Porsche: „Vielversprechender Jahresstart“

Autor / Redakteur: Wolfgang Michel / Wolfgang Michel

Im Interview mit »kfz-betrieb« sieht Porsche-Chef Klaus Zellmer noch großes Potenzial für die Sportwagenmarke in Deutschland.

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Redaktion: Wie zufrieden stimmt Sie das abgelaufene Jahr?

Klaus Zellmer: Über das ganze Jahr hinweg haben wir 16.000 Aufträge geschrieben und das, obwohl in den beiden Wintermonaten Januar und Februar der ganze Norden Deutschlands stillgelegt war. 2010 war das verkaufsstärkste Jahr in der Geschichte von Porsche Deutschland überhaupt.

Und wie verlief der Start ins Jahr 2011?

Der Jahresstart ist extrem vielversprechend. Wir haben mit dem Cayenne einen Volltreffer gelandet. Leider hat das den Effekt, dass wir im Moment nicht alle Kundenwünsche erfüllen können und lange Lieferzeiten haben. Mittlerweile reichen sie bis in den Winter.

Das heißt, der Cayenne ist im März bereits ausverkauft?

Ausverkauft ist er natürlich nicht, aber gerade bei der Dieselversion haben wir schon lange Lieferzeiten.

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Wann wird sich die Situation verbessern?

Die Kollegen in der Produktion geben ihr Bestes. Unser Ziel beim Cayenne sind drei bis sechs Monate Lieferzeit. Die Produktion wird in Bratislava und in Leipzig erhöht. Das geht aber nicht sofort.

Sechs Monate Lieferzeit sind den Porsche-Kunden zuzumuten?

Das ist von Kunde zu Kunde unterschiedlich. Aber in der Regel wissen unsere Kunden, dass sie ihren neuen Cayenne sechs Monate vorher bestellen müssen.

Was heißt das alles für den Handel?

Es bringt unsere Händler in eine sehr gute Situation. In der Folge nimmt es ihnen im Verkaufsgespräch den Druck.

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Apropos Druck: Wie steht es um das Auslaufmodell 911?

Den 911 gibt es derzeit als Sondermodell GTS und Black Edition zu attraktiven Preisen. Da passt es, dass das Sportwagensegment sehr gut läuft. Aktuell schreiben wir beim 911 täglich zwischen 25 und 35 Aufträge. Darauf sind wir gerade wegen des langen Lebenszyklus mächtig stolz.

Sie sehen keine Probleme für das aktuelle Modell?

Die Sondermodelle GTS und Black Edition greifen sehr gut. Schließlich sprechen wir hier von ausgereiften Sportwagen, die sich im Wettbewerb sehr gut behaupten. Im Moment verkaufen wir deutlich mehr Fahrzeuge als erwartet.

Auf Seite 2: Wie der Panamera läuft

Wann kommt der neue 911?

Der Lebenszyklus eines Porsche liegt zwischen sieben und acht Jahren. Der neue 911 wird seine Premiere noch dieses Jahr im Herbst feiern.

Modellwechsel: Wie zufrieden sind Sie mit dem Panamera?

Porsche hat nach 15 Monaten weltweit rund 30.000 Panamera verkauft. In Deutschland sind es zirka 3.000 Einheiten. Bei den Premiumlimousinen haben wir aktuell einen Marktanteil von 13 Prozent. Der Transaktionspreis des Panamera im letzten Geschäftsjahr lag in Deutschland bei 106.000 Euro. Der Panamera ist mittlerweile im Markt sehr gut angekommen, und das, obwohl noch nicht alle Motorvarianten verfügbar sind. Der in Genf präsentierte Panamera S Hybrid wird sicherlich weitere Impulse geben, ebenso der Diesel

Wann kommt der Diesel?

Bisher haben wir bestätigt, dass es einen Panamera Diesel geben wird. Wann das ist beziehungsweise wie die konkreten Spezifizierungen lauten, wurde noch nicht bekannt gegeben.

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Gilt das auch für den Hybrid?

Der Panamera S Hybrid kann bereits bestellt werden. Er wird ab Juni ausgeliefert.

Eigentlich müssten Ihre Händler doch sehr zufrieden sein.

Natürlich sind noch nicht alle Auftragseingänge aus 2010 in Zulassungen umgemünzt. Erst die Zulassung spült das Geld in die Kasse der Händler.

Stichwort Geld: Haben Ihre Händler im letzten Jahr Geld verdient?

2010 haben die Porsche-Händler eine durchschnittliche Umsatzrendite von über einem Prozent erreicht. Das ist noch nicht sensationell, aber im Vergleich zu den Vorjahren deutlich besser. Damit die Händler zukunftsfähig sind, müssen wir die Rendite weiter verbessern. Wichtig ist, dass ein Viertel unserer Porsche-Zentren letztes Jahr zwei Prozent und mehr verdient hat. Daran wollen wir uns orientieren. Ich bin mir sicher, dass wir 2011 allen Grund haben werden, sehr zufrieden zu sein.

Auf Seite 3: Anforderungen an die Händler

Kommt 2013 der kleine Cayenne namens Cajun?

Das Auto ist zwar angekündigt. Aber typischerweise dauert es vier Jahre, bis ein komplett neues Modell auf den Markt kommt. Das Fahrzeug wird kommen und die Händler freuen sich bereits heute darauf. Egal wann: Der Cajun wird ein echter Wachstumstreiber für Porsche und unsere Händler werden. Das bestätigt auch die große Euphorie der Händler, die mit Zuversicht in die Marke investieren.

Stichwort investieren: Mehr Volumen, mehr Modelle – das bedeutet auch mehr Investitionen für den Handel.

Wachstum heißt für jeden Unternehmer immer auch, die Infrastruktur an dieses Wachstum anzupassen. Wir analysieren mit jedem Händler seine derzeitige Situation und entscheiden dann, ob sein Autohaus den Kapazitätssprung verkraften kann.

Können Sie das bitte noch konkretisieren?

Wenn wir die Marktpotenziale wirklich heben wollen, betrifft das sowohl das Servicegeschäft als auch den Neuwagen- und Gebrauchtwagenverkauf. Hier gilt es zu prüfen, ob der Handelsbetrieb investieren muss oder nicht. Nur richtig aufgestellt, kann der Partner das künftige Wachstum voll mitnehmen. Selbstverständlich erarbeiten wir das alles gemeinsam mit dem Händler und erstellen auch Planungsrechnungen inklusive Profitabilitäts- und Rentabilitätsberechnungen.

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Sind für das anvisierte Wachstum weitere Porsche-Zentren geplant?

In ganz wenigen Fällen analysieren wir im Moment Standorte. Dort schauen wir genau, ob wir das Marktpotenzial mit der bestehenden Handelsorganisation stemmen können oder ob wir gegebenenfalls weitere Stützpunkte benötigen. Aber da sprechen wir von maximal zehn Händlern, die in den nächsten fünf Jahren dazukommen könnten. Diese werden wir nur dann installieren, wenn es dort auch möglich ist, Geld zu verdienen.

Hersteller – Handel: Welche gemeinsamen Aufgaben stehen 2011 ganz oben auf der Prioritätenliste?

Mit dem Händlerverband setzen wir uns in diesem Jahr zusammen, um über das Margensystem 2012 zu diskutieren. Wir wollen das System so optimieren, dass möglichst viel Geld in der Kasse der Händler bleibt. Das ist mein Versprechen gegenüber dem Händlerverband und ich bin mir ganz sicher, die Händler werden mich öfter daran erinnern.

Auf Seite 4: „Einige Händler müssen noch investieren.“

Gibt es weitere Themen?

Außerhalb der verbandspolitischen Ebene gibt es natürlich jedes einzelne Porsche-Zentrum und jeden einzelnen Unternehmer. Jeder einzelne Handelsbetrieb hat seine Herausforderungen, die wir gemeinsam mit dem Händler meistern wollen.

Nicht jedes Porsche-Zentrum ist CI-konform.

Das meinte ich gerade mit den „Herausforderungen“. Jeder Händler hat eine für ihn spezifische Situation. Einige müssen noch in die Marke investieren, um mit dem Cajun voll durchstarten zu können. Andere sind schon ganz weit. Ich führe im Moment wöchentlich zwei bis drei Gespräche mit Geschäftsführern oder Investoren, um genau das zu diskutieren.

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Sie sind gut gestimmt für das Jahr 2011?

Ich bin nicht nur sehr gut gestimmt, sondern auch sehr zuversichtlich. Natürlich müssen wir die Übergangssituation mit dem 911er meistern. Andererseits bietet der Nachfolger beste Anknüpfungspunkte. Außerdem fallen wir nicht wie früher in ein tiefes Loch: Cayenne und Panamera sorgen dafür, dass diese Amplituden nicht allzu kräftig ausschlagen werden.

Schlussfrage: Wie lautet Ihr persönliches Resümee der vergangenen sechs Monate als neuer Porsche-Deutschland-Chef?

In der Zeit als Porsche-Marketingleiter habe ich mich mit den kreativen Themen beschäftigt. In der Funktion des Gesamtverantwortlichen sind es nun die operativen Themen. Mein Resümee nach acht Monaten lautet: Das Gesamtgeschäft ist sehr spannend und bereitet sehr viel Freude.

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