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Porsche-Werksabholung startete vor 70 Jahren auf einer Wiese

| Autor: Steffen Dominsky

Am 26. Mai 1950 lieferte der Stuttgarter Autobauer das erste Fahrzeug in deutsche Kundenhand aus. Die Übergabe-Zeremonie war meilenweit vom heutigen CI-gerechten Premium-Brimborium entfernt.

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Vor 70 Jahren holte der erste deutsche Porsche-Kunde seinen Wagen in Stuttgart ab – bei Schampus auf der Wiese.
Vor 70 Jahren holte der erste deutsche Porsche-Kunde seinen Wagen in Stuttgart ab – bei Schampus auf der Wiese.
(Bild: Porsche AG)

Ottomar Domnick war gespannt, fast könnte man sagen aufgeregt. Der Grund für den steigenden Blutdruck und Puls des 43-jährigen Facharztes für Neurologie und Psychiatrie war jedoch nicht in seiner medizinischen Arbeit zu finden. Vielmehr war es sein Herzenswunsch, der erste Kunde von Porsche in Deutschland zu sein. Den erfüllte sich Domnick am 26. Mai 1950, und zwar in der Form, die man heute als „Werksabholung“ kennt. Der Arzt reiste also bereits am Vortag nach Zuffenhausen an, um seinen Porsche 356 in Fischsilber mit der Kommissionsnummer 5001 entgegenzunehmen.

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Der Grundstein für Porsches Geschichte der Werksabholung wurde ganz banal im Freien gelegt, auf einer Wiese in Sichtweite zum Werk 1. Unmittelbar vor der Übergabe seines Porsche 356 saß Domnick noch auf dem Beifahrersitz neben Herbert Linge, der ihn zu einer finalen Abnahmefahrt eingeladen hatte. Linge begann seine Ausbildung bereits im April 1943 bei der Porsche KG und war einer der ersten Mechaniker nach der Rückkehr von Porsche aus dem österreichischen Gmünd Ende 1949.

Autos noch ohne Vertrieb verkauft

„Ich habe mit 14 Jahren in der ersten Lehrwerkstatt von Porsche begonnen. Wir waren damals sechs Mechaniker und zwei technische Zeichner. Ferdinand Porsche lief häufig mit wichtigen Gästen an unserer Werkstatt vorbei. Jedes Mal ließ er seine Gäste kurz warten und begrüßte uns. Das werde ich nie vergessen“, erzählt Linge, der sich noch an jede Werksabholung erinnert. „Domnick hat die Übergabe seines Porsche 356 richtiggehend zelebriert. Aber er kam ohnehin schon jeden Tag zuvor vorbei, um zu sehen, wie weit wir mit der Arbeit waren. Auch Ferry Porsche schaute kurz vorbei, als der Arzt seinen Sportwagen in Empfang nahm.“

Das Originaldokument der Bestellung von Domnick mit der Kommissionsnummer 5001 liegt heute in der Stiftung Domnick, die seinen Nachlass verwaltet. Die Order lief über den Händler Volkswagen Hahn, schließlich gab es damals noch keinen Porsche-Vertrieb in Deutschland. Per Hand wurde dort „Volkswagen“ durchgestrichen und durch „Porsche-Sport“ ersetzt. Domnicks Porsche 356 steht bis heute stellvertretend für den Start von Porsche in Deutschland sowie unmittelbar für den Beginn der persönlichen Werksabholung in Zuffenhausen.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group, Vogel Business Media GmbH & Co. KG