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Preisvorgaben sind Kartellrechtsverstoß

Autor: Christoph Baeuchle

Die Pläne des Versicherungskonzerns HUK-Coburg, in den Servicemarkt einzusteigen, stoßen auf kräftigen Widerstand. Der ZDK hat sich an das Bundeskartellamt gewandt. Im Gespräche erläutert ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz, was dahinter steckt.

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ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.
ZDK-Hauptgeschäftsführer Axel Koblitz.
(Foto: Promotor)

Herr Koblitz, der ZDK will wegen der Werkstattpläne der Versicherungsgruppe HUK-Coburg zum Kartellamt gehen. Ist das eine Nebelkerze?

Axel Koblitz: Nebelkerzen fallen unter Pyrotechnik, und die bringen wir höchstens beim Jahreswechsel zum Einsatz.

Warum sollte das Bundeskartellamt etwas gegen die Pläne des Versicherers haben?

Die HUK-Tochter Select-Autoservice GmbH wirbt nach uns vorliegenden Unterlagen um und bei Versicherungskunden mit festen Werkstattpreisen bei Partnerbetrieben. Woher weiß diese HUK-Tochter, dass die Betriebe alle denselben Preis für z.B. die Inspektion an einem Opel Astra nehmen? Die plausibelste Erklärung lautet, dass den Partnerwerkstätten diese Preise vertraglich oder zumindest faktisch vorgegeben werden. Das aber wäre ein klassischer Kartellrechtsverstoß.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben das Bundeskartellamt von diesem Sachverhalt unterrichtet und um kartellrechtliche Prüfung gebeten. Vermutlich wird die Behörde zunächst eine Stellungnahme der HUK bzw. deren Tochtergesellschaft einholen und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Inwiefern belasten die Pläne des Versicherers die Branche?

Der Wettbewerb im Werkstattgeschäft wird ohnehin immer schärfer. Damit müssen die Betriebe umgehen. Hier aber macht ein Branchenfremder den Servicemarkt zum Spielfeld für seine Kundenakquise. Im Gegensatz zu Unfallreparaturen hat die HUK ja gar kein eigenes Interesse an billigen Inspektionen, sondern setzt diese nur als Lockreiz für ihr Versicherungsgeschäft ein. Die daraus entstehenden Verwerfungen sind für die HUK allenfalls Kollateralschäden. Für die über 38.000 Kfz-Betriebe ist das dagegen ein Angriff auf ihr Kerngeschäft, der sich nach den Regeln ökonomischer Vernunft und fairen Wettbewerbs nicht parieren lässt.

Ist die Anfrage beim Kartellamt die einzige Maßnahme des ZDK gegen die HUK-Pläne?

Natürlich nicht. Nur sind wir dabei auf die uns als Verband zur Verfügung stehenden Mittel beschränkt, zu denen weder Laserschwert noch Sanktionsbefugnis zählen. Unter anderem appellieren wir immer wieder an die Betriebe, bei Kooperationen mit Versicherern kaufmännische Vernunft walten zu lassen – nicht nur im Unfallschadengeschäft. Und dem Autofahrer raten wir, Versicherern zu vertrauen, die auf Leistung und Preiswürdigkeit in ihrem Kerngeschäft setzen.

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