Premierenfahrt für Daimlers autonomen Stadtbus

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm

Daimlers Nutzfahrzeugsparte richtet die Entwicklung auf autonomes Fahren aus. Der Hersteller hat einen Bus mit dem so genannten City-Pilot 20 Kilometer ohne Zutun eines Fahrers durch Amsterdam geschickt.

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Daimler hat erstmals einen Bus teilautonom auf die Straße geschickt.
Daimler hat erstmals einen Bus teilautonom auf die Straße geschickt.
(Bild: Daimler)

Daimler will nach den Lastwagen auch seine Busse mit Assistenzsystemen mit umfassenden Fahrfunktionen ausstatten. „Anfang des nächsten Jahrzehnts wollen wir damit in Serie gehen“, sagte Hartmut Schick, Leiter Daimler Busses, der Deutschen Presse-Agentur vor der Premierenfahrt des „Mercedes-Benz Future Bus“ in Amsterdam. Gut 200 Millionen Euro will Daimler bis 2020 in die Weiterentwicklung seiner Stadtbusse stecken.

Der „City-Pilot“ genannte Fahrassistent soll in dem Bus noch nicht komplett die Kontrolle übernehmen, aber etwa die Spur halten, beschleunigen, Hindernisse erkennen und mit Ampeln kommunizieren können, damit diese rechtzeitig auf grün schalten, wenn sich der Bus nähert. Der City-Pilot umfasst sowohl Assistenzsysteme, die schon für die Reisebusse von Mercedes-Benz verwendet werden, als auch zusätzliche Systeme, die teilweise von Daimler Trucks übernommen und für den Stadtverkehr weiterentwickelt wurden.

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Auf einer rund 20 Kilometer langen Strecke absolvierte der Mercedes-Benz-Bus seine erste autonome Fahrt im Stadtverkehr. Der Bus fuhr laut Mercedes auf einem Teilstück der längsten Expressbus-Linie Europas bis zu 70 km/h schnell. In Amsterdam haben Busse Fahrstreifen, die sie sich – außer mit Bussen – nicht mit anderen Verkehrsteilnehmern teilen.

„Mit unserem Highway Pilot haben wir vor knapp zwei Jahren gezeigt: autonomes Fahren wird den Lkw-Fernverkehr effizienter und sicherer machen. Jetzt bringen wir diese Technologie in unsere Stadtbusse“, erläuterte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard die Unternehmensstrategie. Der City-Pilot verknüpft Fern- und Nahbereichsradar, Sensoren, verschiedene Kameras sowie GPS-Daten.

Einsatz in Deutschland noch nicht in Sicht

„Unsere Pkw-Kollegen werden zuerst mit vollautomatischen Fahrzeugen in Städten unterwegs sein“, sagte Schick. Überall auf der Welt wird über solche Technologien nachgedacht, die den Stadtverkehr flüssiger gestalten sollen. Der Stadtstaat Singapur beispielsweise will fahrerlose Taxis testen. Bis in Deutschland ein fahrerloser Bus auf den Straßen rollt, dürfte es hingegen dauern.

Das deutsche Recht, das sich an das so genannte Wiener Übereinkommen für den Straßenverkehr hält, erlaubt die komplette Kontrollabgabe der Autofahrer grundsätzlich nicht. Allerdings laufen die Vorarbeiten zu einer Modernisierung des Straßenverkehrsgesetzes.

Lkw sind schon weiter

Noch früher als im Stadtverkehr dürften Busse mit teilautonomen Systemen als Fernbusse auf Autobahnen im Einsatz sein. Auch dort werden allerdings andere die Vorreiterrolle einnehmen: „Die Lastwagen werden dabei bis Ende dieses Jahrzehnts den Anfang machen, wir kommen danach“, sagte Schick.

Allerdings wird es nicht mehr so lange dauern, bis Stadtbusse auch elektrisch fahren können. 2018 plant Daimler einen rein elektrisch betriebenen Bus, der bei den Kosten mit einem Diesel vergleichbar sein soll. „Wir haben die kleinen Pilotprojekte in Städten gestoppt und entwickeln stattdessen für 2018 einen Elektrobus in Serie, der mit seinen Gesamtkosten über den Lebenszyklus an den Dieselbus herankommt“, sagte Schick. „Die Batteriekapazitäten entwickeln sich so schnell nach oben, dass in Zukunft große Teile des Stadtverkehrs mit Elektrobussen dargestellt werden könnten.“

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