Privatkunden verlieren die Lust an Dieselprämien

Autor: Andreas Grimm

Der Einbruch des Pkw-Neuwagenmarkts im November geht zu einem erheblichen Teil auf eine schwächere Privatkunden-Nachfrage zurück. Das lässt einen Schluss zu: Der Effekt der Umtauschprämien der Hersteller ist inzwischen verpufft.

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(Foto: Grimm)

Der Rückgang der Pkw-Neuzulassungen um 9,9 Prozent im November hat zahlreiche Ursachen, besonders schwer wiegt allerdings der Rückgang im Privatkundengeschäft. Laut einer Auswertung der Marktforschung Dataforce sackten die privaten Erstzulassungen um 16,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ab. So deutlich ging es mit keinem anderen Vertriebskanal abwärts.

Im Vorjahr hatten die Diesel-Eintauschprämien der Hersteller die Privatkunden-Nachfrage stark stimuliert (+15,9 %). Auch aktuell gibt es zahlreiche Prämien – nur kommen diese offenbar bei Kunden nicht mehr so recht an. Ohne diesen Sondereffekt bewegt sich der Privatmarkt mit knapp 93.000 Neuzulassungen nun wieder ungefähr auf Normalniveau aus dem Jahr 2016. Positiv für die Branche: Das Privatkundengeschäft sei kaum noch von den WLTP-Problemen betroffen, heißt es von den Dataforce-Analysten.

Deutlich im Minus war im November auch das Flotten- und Firmenkundengeschäft. In diesem Segment sackten die Neuzulassungen um 9,1 Prozent ab. Marken mit Rückständen in der WLTP-Homologation wie Audi ziehen das Segment nach unten. Andere Marken haben sich laut Dataforce dagegen „wieder stabilisiert oder konnten satte Zuwächse verbuchen“.

Deutliche Zuwächse gab es im November bei den Autovermietern. In diesem Segment kamen 11,6 Prozent mehr Fahrzeuge auf die Straßen als im Vorjahresmonat. Daran dürfte auch die Wiederverfügbarkeit von Dieselfahrzeugen, die die Euro-6d-Temp-Norm erfüllen, nicht ganz unschuldig sein. Jene Entwicklung trug auch ihren Teil zur Stabilisierung des Dieselanteils bei. Die Selbstzünder kamen auf einen Marktanteil von 34,0 Prozent. Das ist – wenn auch auf sehr niedrigem Niveau – so viel wie im Vorjahresmonat, nachdem der Dieselanteil in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich gesunken war. Mehr noch: Bis auf den Fahrzeughandel haben alle Kanäle wieder stärker auf den Selbstzünder gesetzt.

Aber auch insgesamt beteiligte sich der Fahrzeughandel im November weniger als sonst am Neuzulassungsgeschehen. Als Eigen- und Tageszulassungen kamen 49.400 Fahrzeuge in den Markt. Das waren 10,6 Prozent weniger als im November 2017. Zugleich schränkten die Hersteller und Importeure ihre Zulassungstätigkeit um 8,6 Prozent ein. Zusammengenommen kamen über diese Sondereffekte knapp 8.300 Einheiten weniger auf die Straßen als im Vorjahresmonat (-9,9 %).

Transportermarkt legt leicht zu

Wie schon in den Vormonaten ergibt die isolierte Betrachtung des Transportermarkts eine andere Entwicklung der Neuzulassungen. Die Dataforce-Sonderauswertung, die nur die Neuzulassungen von leichten Nutzfahrzeugen und Pkw-Utilities betrachtet, ergab für den November sogar ein Plus von 1,2 Prozent für den Transportermarkt im Vergleich zum Vorjahresmonat. Kumuliert übertrifft das Volumen das bereits sehr gute Vorjahresergebnis um 3,9 Prozent.

Wachstumstreiber waren im November das Firmen- und Flottenkundengeschäft (+5,0 %) und vor allem die Anmeldungen der Autovermieter (+34,8 %). Auch die Hersteller und Importeure sorgten für mehr Neuzulassungen (+14,9 %). Dagegen blieb der Handel ebenso wie im Pkw-Geschäft zurückhaltend mit Eigenzulassungen (-5,4 %). Und die privaten Neuzulassungen gaben ebenso stark nach wie im reinen Pkw-Markt (-16,2 %).

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Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«