Pkw-Markt: Erholung ist nicht auf Eigenzulassungen im Handel zurückzuführen

Autor: Christoph Seyerlein

Im Juli schlug sich der deutsche Pkw-Markt im Vergleich zu den vorherigen Monaten mit einem relativ moderaten Rückgang bei den Neuzulassungen wacker. Dabei griff der Handel kaum häufiger zu taktischen Mitteln als etwa noch im Juni.

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Die taktischen Zulassungen im Handel stiegen im Juli im Vergleich zum Juni nur leicht 2,1 Prozent.
Die taktischen Zulassungen im Handel stiegen im Juli im Vergleich zum Juni nur leicht 2,1 Prozent.
(Bild: Achter/»kfz-betrieb«)

Die Anzeichen einer Erholung des deutschen Pkw-Marktes im Juli sind nicht auf taktische Zulassungen im Handel zurückzuführen. Darauf deuten zumindest aktuelle Daten des Marktforschungsunternehmens Dataforce zur Entwicklung der einzelnen Marktsegmente im vergangenen Monat hin.

Demnach ist der im Vergleich zu den vorherigen Monaten moderate Rückgang von 5,4 Prozent bei den Neuzulassungen vor allem auf die positive Entwicklung im Privatkundengeschäft zurückzuführen. Dort fiel das Ergebnis mit 129.276 Neuzulassungen sogar um 7,1 Prozent besser aus als im Juli 2019. Exakt wie der Gesamtmarkt entwickelte sich der relevante Flottenmarkt (-5,4 %).

Größter Eigenzulassungs-Kanal war im Juli zwar der Handel mit 44.299 Einheiten. Das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel dort aber wesentlich deutlicher aus (-20,2 %) als bei den taktischen Zulassungen der Fahrzeugbauer (-5,1 %). Weiterhin klar rückläufig waren auch die Zulassungen auf Autovermieter (-22,4 %).

Auch im Vergleich zum Juni 2020 zeigt sich, dass taktische Zulassungen im Handel bei der Erholung des Marktes im Juli kaum eine Rolle gespielt haben. Hier gab es im Volumen lediglich einen leichten Zuwachs um 2,1 Prozent. Dagegen legten die Absatzzahlen im Flottenmarkt (+49 %), im Privatkundengeschäft (+79,5 %) und die Eigenzulassungen der Fahrzeughersteller (+59,8 %) gegenüber dem Juni enorm zu.

Nachholeffekte als wichtigster Faktor

Laut Dataforce war der wichtigste Faktor für die verbesserte Marktentwicklung vermutlich Nachholeffekte. Viele Marken hätten ihre Autos in den zurückliegenden Monaten wegen des Corona-Lockdowns verspätet produziert und ausgeliefert. Außerdem hätten Käufer wegen der langen Unsicherheit über staatliche Förderpakete ihre Entscheidung häufig aufgeschoben.

Den Aufschwung im Privatmarkt führen die Analysten auch auf die Mehrwertsteuersenkung zurück. Im Herbst rechnet Dataforce allerdings wieder mit einer komplizierteren Lage, da die Nachholeffekte dann ausklingen dürften.

Wohnmobil-Boom treibt den Transportermarkt an

Auch den Transportermarkt haben die Marktforscher in ihrer Analyse betrachtet. Dieser verzeichnete erstmals seit Beginn der Coronakrise einen Zuwachs zum Vorjahresniveau(+2 %). Treiber der Entwicklung waren auch dort vor allem private Neuzulassungen (+23,6 %). Hauptverantwortlich dafür war der beispiellose Boom bei den Wohnmobilen (+94,7 % im Vergleich zum Juli 2019).

Im relevanten Flottenmarkt normalisierten sich auch die Transporterzulassungen (-0,6 %). Beim Fahrzeugbau (-19 %), Fahrzeughandel (-11,7 %) und Autovermieter (-9,5 %) war das allerdings nicht der Fall.

Im Vergleich zum Juni 2020 schnellten die privaten Zulassungen im zurückliegenden Monat um 70,1 Prozent in die Höhe. Auch im Flottenmarkt zogen die Geschäfte wieder an (+26,2 %). Bei den Eigenzulassungen waren Hersteller (+14,2 %) und Vermieter (+5,6 %) im Vergleich zum Juni aktiver, während der Handel wesentlich weniger zu jenen Mitteln griff (-25,8 %).

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Entwicklungsredakteur