Peugeot: Die Strategie hinter den Showcars

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Mit „Exalt” und „Quartz” hat Peugeot Konzepte vorgelegt, die auf der Teststrecke zeigen, wie nah sie schon an den Modellen des kommenden Jahrzehnts sind – und wo der Weg noch weit ist.

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(Foto: Peugeot)

Fette Felgen, flippige Farben, flauschiger Fond: Bei Zukunfts-Fahrzeugen auf Messen dürfen Designer träumen. Doch unter Blech, Leder, Holz und Alu steckt oft mehr Show als ein zu Ende gedachtes Konzept. Peugeots Designer wie Sylvain Henry wollen bei ihren Concept-Cars „Exalt” und „Quartz” belegen, dass die aufregende Gestaltung durchaus fahrbereite Ideen enthält.

Die beiden Studien zeigen ziemlich genau die Schwerpunkte, in die sich die Franzosen entwickeln wollen. Der Quartz umreißt Peugeots Vorstellungen vom Crossover der Zukunft, der Exalt soll die große Limousine vorwegnehmen, mit der die Franzosen auf dem chinesischen Markt Boden gut machen und auf dem deutschen wieder festen Tritt im Premium-Segment gewinnen wollen. Da müssen sie mächtig Gas geben.

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Und dafür sind beide Concept-Cars in der Motorisierung bestens ausgerüstet, in der sie schon auf Messen standen. Im dort gezeigten Quartz etwa steckt ein 270 PS starker 1,6-Liter-Turbobenziner, gekoppelt mit zwei je 115 PS starken Elektromotoren. Die treiben direkt Vorder- und Hinterachse an. Diesen Allrad-Hybrid schaltet ein Sechsgang-Automat, der Muskeln zulegen musste, um die 500 PS akurat umzusetzen und sich nicht selbst bei rund 700 Newtonmeter Drehmoment die Zähne auszuschlagen.

Solche Urgewalt katapultiert ein 4,50 langes und zwei Meter breites Kompakt-SUV nach vorn – im Race-Modus, wenn alle drei Motoren loslegen. Die Wahrheit aber liegt in der ersten Kurve. Und dort tritt ein weiteres Highlight dieses Concept-Cars zutage, das es in die Serie des nächsten Jahrzehnts bringen dürfte: Optische Sensoren und die Daten des Navi erfassen in Millisekunden Geschwindigkeit, Fahrbahn, Kurvenneigung und Tausende Daten mehr – und passen dementsprechend die Fahrwerkshöhe an. Wie bei der Raubkatze vor dem Sprung kauert sich der Quartz dann per Luftfederung hinunter. Die Bodenfreiheit verringert sich blitzschnell um bis zu fünf Zentimeter. So saugt sich das SUV um die Kurve.

Lastenheft auch für Konzeptfahrzeuge

Der brüllende Tiger kann aber auch zum lautlosen Pussikätzchen werden. Im sogenannten ZEV-Modus fährt der Wagen bis zu 50 Kilometer rein elektrisch - wichtig für die chinesischen Märkte, die den Herstellern solche emissionsfreien Reichweiten abfordern und mit Vergünstigungen bei Zulassung und Besteuerung belohnen. „Wir haben genau so einem Lastenheft zu folgen wie die Kollegen im Design der nächsten Serie“, so Henry.

Dass es der Brutal-Hybrid in ein kommendes SUV schafft, ist wohl eher nicht wahrscheinlich – genauso wenig wie 23-Zoll-Räder, gegenläufig öffnende Türen oder die Mittelkonsole aus Basalt im Quartz. Eher schon dürften - übrigens atmungsaktive - Polyesterfäden aus recyceltem Kunststoff auch für Seriensitze bald in der Wirklichkeit ankommen.

Der Stoff, aus dem die Träume sind, ist bei Henrys Concept-Car Exalt schon vor dem Einsteigen zu sehen: Das Heck wurde für die chinesische Version ist mit einem speziellen Textilstoff bezogen, der wie die Haut eines Haifischs aussieht. „Shark Skin“ verbessert, verbunden mit einer besonderen Struktur am Heck, den Luftwiderstand. Schöner sparen eben. „Wir verändern unsere Concept-Cars aber ständig von den Farben, Werkstoffen und Materialien - weil wir das Auto dem jeweiligen Markt anpassen wollen, auf dem wir es zeigen”, so Henry. Im Moment ist der Exalt schwarz-dunkelblau lackiert.

Plug-in-Hybrid im Trend

Die Limousine hat aktuell nur einen mickrigen Vierzylinder unter der langen Haube - die Motoren werden gerade anderswo getestet. Ein Plug-in-Hybrid wird auch in der nächsten Ausbaustufe des Concept-Cars noch nachgerüstet. Es geht schließlich Richtung Serie - und „für eine große Limousine ist das heute ein Muss”, so Henry; nicht nur in China wird im nächsten großen Löwen also ein Doppelherz schlagen - mit rund 340 PS. Nur, wer gerade aus dem Race-Modus des Quartz kommt, dürfte sich ein wenig entschleunigt fühlen.

Genau darum geht es aber eigentlich auch in einer Limousine, in der sich etwa der chinesische Manager zur Arbeit kutschieren lassen soll. Der kann seinen Blick über das tiefschwarze Ebenholz der Türen schweifen lassen. Ein chinesischer Kunsthandwerker hat dort das Bild eines Löwen im Bambuswaldrohren und Blättern hineingeschnitzt. Ein europäischer Kunde könnte eher an einer bootsdeck-ähnlichen Oberfläche Gefallen finden, meint Henry. Die Jahresringe kommen dabei übrigens aus dem ganz besonderen „Holz”: recycelten, gepressten Zeitungen. Das Material aus der Möbelindustrie könnte es bald in die Serie schaffen.

„Fließend, aber nicht verschlungen - klare Formen, aber nicht teutonisch zackig”: Das ist Peugeots generelle Designlinie, so der Master-Designer. Der frankophile Kunde soll Zeit haben zu relaxen und durchzuatmen. Im Exalt macht darum das Luftreinigungssystem „Pure Blue” Hausputz: Alle Oberflächen werden durch Bakterizide chemisch gereinigt. Feinstaub wird während der Fahrt durch einen neuartigen Aktivfilter aus der guten Stube gewiesen.

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Zur Gelassenheit trägt auch die Innenraumgestaltung bei. Der Exalt hält zwei Kippschalter links vom Lenkrad parat, sieben rechts; alle nach den Wünschen des Kunden frei zu belegen. „Mehr kann kaum jemand beherrschen”, so Henry. Über die beiden in der Mittelkonsole angebrachten Touchscreens wird der Rest geregelt - bei Bedarf. Das große Aufräumen ist ja schon heute in neueren Serienmodellen zu sehen.

Das Konzept von Lebensart an Bord sollen Peugeot-Kunden bald als typisch französisch erkennen. Gelingt das, haben sich die zweistelligen Millionenausgaben für Quartz und Exalt ausgezahlt. Concept-Cars sind eben mehr als nur eine gute Show.

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