Porsches Zukunft: Sparsam ja, weniger Leistung nein

Autor / Redakteur: Stefan Grundhoff / Andreas Wehner

Der Sportwagenbauer will den Verbrauch seiner Autos senken, aber nicht an den PS sparen. Mittelfristig sollen alle Baureihen eine Hybridvariante bekommen. Selbst ein Elektro-Sportwagen ist denkbar.

„Das Thema Downsizing heißt bei uns nicht Downscaling – so etwas wird es bei uns nicht geben“, ermahnt Dr. Heinz-Jacob Neußer, Direktor Porsche-Powertrain, seine Mannen zu unbeirrter Sportlichkeit. Heißt, kleinere Hubräume und weniger Zylinder sind auch bei Porsche denkbar, doch weniger Leistung soll es bei den Zuffenhausenern nicht geben. Unmöglich erscheint ein Boxster oder gar ein Porsche 911 mit einem aufgeladenen Vierzylinder-Boxer als Einstiegsmotorisierung dagegen nicht. „Wenn man zurückschaut ist abzulesen, was wir auch in Zukunft fortführen werden“, ergänzt Neußer energisch, „bei jedem neuem Modell oder einer Modellpflege gab es mehr Leistung und weniger Verbrauch. So werden wir es auch weiterhin machen.“

Nach den kommenden Generationen 911 und Boxster/Cayman, die in den nächsten beiden Jahren vorgestellt werden, soll mittelfristig in jeder Porsche-Baureihe ein ebenso leistungsstarkes wie effizientes Hybridmodell verfügbar sein. Zudem soll eine Turboaufladung nicht allein dem absoluten Topmodell der Baureihe vorbehalten bleiben. Wolfgang Dürheimer, Entwicklungs-Chef bei Porsche: „Wenn die Hubräume wegen der gesetzlichen Vorgaben kleiner sein müssen, bleibt für uns allein die Aufladung“.“

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So wird die nächste Generation des Porsche 911, die im kommenden Herbst auf der IAA ihre Premiere feiern soll, nicht nur über Direkteinspritzung und Turboaufladung verfügen. Unter anderem dürfte es regenerative Bremssysteme, entkoppelbare Nebenaggregate und eine Start-Stopp-Automatik geben, die bei Panamera und Cayenne bereits verfügbar ist. Ein Normverbrauch von unter neun Litern auf 100 Kilometern trotz 350 PS und rund 300 km/h Spitze dürfte der sportlichen Konkurrenz die Schamesröte ins Gesicht treiben. Die gleichen technischen Komponenten halten danach bei der nächsten Generation von Boxster und Cayman Einzug, die 2012 die aktuellen Modellgenerationen ablösen. „Alle neuen Triebwerke werden bei uns aufladefähig sein“, unterstreicht Antriebs-Mann Dr. Heinz-Jacob Neußer.

Panamera und Cayenne bald ohne Schaltgetriebe?

Auf dem Weg zu sparsameren Motoren hilft den Porsche-Entwicklern dabei auch die zunehmende Anzahl von automatisierten Getrieben. Mittlerweile entscheiden sich selbst bei der Sportikone 911 bis zu 80 Prozent der Kunden für die Doppelkupplung PDK, die die Vorteile von manueller Schaltung und automatisiertem Fahren kombiniert und ganz nebenbei noch den Verbrauch um mehr als einen halben Liter auf 100 Kilometern senkt.

So ist aus Unternehmenskreisen schon seit längerer Zeit zu hören, dass die handgeschalteten Versionen von Panamera und Cayenne bald der Vergangenheit angehören könnten. Nur die Sportwagen 911 und Boxster/Cayman haben nach wie vor zahlreiche Kunden, die sich mit großer Überzeugung für einen Handschalter entscheiden.

Rotationsspeicher-Hybrid nur für die Rennstrecke

Gerade erst am Wochenende hat der Porsche 911 GT3 R Hybrid erstmals in den USA gezeigt, was er kann. Beim renommierten Petit Le Mans Rennen auf der ebenso kurvenreichen wie hügeligen Rennstrecke Road Atlanta machte der Fast-Sieger des 24-Stunden-Rennens vom Nürburgring eine exzellente Figur. Neben dem 480 PS starken Saugmotor im Heck wird die Vorderachse rein elektrisch von zwei jeweils 60 Kilowatt starken Elektromotoren angetrieben, die aus einem Rotationsspeicher gespeist werden.

„Eine solche Technik ist für Porsche jedoch nur in einem echten Rennwagen denkbar“, erklärt Porsche-Entwicklungs-Chef Wolfgang Dürheimer. Heißt, die Technik des Erprobungsträgers hat allenfalls die Chance, in Rennfahrzeugen Realität zu werden. Möglich erscheint allenfalls ein Einsatz im Carrera-Cup oder ähnlichen Rennserien.

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