Spezialoldtimer Porsche-Zug

Autor: Steffen Dominsky

Ein Porsche, der maximal 35 km/h läuft: Das kann doch nur ein Trecker sein? Falsch! Wer wollte, konnte jetzt eine der seltenen „Porsche-Lokomotiven“ auf der Plattform „Get your Classic“ ersteigern.

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Der Zahn der Zeit hat an diesem Zug mit „Porsche-Lokomotive“ sichtbar genagt. Er ist aber einer der wenigen Überlebenden seiner Art.
Der Zahn der Zeit hat an diesem Zug mit „Porsche-Lokomotive“ sichtbar genagt. Er ist aber einer der wenigen Überlebenden seiner Art.
(Bild: Get your Classic)

Keine zehn Jahre war der Zweite Weltkrieg vorbei, da befand sich Deutschland – zumindest der Westteil – bereits voll im Aufschwung. Der Käfer purzelte zu Hunderttausenden von den Bändern in Wolfsburg, das Land wurde mobiler und mobiler. Was lag also näher, als die neue Mobilität auch in die Freizeit der Menschen zu tragen, in Zoos, Parks und in große Ausstellungen? Genau das dachte sich auch der Berliner Arthur Franke. 1954 erteilte er der Berliner Stahlbaufirma Konrad Lindhorst den Auftrag, eine kleine Ausstellungsbahn mit VW-Industriemotor zu bauen. Am 9. Juli 1955 tuckerte der „Lindhorst-Express“ mit seiner 600-Millimeter-Spurweite erstmals durch den Berliner Zoo und wurde zu einer echten Attraktion. Bis 1974 entstanden insgesamt 17 dieser Züge, die dann statt der VW-Industriemotoren solche der Marke Porsche antrieben – die sogenannten „Porsche-Lokomotiven“ waren geboren.

Fast parallel zu dem Schienenzug ließ Franke für den Touristenverkehr auf Norderney bei der Karosseriebaufirma Hermann Harmening in Bückeburg 1955 einen schienenlosen Gliederzug bauen, der dort als „Dünen-Express“ fuhr. Als Basis für das Zugfahrzeug diente ein VW Käfer. Mitte der Fünfzigerjahre arbeitete ein gewisser Henry Escher für die internationale Bauausstellung in Berlin, die 1957 über die Bühne ging. Dort fungierte er als „Sachbearbeiter des rollenden Gutes“ auch als Ansprechpartner für Arthur Franke. 1959 bewarb sich Escher um den Betrieb von schienengebundenen und schienenlosen Zügen bei der Bundesgartenschau 1959 in Dortmund und bekam den Zuschlag. Und nicht nur das: Der gebürtige Chemnitzer gründete zugleich die „Henry Escher Ausstellungsbahn KG“. Fortan war Escher der Ansprechpartner für schienenlose Züge und stattete bis 1979 fast sämtliche Gartenschauen in Deutschland mit seinen Bahnen aus, ebenso die in Rotterdam und Amsterdam.

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Auf „Get your Classic“ kürzlich zu ersteigern

1960 ließ Escher weitere „Straßenzüge“ bauen, dieses Mal allerdings von der Firma Kässbohrer. Nach ihren Einsätzen bei besagten Gartenschauen fungierten sie auch auf Messen als Shuttles. Im Lauf der Jahre wurden sie dann abgestoßen und dienten in verschiedenen Städten und Gemeinden als Touristenbahnen. Und genau eine dieser seltenen „Porsche-Lokomotiven“ konnte man jetzt auf der Plattform „Get your Classic“ ersteigern. Ein Freizeitpark in Ostdeutschland hatte sie 1991 gekauft und einige Jahre lang betrieben. Nach ihrer Stilllegung stand sie jahrelang in einer Halle des Parks, bis der jetzige Verkäufer „Chromecars“ sie fand.

Aktuell ist laut Chromecars lediglich die Existenz von vier weiteren Straßen-Porsche-Loks bekannt, und nur eine weitere soll es mit den passenden Wagons geben. Die jetzt versteigerte Porsche-Lok ist komplett mit ihren zwei Wagons, dem Motor sowie fast alle Teilen zu haben. Der Zustand: definitiv ein Restaurierungsprojekt! Alles muss überholt werden, mechanisch, optisch und technisch. Das schreckte den Käufer aber nicht ab. 31.234 Euro Kauf- beziehungsweise Ersteigerungspreis ist ihm seine Porsche-Lok wert gewesen – die Restaurierung dürfte jedoch ein Vielfaches davon verschlingen. Wer mehr über die Porsche-Lokomotiven wissen möchte, dem sei die Seite www.porschelok.de empfohlen.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group