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Praxis-Tipp: Verschmorte Angelegenheit

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

So mancher Fahrzeugfehler ist für Servicetechniker und Meister eine echt harte Nuss. Das zeigt das Beispiel eines MB Sprinters. Was die Werksvertretung als „Riss im Kolben“ diagnostizierte, entpuppte sich in Wahrheit als ein Kurzschluss im Kabelstrang.

Nachdem Burkhardt Wild die Leitung des Getriebesensors durchtrennt hatte (li.), lag ein sauberes Fünf-Volt-Signal an. Eine innerlich verschmorte Leitung (re.) hatte per Kurzschluss die fünf Volt „geklaut“.
Nachdem Burkhardt Wild die Leitung des Getriebesensors durchtrennt hatte (li.), lag ein sauberes Fünf-Volt-Signal an. Eine innerlich verschmorte Leitung (re.) hatte per Kurzschluss die fünf Volt „geklaut“.
(Bild: Wild Motoren)

Ein 2014er Mercedes-Benz Sprinter (906.235) mit Motortyp „OM 642“ fand eines Tages den Weg zu Motoren- und Diagnosefachmann Burkhardt Wild (www.wild-motoren.de). Der Auftrag kurz und knapp: eine Motorüberholung, nachdem der Sprinter unerwartet stehen geblieben war. „Aufgrund der bereits weit fortgeschrittenen Abrüstungsmaßnahmen war uns leider keine Eingangsdiagnose mehr möglich. Und beim Zerlegen des Motors konnten wir keinen Schaden feststellen. Einen gerissenen Kolben fanden wir nicht“, blickt Burkhardt Wild zurück. Der Motor war in Anbetracht seiner Laufleistung in einem sehr guten Zustand. Nach Rücksprache mit dem Kunden baute der Fachbetrieb den Motor mit den nötigsten Neuteilen wieder zusammen und freute sich auf die anstehende Diagnose.

Nach einem längeren Startversuch sprang der Motor an, lief aber nur im Leerlauf und nahm kein Gas an. Da der Raildruck an der magischen Startfreigabegrenze von circa einem Volt Signalspannung (circa 300 bar) lag und dieser beim Gasgeben nicht anstieg, vermuteten Wild und seine Kollegen ein Problem im Raildrucksystem. Dazu kam noch der Inhalt des Fehlerspeichers, der in Bild 1 zu sehen ist. Leider konnte man dieser Beschreibung nicht viel entnehmen, und beim Hersteller konnte niemand etwas mit diesem Fehlercode anfangen. Auch eine Fehlersimulation bei diesem brachte keinen Hinweis auf die Bedeutung des Eintrags. Die plausibelste Erklärung wäre gewesen, dass die Versorgungsspannung von fünf Volt der Sensoren oder die Signalspannung eines Sensors unterbrochen war.