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Privatkunden haben Probleme mit Umstieg auf E-Autos

| Autor: Andreas Grimm

Während die Elektrozulassungen im Allgemeinen deutlich steigen, ziehen die Privatkunden noch nicht so richtig. Die nochmals erhöhte Förderung soll das nun ändern. Ein ganz praktisches Problem ist damit allerdings noch nicht gelöst.

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Das Laden bleibt ein wesentliches Problem der Elektromobilität. Vor allem im privaten Umfeld fehlt es an praktikablen Gelegenheiten.
Das Laden bleibt ein wesentliches Problem der Elektromobilität. Vor allem im privaten Umfeld fehlt es an praktikablen Gelegenheiten.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Die deutschen Autobauer kommen in Sachen Elektromobilität in die Spur. Laut dem Verband der Automobilindustrie kletterte der Marktanteil der deutschen Hersteller an den insgesamt deutlich steigenden Elektrozulassungen (BEV und PHEV) von 46 Prozent im Juni 2019 auf zuletzt 67 Prozent. Grund dafür ist nach Ansicht des Verbands das steigende Angebot an elektrifizierten Modellen. Deutsche Konzernmarken haben inzwischen etwa 70 Fahrzeuge im Angebot, ähnlich viel Auswahl bieten die Importeursmarken.

Seit Jahresbeginn wurden 93.980 Elektrofahrzeuge neu zugelassen (plus 97 Prozent). Sie erreichten im ersten Halbjahr einen Anteil von 7,8 Prozent am Gesamtmarkt, nach rund 3 Prozent im Jahr 2019. Für Reinhard Zirpel, Präsident des Importeursverbands VDIK, hat zumindest der Elektroauto-Markt damit die Corona-Krise vorerst hinter sich gelassen. „Der Juni 2020 war nach dem Rekord im März der bisher zweitstärkste Zulassungsmonat für E-Fahrzeuge in Deutschland.“

Seit Jahresstart registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt 44.307 neu angemeldete reine E-Autos (BEV / +43 %). Bei den Plug-in-Hybriden (PHEV) kletterte der Absatz im ersten Halbjahr um 200 Prozent auf 49.541 Einheiten. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt lag 34,5 Prozent im Minus. Daneben kletterte auch der Absatz von Erdgasfahrzeugen im ersten Halbjahr um 11 Prozent auf 3.552 Einheiten.

Ladeprobleme im privaten Umfeld

Privatkunden reagieren laut dem VDA auf die Elektromodelle noch etwas verhaltener als gewerbliche Käufer. Sie stellen nur 28 Prozent der Elektro-Neukäufe, während ihr Gesamtmarktanteil bei 35 Prozent liegt. Nun hofft der Verband, dass „die ab 1. Juli 2020 abgesenkte Mehrwertsteuer in Kombination mit dem deutlich erhöhten Umweltbonus in den nächsten Monaten zu einer Auflösung des Nachfragestaus bei privaten Käufern führt“.

Allerdings lösen die Zuschüsse ein fundamentales Problem der Elektromobilität nicht: die Ladeinfrastruktur. Während in öffentliche Ladestationen bereits investiert wurde, diese in Spitzenzeiten aber immer öfter besetzt sind, rückt die private Ladeinfrastruktur wieder ins Zentrum der Überlegungen. Immerhin 85 Prozent der Ladevorgänge finden im privaten Umfeld statt, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben von VDA, BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserswirtschaft) und GDW (Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen).

Stärkere staatliche Förderung der privaten Ladeinfrastruktur nötig

Sie sprechen sich daher für eine stärkere staatliche Förderung der Installation und Errichtung privater Ladeinfrastruktur aus. Insbesondere in Wohnanlagen seien Impulse nötig, um die erhebliche Erstinvestitionsschwelle abzusenken. Ziel müsse es sein, „vervielfältigbare Lösungen des privaten Ladens in urbanen Wohnsituationen zur Unterstützung des Markthochlaufs der Elektromobilität zu entwickeln“.

Im Konjunkturpaket der Bundesregierung sind bereits Mittel für den Ausbau einer modernen und sicheren Ladeinfrastruktur vorgesehen, unter anderem mit einer Förderung von privaten und gewerblichen Ladeeinrichtungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«