PC-Technik beschleunigt das Pkw-Bordnetz

Autor / Redakteur: Wolfgang Gomoll / Jens Rehberg

Die Hersteller tüfteln an breiteren Datenautobahnen, die ihre Fahrzeuge durchziehen. Denn die Datenmengen schwellen an. Nun soll der neue BMW 7er erstmals per Ethernet gesteuert werden.

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An einer schnelleren Datenübertragungstechnik im Auto geht kein Weg vorbei.
An einer schnelleren Datenübertragungstechnik im Auto geht kein Weg vorbei.
(Foto: press-inform)

Apps, Integration des Tablet-PCs, Vogelperspektiven-Kameras und selbständiges Bremsen und Anfahren im Stop-and-Go-Verkehr. Neue Autos sollen immer mehr können und sind mittlerweile zu Rechenmaschinen geworden, von denen Konrad Zuse nicht zu träumen gewagt hätte. Inzwischen sind in Oberklassen-Limousinen wie dem BMW 7er oder der Mercedes-S-Klasse rund 100 Steuergeräte verbaut, die ein immer größeres Daten-Volumen generieren. Außerdem mutiert das Auto zunehmend zu einer rollenden Multimedia-Einheit. Für das ganz große Ziel von Mercedes, BMW & Co – dem autonomen Fahren – werden die Bits-und-Bytes-Ströme nochmals sehr deutlich anschwellen.

Damit dies alles möglich ist, müssen alle Sensoren und Assistenzsysteme im Auto zusammenarbeiten. Angefangen von den Parkpiepsern bis hin zur Stereo-Kamera. Die ersten Schritte zum Autopiloten sind schon in Vorbereitung: Das Parken ohne Fahrer, also dass das Auto in der Parkgarage selbständig rangiert, ist nur noch wenige Jahre entfernt. Dann ist die Autobahn dran. Audi-Chef Rupert Stadler rechnet damit, dass bis zum Ende des Jahrzehnts das autonome Fahren auch in der Stadt realisierbar sein wird. Deswegen sind hohe Übertragungsraten innerhalb der Fahrzeuge der Zukunft ein Muss.

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Die Lösung kennt jeder PC-Nutzer aus dem Büro und der Einbindung seines Rechners in ein Netzwerk mit einem Kabel: das Ethernet. Mit dieser schnellen Übertragungstechnik können bis zu 100 Mbit/Sekunde durch das Kabel gejagt werden. Das ist rund zehn Mal so viel, wie ein Flexray-Bus-System bewältigen kann. Damit wäre die immer anspruchsvoller werdende Kommunikation zwischen den verschiedenen Elementen des rollenden Computers Automobil vereinfacht und auch schnell genug.

Hersteller wie Mercedes bei der neuen S-Klasse und BMW beim neuen X5 verwenden schon länger Teile des superschnellen Netzwerks. Zumeist allerdings nur zu Diagnose-Zwecken, oder, wie beim BMW, für die Heckkamera. Die nächste Generation des 7ers, der 2015/16 erscheinen wird, soll allerdings komplett mit diesem Netzwerktyp ausgerüstet sein. Für Kirsten Matheus, die bei BMW die Ethernet-Strategie verantwortet, ist die Umrüstung des Datenübertragungsnetzes nichts weniger als „eine Revolution im Auto“.

Die Vorteile der neuen Verbindungstechnik sind vielfältig. Da das Ethernet schon seit langem in der Computer-Technik eingesetzt wird, kann man auf bekannte Basis-Software zurückgreifen und muss diese nur noch an die automobilen Anforderungen beziehungsweise Prozessoren anpassen. Auch der Kabelsalat des Bordnetzes, eines der teuersten und schwersten Bauteile des Autos, wird drastisch reduziert. Auch wird die Bus-Melange aus CAN-, MOST- und Flexray-Bus, die sich momentan im Auto befindet, zum großen Teil überflüssig werden. Lediglich der CAN-Bus wird für Spezialaufgaben mit kleineren Datenmengen wie etwa Lenkwinkel- oder Raddrehsensoren weiterexistieren. Damit sinken die Kosten sowie das Gewicht und letztendlich auch der Verbrauch.

Durch den schnellen Datenfluss kann auch der Antriebsstrang besser angesteuert werden, was ebenfalls zu einer Verbrauchsreduzierung führt. Die Fehlerdiagnose geht ebenfalls schneller vonstatten. Für den Fahrer bietet das Automobil mit Ethernet-Netzwerk weitere Vorteile und Extras: Das Netzwerk kann relativ problemlos mit mobilen Geräten kommunizieren. So könnte beispielsweise das Bild der Rückfahrkamera auf das Smartphone übertragen werden. Dazu muss der Fahrer nicht im Auto sitzen. Auch die Kommunikation zwischen den Fahrzeugen wird dann reibungsloser vonstatten gehen.

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