogenannten „Zukunftspakts“ beurteile, der VW für die Zukunft fit machen soll, sagte Osterloh wörtlich: „Die Rendite von fünf Prozent kann sich sehen lassen – und sie wäre sogar noch höher, wenn wir mehr Autos verkauft hätten. Wenn hier in Wolfsburg im vergangenen Jahr 800.000 statt 700.000 Autos vom Band gelaufen wären. Ich wünsche mir, dass unser Vertriebsvorstand hier noch mehr Drive drauf bringt.“

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Nur zur Erinnerung: Die Marke VW Pkw hat im vergangenen Jahr weltweit rund 6,23 Millionen Fahrzeuge verkauft, mehr als jemals zuvor in einem Kalenderjahr. Und auch finanziell konnte der Autobauer die Belastungen wegen Dieselgate hinter sich lassen und verdiente mehr denn je. Osterloh nimmt jene Umstände aber offensichtlich alles andere als demütig hin, sondern schaltet verbal lieber wieder in den alten „Höher-schneller-weiter“-Modus. Etwas verwunderlich erscheint die Aussage auch vor dem Hintergrund, dass VW-Produktionsvorstand Andreas Tostmann erst kürzlich angekündigt hatte, die Produktionskapazität in Wolfsburg bis 2020 auf eine Million Fahrzeuge erhöhen zu wollen. Für Osterloh bestand also eigentlich keine Not, seinen Wunsch nach immer noch mehr Autos so prominent zu platzieren.

Konzernchef Diess hatte zuvor angemerkt, dass man zwar das eigens gesetzte Ziel von fünf Prozent Rendite bereits erreicht habe, dennoch aber noch mehr tun müsse als in der Vergangenheit. „Denn die Belastungen für das Unternehmen, etwa die Kosten für die Einführung der Elektrofahrzeuge, werden höher als erwartet sein“, so Diess. Zudem hätten einige Konkurrenten „noch größere Fortschritte gemacht“ als Volkswagen. „Wir brauchen höhere Gewinne, um unsere Zukunft finanzieren zu können. Vier Prozent sind das Minimum, mit fünf oder sechs Prozent kann man ein paar Zukunftsinvestitionen tätigen und mit sieben oder acht Prozent sind wir krisenfest. Deshalb müssen wir noch deutlich effizienter werden“, sagte der Konzernchef. Gerade die Verwaltung habe er dabei ins Auge gefasst, konkrete Pläne nannte der Manager aber nicht.

„Projekt WLTP nicht gut genug gesteuert“

Bei der Variantenvielfalt will Diess ebenfalls weiter den Rotstift ansetzen. Osterloh sagte, der Autobauer habe allein in Wolfsburg im vergangenen Jahr „tausende Golf gebaut, die in ihrer Kombination von Motor, Farbe und Innenausstattung einmalig sind.“ Für Diess ist das einerseits ein Beweis, „wie flexibel unsere Produktion ist. Andererseits ist das aber eine große Belastung und ein hoher logistischer Aufwand. Das kostet Produktivität. Es muss unser Ziel sein, die Varianten zu reduzieren.“

Im Tagesgeschäft muss Volkswagen zunächst allerdings erst einmal seine Probleme mit der Umstellung auf den neuen Prüfzyklus WLTP in den Griff bekommen. Diess gab zu, dass VW und Audi dabei „zurückhängen“. Das habe unter anderem auch damit zu tun, dass die Entwicklungsteams wegen der Dieselkrise zusätzlich unter großem Druck stehen. „Wir müssen aber auch selbstkritisch einräumen, dass wir das Projekt WLTP nicht gut genug gesteuert haben“, so Diess weiter. „Volkswagen muss insgesamt bei der Prozesssteuerung besser werden.“ Ein wenig Licht am Ende des Tunnels sieht der Konzernchef aber: „Was aktuell WLTP angeht: Die Monate September und Oktober werden noch schwierig, danach sollte es bergauf gehen.“

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