Pop.up: Flugkünstler mit fahrbarem Untersatz

Airbus und Italdesign präsentieren Flugauto-Studie

| Autor: sp-x

Airbus und Italdesign zeigen auf dem Genfer Auto Salon ein Flugauto namens „Pop.up“.
Airbus und Italdesign zeigen auf dem Genfer Auto Salon ein Flugauto namens „Pop.up“. (Bild: SP-X/Matthias Knödler)

Dass sie sich mit der Zukunft auskennt, hat die italienische Kreativ-Agentur Italdesign schon Anfang der 80er bewiesen: Aus Firmenchef Giugiaros Feder stammte der DeLorean DMC-12, der bekanntlich durch die Zeit reisen konnte. Zugegeben, der Flux-Kompensator hat es bislang nicht in die Serie geschafft, und wird wohl auch noch lange auf seine Erfindung warten müssen. Das heißt aber nicht, dass die Design-Schmiede nicht weiter an neuen Formen der Mobilität arbeitet. Zusammen mit Airbus hat die Audi-Tochter auf dem Genfer Auto Salon jetzt ein Flugauto vorgestellt.

Stärker könnte der Kontrast nicht sein: Auf der linken Seite des Italdesign-Stands feiern die Italiener die Weltpremiere des Zerouno, einem extrovertierten Sportwagen auf Lamborghini-Huracán-Basis, der nur fünf Mal gebaut werden soll und stellvertretend für die „alte Welt“ stehen könnte, in der Giugiaro Schönheiten wie den BMW M1, den Maserati Quattroporte oder VW Scirocco aus den 70ern entwarf. Rechts daneben steht die Zukunft: der „Pop.up“, der mit bisherigen Autos nicht mehr viel gemein hat. „Wenn man das städtische Fahrzeug der Zukunft entwickeln möchte, kann das herkömmliche Auto nicht mehr die alleinige Lösung für Metropolen sein“, erklärt Italdesign-Chef Jörg Astalosch.

Herzstück des neuen Mobilitätskonzepts ist eine Passagierkapsel, die optisch irgendwo zwischen Smart, Renault Twizzy und BMW i3 einzuordnen ist und Platz für zwei Reisegäste hat. Prinzipiell sitzt die rundum verglaste Kapsel auf einem Bodenmodul mit vier Rädern und Elektroantrieb, und rollt über die Straße. Allerdings ohne Lenkrad oder Pedale – das per App bestellte Fahrzeug holt seine Gäste alleine ab und bringt sie völlig autonom ans Ziel. Um dort möglichst schnell hinzukommen, bedient sich Pop.up aber nicht nur der Straße, sondern auch der dritten Dimension.

Heißt konkret: Wenn der Computer feststellt, dass der Weg durch die Luft die bessere Wahl ist – zum Beispiel, weil auf der Strecke ein Stau zu erwarten ist – ruft er eine überdimensionierte Drohne mit acht gegenläufigen Rotoren. Die aus Kohlefasern gefertigte Kapsel wird von der Bodeneinheit gelöst, an die Drohne angedockt und schon geht die Reise in einigen Metern Höhe weiter, natürlich auch hier völlig selbstpilotiert. Die beiden Fahr-Flug-Gäste können sich zurücklehnen, den Ausblick genießen oder sich auf der Windschutzscheibe Informationen zur Reiseroute und mehr einblenden lassen.

Kein Modell für den Privatbesitz

Boden- und Luftmodule, die ihre Arbeit verrichtet haben, kehren automatisch zurück zu einer Basisstation. Dort können sie ihre Akkus wieder aufladen. Auch die Kapseln werden wieder aufgeräumt, wenn die Passagiere ausgestiegen sind. Denn: Selber besitzen wird zukünftig kaum jemand so ein Pop.up. Kunden fordern das Fahr-Flug-Mobil bei Bedarf an.

Bei der Bestellung können gleich Sonderwünsche angegeben werden, wie zum Beispiel ein zusätzlicher Stopp zur Bildung einer Fahrgemeinschaft – der Computer berechnet stets die beste Route und entscheidet selbstständig, ob Pop.up den Weg über die Straße oder durch die Luft nehmen soll.

Genfer Salon 2017: Wettbewerb um das schönste Strahlen

Ganz neu ist die Idee natürlich nicht, dem Stau durch Ausnutzung der dritten Dimension zu entgehen. Schon seit den 80er Jahren basteln verschiedene Tüftler an einem Flugauto, Taxi-Konkurrent Uber hatte vor einiger Zeit, wenn auch nur auf dem Papier, ähnliche Ideen präsentiert und auch Google-Gründer Larry Page findet die Vorstellung, einfach abzuheben, ziemlich spannend. Zumindest investierte er 100 Millionen Dollar in ein Projekt, das an so einer Boden-Luft-Lösung arbeitet. Eher unbekannte Unternehmen wie PAL-V oder Urban Aeronautics wollen bereits in den kommenden Jahren ihre Flugautos auf den Markt bringen.

Mit Airbus und der Audi-Tochter Italdesign greifen nun allerdings keine Start-ups an, sondern zwei gestandene Unternehmen, die sich in der Mobilitätsbranche bestens auskennen. Der Zeitplan ist auch schon ausgelotet: In sieben bis zehn Jahren könnte Pop.up auf die Straße kommen – beziehungsweise in die Luft gehen.

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