Privatkunden machen noch einen Bogen um Neuwagen

Autor: Andreas Grimm

Von einer Normalisierung des Neuwagenmarktes ist vor allem das Privatkundengeschäft noch weit entfernt. Der Absatzkanal ist im Vergleich zum Vorjahresmonat tief im Minus. In einem speziellen Vertriebssegment läuft es dagegen schon deutlich besser.

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Die Neuzulassungen von Privatkunden haben sich im Juni noch nicht wirklich erholt.
Die Neuzulassungen von Privatkunden haben sich im Juni noch nicht wirklich erholt.
(Bild: Grimm / »kfz-betrieb«)

Die Zulassungszahlen steigen wieder. Im Juni wurde etwa ein Drittel mehr Neuwagen zugelassen als im Mai. Doch diese Entwicklung betrifft die einzelnen Marktsegmente höchst unterschiedlich, wie eine Auswertung der Zulassungszahlen durch die Marktforschung Dataforce ergab. Vor allem im Privatkundenbereich setzt die Erholung nur zögerlich ein. Laut der Untersuchung wurden im Juni 72.000 Fahrzeuge von privat erstmals zugelassen – und damit 38,2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Aus Sicht der Dataforce-Analysten ist die schwache Erholung in diesem Segment auch eine Folge der ab dem 1. Juli gültigen vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuer, wodurch eine Verschiebung des Autokaufs um wenige Wochen den Kunden eine deutliche Ersparnis einbringt. Für die nähere Zukunft sei in diesem Kundensegment jedoch mit einer deutlichen Belebung zu rechnen, erwarten die Marktbeobachter.

Anders sieht es bei den Autovermietern aus, die nach dem Lockdown angesichts fehlender Mietauto-Nachfrage am deutlichsten auf Neuzulassungen verzichtet hatten. In diesem Geschäftsfeld betrug das Minus im Juni bei 32.100 Erstzulassungen nur noch 25,7 Prozent. „Sehr wahrscheinlich fällt hier der Nachholeffekt am größten aus, weil die Autovermieter ihre Neuzulassungen sehr früh und umfangreich reduziert hatten“, erläutert Dataforce.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Gewerbekundengeschäft. Die Firmen- und Flottenkunden brachten 56.800 Neuwagen auf die Straßen, das sind 26,7 Prozent wenige als vor Jahresfrist.

Durchschnittliche Entwicklung bei den Eigenzulassungen

Eine durchschnittliche Entwicklung zeigt sich bei den Eigenzulassungen der Hersteller und der Händler mit einem Rückgang um rund 32,5 Prozent (Marktdurchschnitt Juni: 32,3 %). Im Vergleich zum Monat Mai haben die Aktivitäten in diesen beiden Kanälen aber deutlich zugenommen. Gleichwohl sieht Dataforce den Markt von jeglicher Normalität noch weit entfernt.

Besser ist die Situation im von Dataforce speziell beleuchteten Transportermarkt – den Utilities und leichten Nutzfahrzeugen. Mit einem Minus von 13,8 Prozent im Vergleich zum Juni 2019 ist dieser Markt schon verhältnismäßig nah an das Vorjahresniveau herangerobbt. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Nachfrage nach leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities seit Jahren boomt und ohne die aktuellen Umstände wohl weiterhin ein kräftiges Wachstum zu erwarten gewesen wäre.

In dieser Betrachtung stechen vor allem die Eigenzulassungen hervor. Die Erstanmeldungen durch Händler stiegen im Vergleich zum Juni 2019 sogar um 0,4 Prozent auf 8.274 Einheiten. Die Hersteller ließen dagegen mit 1.800 Einheiten knapp ein Drittel weniger Transporter zu als im Vorjahresmonat. Und auch die Autovermieter zeigten sich bei diesen Modellen im Juni recht zurückhaltend (-22,5 %). Der Privatmarkt verzeichnet wie schon allgemein bei den Neuwagen einen überdurchschnittlichen Rückgang (-18,7 %), während der Gewerbekundenmarkt eher stabilisierend wirkt (-11,8 %).

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Fachredakteur Management & Handel, Redaktion »kfz-betrieb«