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Peking Motorshow: Der Schnupfen ist weg

| Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Jens Rehberg

Der kurzfristig schwächelnde Mega-Markt China hat sich längst wieder erholt. Gerade die europäischen Premiumhersteller jubeln. In Peking wird geklotzt.

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(marcelsommer@web.de)

Anfang dieses Jahres galoppierte der gigantische Automarkt Chinas einmal mehr mit deutlichem Abstand vor den USA und Europa her. Fast 5,5 Millionen verkaufte Neufahrzeuge in den ersten drei Monaten lassen selbst die guten Verkäufe den USA und Europa (jeweils rund 4 Millionen Einheiten) blass aussehen. Lauscht man führenden Köpfen der Autoindustrie, führt an China allen Stagnationstendenzen zum Trotz kein Weg vorbei.

„Wir hatten hier zuletzt Zuwachsraten von 30 Prozent“, sagt Mercedes-Vertriebschef Ola Källenius, „2015 konnte China bei uns erstmals die USA als wichtigsten Markt überholen. Das wird sich mittelfristig nicht ändern.“ Aktuell kommen auf 1.000 Chinesen kaum mehr als 100 Autos. In den USA sind es in einem gesättigten Markt derzeit über 700 pro 1.000 Einwohner, in Deutschland 560 pro 1.000. An dieser Quote kann man das chinesische Marktpotenzial für die nächsten Jahrzehnte leicht ermessen.

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Kein Wunder, dass Volkswagen in China nicht nur sein neues Volumenmodell Magotan vorstellt, sondern innerhalb der nächsten vier Jahre sieben neue Elektro- und Plug-In-Hybrid-Modelle auf den Markt bringen will. Jedes dieser Fahrzeuge soll auch in China produziert werden.

Die Pekinger Automesse ist nichts für zart besaitete Gemüter. Die schwüle Hitze lässt Lebensgeister erlahmen, der Sauerstoffgehalt ist minimal und aus den alles andere als reinlichen acht Ausstellungshallen dröhnen ohrenbetäubend laut Musikeinspielungen und Bühnenshows gegeneinander an. Zurückhaltung ist die Sache der Chinesen nicht – das wird auf der „Auto China“ auch in diesem Jahr wieder deutlicher denn je. Auf der Messe im „New China International Exhibition Centre“ dreht sich ähnlich wie auf anderen Märkten aktuell fast alles um das Thema SUV. China-spezifisch ist hingegen die bedingungslose Liebe zu Modellen mit langem Radstand. Wer einen guten Job hat und sich ein Auto von einem internationalen Hersteller leisten kann, nimmt insbesondere wochentags hinten rechts im Fahrzeug Platz und lässt im Dauerstau einen Fahrer ans Steuer. Da ist jeder Zentimeter Beinfreiheit herzlich willkommen. Jalousien, separate Klimatisierung und Komfortsitze inklusive.

Die meisten Hersteller aus den USA und Europa haben zum chinesischen Markt ein zwiespältiges Verhältnis; doch Verkäufe und Erträge sind nach wie vor die besten auf der Welt. Deshalb machen alle – von Audi über BMW, Jaguar Land Rover und Mercedes bis hin zu Porsche, Volkswagen, Ferrari oder Lamborghini – gute Miene zum bisweilen schwierigen Spiel, dessen Regeln die nationalen Behörden vorgeben. „In diesem Jahr soll der chinesische Premiummarkt um acht Prozent wachsen. Davon wollen wir profitieren – gerade mit der Langversion der Mercedes E-Klasse“, unterstreicht Daimler-Chef Dieter Zetsche, während er sein neuestes Schmuckstück bei klassischer Musik stilvoll enthüllen lässt.

Ohne eine lokale Produktion lässt sich hier in China kaum etwas verkaufen. Dafür sind die Zölle und die lokalen Beschränkungen einfach zu hoch. Kein Wunder also, dass Mercedes die Langversion seiner neuen E-Klasse (plus 14 Zentimeter) ebenso hier in China produzieren lässt wie Jaguar seinen verlängerten XFL oder BMW seinen an sich kompakten X1 XL, der um 12 Zentimeter verlängert schon am großen Bruder X3 kratzt. Ebenfalls für China verlängert: der noch junge Audi A4 L mit einer Länge von 4,81 Metern. Noch länger: der Bentley Mulsanne EWB (Extended Wheel-Base). Auch hier sitzt man im Alltagsverkehr zwischen den stets überfüllten Ringstraßen bevorzugt hinten rechts, liest, schlummert oder arbeitet.

Während der Phaeton mittlerweile auch für den hiesigen Markt eingestellt wurde und selbst als Elektromodell keine Fortsetzung bekommen wird, bringt Volkswagen mit dem Phideon eine fünf Meter lange Luxuslimousine – allein für den chinesischen Markt. Zudem wollen die Wolfsburger mit einem Ausblick auf den neuen Touareg von Dieselskandal und dem entsprechend schlechten Unternehmensergebnis ablenken. Das gelingt nicht nur deshalb, weil das „T-Prime“-Konzept optisch und technisch Lust auf eine Serienumsetzung macht, sondern weil Diesel in China sowieso kein Thema ist. Hier sind Pkw obligatorisch mit einem Benzinmotor unterwegs, der allenfalls mit einem Elektromotor gekoppelt ist.

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 Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Journalist