Peugeot elektrifiziert alle Modelle, FCA spart sich Zukunftstechnologie

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Grimm

Der Genfer Salon steht im Zeichen der Elektrifizierung und um die CO2-Ziele zu erreichen, führt nach einhelliger Meinung am E-Auto auch kein Weg vorbei. Nur FCA-Boss Mike Manley sieht das anders. Die Investitionen ins E-Auto seien teurer als Strafzahlungen bei zu hohem CO2-Ausstoß.

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(Bild: Peugeot)

Der französische Autobauer Peugeot will künftig jedes Modell vollelektrisch oder als Steckdosenhybrid anbieten. Damit wolle man vor allem die Klimaschutzvorgaben der EU einhalten. „Wir werden keine Strafen zahlen“, sagte Peugeot-Chef Jean-Philippe Imparato am Mittwoch auf dem Genfer Autosalon der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden die Grenzwerte selbst dann einhalten, wenn unser Elektroanteil unter 10 Prozent liegt.“

Mit der Elektrifizierung startet der größte französische Autobauer erst im Herbst, wenn der neue, in Genf präsentierte Peugeot 208 auch als vollelektrischer E-208 in Serie geht. Zugleich sollen die ersten drei Peugeot-Hybride auf den Markt kommen. Wegen der höheren Kosten werden Peugeots Elektroautos voraussichtlich auch für die Kunden teurer als Diesel oder Benziner sein. „Wir werden kein Geld verlieren mit E-Autos – ausgeschlossen“, betonte der Vorstandschef. Heute sind noch 38 Prozent der verkauften Peugeot-Autos Diesel-Fahrzeuge.

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Zuvor hatten bereits die Chefs von BMW und Daimler, Harald Krüger und Dieter Zetsche, klargestellt, dass sie die CO2-Vorgaben ohne Strafzahlungen einhalten wollen und werden. Allerdings müssten die Kunden mitspielen. „Ich glaube, es ist auch bei den bisherigen Angeboten erkennbar, dass Elektromobilität im Grundsatz teurer ist als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren“, sagte Zetsche.

FCA ist E-Mobilität zu teuer

Einen anderen Ansatz vertritt Fiat Chrysler Automobiles. Strafzahlungen wegen klimaschädlicher Abgase werde man in Kauf nehmen wenn das günstiger ist als hohe Investitionen für Elektroautos, sagte FCA-Chef Mike Manley. „Wir nehmen den Weg mit den geringsten Kosten“. Schließlich sei doch die Frage, ob die Kunden überhaupt E-Autos kauften, der Absatz in Europa sei doch sehr gering. „Aber wenn der Markt sie verlange, werde auch Fiat Chrysler sie bauen“, so Manley weiter.

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Erst in einem Jahr will der Konzern zwei Jeeps als Hybride auf den Markt bringen und anschließend einen elektrifizierten Alfa-Romeo-SUV. Ob ein vollelektrischer Fiat-Kleinwagen, der auf der Messe als Konzeptfahrzeug präsentiert wurde, überhaupt in Serie geht, ist offen.

Bernhard Mattes, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), mahnte dagegen, die Autoindustrie müsse rasch breitere Käuferschichten erschließen, um Strafen für Klimaverstöße zu vermeiden. „Wir rollen das Angebot an E-Autos über alle Segmente aus, also auch in der Kompaktwagen- und Mittelklasse“, sagte er. „Wenn wir nur in den Bereich der Oberklasse gehen würden, könnten wir unsere CO2-Ziele nicht erreichen.“

Für die Zeit nach 2021 hat die EU bereits weitere Vorgaben gemacht. Um den Ausstoß von CO2 in den Jahren 2021 bis 2030 um 37,5 Prozent zu senken, müsse jeder zweite Neuwagen in Deutschland elektrifiziert sein, sagte Mattes. Gleichzeitig warnte er vor einem drastischen Jobabbau. „Wenn man die zusätzlichen Arbeitsplätze aus der Elektromobilität gegenrechnet, dann bleiben trotzdem 75.000 Arbeitsplätze, die gefährdet sind", sagte der VDA-Chef.

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