Partnerverband befürchtet VW-Rückzug aus dem ländlichen Raum

Partnerverband schlägt Alarm

| Autor: Christoph Seyerlein

Dirk Weddigen von Knapp, der Vorsitzende des VW- und Audi-Partnerverbands, sorgt sich um die Zukunft vieler Betriebe.
Dirk Weddigen von Knapp, der Vorsitzende des VW- und Audi-Partnerverbands, sorgt sich um die Zukunft vieler Betriebe. (Bild: Oliver Krato / VAPV)

VW/Audi-Parnterverbandspräsident Dirk Weddigen von Knapp schlägt Alarm. Nach seiner Einschätzung will sich Volkswagen offenbar weitgehend aus dem ländlichen Raum zurückziehen. Auf einer Mitgliederversammlung am Montag in Hannover warnte Weddigen von Knapp: „Das Ausscheiden in ländlichen Gebieten kann dazu führen, dass Volkswagen dort zukünftig wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen wird.“ »kfz-betrieb« hatte zuvor bereits berichtet, dass eine Einigung in den Verhandlungen um neue Händlerverträge noch in weiter Ferne liegt.

Der Partnerverband (VAPV) spricht nun sogar davon, dass Volkswagen anders als bislang betont in der Kündigung der Verträge wohl doch ein Mittel sehe, um das Netz zu bereinigen. „Einigen unserer Partner wurde angekündigt, dass man ihnen nur noch temporäre Verträge bis zum 31. März 2023 anbieten werde und dass diese danach aus dem Netz ausscheiden müssten“, sagte Weddigen von Knapp. Wie viele Partner davon betroffen sein könnten, wisse der Verband bislang aber noch nicht. Die ersten Meldungen zeigten aber eine Tendenz, dass Volkswagen den Rückzug aus ländlichen Gebieten plane. Weddigen von Knapp kündigte an, die Vergabe temporärer Verträge juristisch prüfen zu lassen.

Der Verbandspräsident widersprach zudem VW-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann, der im Gespräch mit »kfz-betrieb« am Rande des Automobilsalons in Genf vergangenen Woche noch verkündet hatte, dass sich Hersteller und Händlervertreter in guten Gesprächen befinden würden. Weddigen von Knapp bezeichnete den Verlauf der Verhandlungen als „sehr schleppend“. Nach mittlerweile vier Gesprächsrunden seien die Positionen noch weit auseinander. So liege man beim Thema Service noch „kilometerweit“ entfernt und im Vertrieb sehe man bisher keine Ansätze für eine Verständigung.

Auch den von VW angepeilten Zeitraum, bis zum Sommer eine finale Regelung für das Verhältnis der Marken und seiner Händler nach dem Jahr 2020 zu erzielen, stellte Weddigen von Knapp in Frage. Da „in keiner einzigen Frage“ eine Einigung unter Zustimmung des Konzerns mit entsprechend geänderten Vertragspassagen erzielt worden sei, könnten sich die Verhandlungen bis ins zweite Halbjahr 2018 hinausziehen.

Kritik vor allem an Audi-Entwürfen

Besonders skeptisch sieht der Partnerverbandspräsident die Vertragsentwürfe von Audi. Diese sehen unter anderem vor, dass die Händler künftig nicht mehr per se berechtigt sein sollen, alle Audi-Modelle zu vertreiben. Beispielsweise heißt es im von Audi vorgelegten Papier: „Fahrzeugmodelle mit neuen Antriebsarten und neue Modellreihen werden nicht automatisch Vertragsprodukte. Die Audi AG kann den Vertrieb dieser Fahrzeugmodelle nach ihrem Ermessen gewähren.“

Die rund 800 anwesenden Händler stimmten auf der Tagung in Hannover dem Vorhaben des Verbands zu, Einmalbeiträge zu erheben, die in die Arbeit rund um die Vertragsverhandlungen fließen sollen. Tagungsteilnehmer berichteten von einem „Schulterschluss der Händlerschaft, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat“. Die nächste Tagung des VAPV soll am 20. Juni stattfinden.

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