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Peugeot-Partner revoltieren

Autor: Christoph Baeuchle

Gut, dass die Versammlung der Peugeot-Partner rechtzeitig zu Ende war. Denn je länger die Sitzung dauerte, desto angespannter wurde die Stimmung. Die Partner fordern Maßnahmen, und zwar schnell.

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(Foto: Peugeot)

Sinkende Neuzulassungen und rückläufige Marktanteile: Vielen Peugeot-Partnern steht das Wasser bis zum Hals. Nach dem Absturz in den vergangenen Jahren wurden die Ziele im laufenden Jahr völlig verfehlt. Es muss sich etwas ändern, und zwar schnell. Das machen die Peugeot-Partner dem französischen Konzern immer deutlicher.

Vom Hersteller fordern sie nun eine „Lex Deutschland“. „Wir brauchen einen stärkeren Fokus auf Deutschland“, betonte Händler Ulrich Bebion, Vorstandsmitglied im Partner-Verband. Es müssten mehr Vertriebs- und Marketingmittel sowie Mittel zum Imageaufbau eingesetzt werden.

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Da die Partner in Köln kein Gehör fanden, wandte sich im Herbst Präsident Albert Schwinn im Namen des Verbandes direkt an die PSA-Zentrale in Frankreich. In einem Schreiben an Carlos Tavares machte er klar, dass von dem in Paris verkündeten Turnaround bei den deutschen Händlern nichts zu spüren sei. Sie schrieben Verluste und würden „somit vor einer echten Zerreißprobe“ stehen.

Kein Wunder also, dass die Stimmung der Händler bei der Mitgliederversammlung in Schweinfurt gereizt war. Je länger die Sitzung dauerte, desto mehr heizte sie sich auf. Es war gut, dass die Veranstaltung eine zeitliche Grenze hatte. „Wir müssen die Trendwende schaffen und die Marktanteile auf 3,5 Prozent führen“, gab Präsident Albert Schwinn das Ziel vor. Doch davon ist die Marke weit entfernt. Schlimmer noch: Es ist nicht klar, wer dies machen sollte.

Mit dem Umzug von Saarbrücken nach Köln hat Peugeot zwischen 80 und 90 Prozent der Mitarbeiter verloren. Nun sind auch noch zwei von drei Führungspositionen offen. Seit Anfang August sucht Peugeot einen Vertriebschef, und die Geschäftsführerposition ist derzeit nur kommissarisch besetzt. Die Hoffnungen ruhen nun auf Albéric Chopelin, der für zwei Wochen Peugeot-Deutschland-Chef war und dann zum PSA-Deutschland-Direktor befördert wurde.

Viel Zeit hat er nicht. „Die Situation ist zu prekär, als dass sich Chopelin 100 Tage einarbeiten könnte“, betonte Schwinn. „Aber wir müssen ihm einige Tage Zeit lassen und ihm vor allem eine Chance geben.“ Der Präsident wirbt um Vertrauen, doch diesen Vorschuss wollen nicht mehr alle Partner geben.

Dies liegt nicht zuletzt an der vorhandenen Unsicherheit. So sah man viele ratlose Gesichter und hörte zahlreiche Fragen zu den offenen Themen: Investitionen in die Innen-CI, Serviceverträge gekündigt, Kriterien der neuen Serviceverträge nur zum Teil klar.

Etwas Licht ins Dunkel brachte Branchenanwalt Uwe Heymann von der Frankfurter Kanzlei Hau Heymann Busch. Er zeigte auf, welche rechtlichen Konsequenzen die Kündigung hat und wo die Partner auf einen Ausgleich hoffen können. Er gehe davon aus, dass Peugeot die endgültigen Kriterien für die neuen Verträge rechtzeitig bekannt geben werde. Auch der Importeur hat ein Interesse an einer schlagkräftigen Organisation. Wesentlich dafür ist, dass der Händlerverband die Umsetzung der neuen Verträge unterstützt und nicht ablehnt. „Die schärfste Waffe für den Verband ist die Empfehlung“, stellte Heymann klar.

Weitere Informationen und Hintergründe zur Mitgliederversammlung veröffentlicht »kfz-betrieb« in Ausgabe 47, die am 21. November erscheint.

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