Privatkundenkäufe steigen im ersten Halbjahr um ein Achtel

Schwieriges zweites Halbjahr für Gewerbekundengeschäft

| Autor: Andreas Grimm

(Bild: Grimm / »kfz-berieb«)

Die private Neuwagennachfrage hat den Absatz im Vertragshandel im ersten Halbjahr stimuliert. Wie eine Analyse der Marktforschung Dataforce ergeben hat, war allein in diesem Marktsegment in den ersten sechs Monaten des Jahres ein signifikantes Wachstum zu erkennen. Dagegen stagnierte das Firmenkundengeschäft. Unter dem Strich kamen im ersten Halbjahr 2,9 Prozent mehr Pkw neu auf die Straßen als im ersten Halbjahr 2017.

Mit 695.759 Erstzulassungen auf Privatpersonen hat die Endkundennachfrage im Jahresverlauf um 12,6 Prozent zugelegt. Das sind 78.000 Einheiten mehr als im Vorjahreszeitraum. Dieser Absatzkanal ist damit auf dem höchsten Stand seit dem Abwrackprämienjahr 2009 angelangt. Der Anteil des Privatmarktes an allen Neuzulassungen liegt bei knapp 38 Prozent.

Allerdings ist die Entwicklung nicht zuletzt den vielen Prämien geschuldet, die die Hersteller zahlen, um ältere Dieselfahrzeuge von der Straße zu bekommen. Marktbeobachter rechnen daher mit einer rückläufigen Privatkundennachfrage, sobald die Diesel-Umstiegsprämien auslaufen. „Die Wachstumsraten werden sich dann wieder abschwächen“, heißt es dazu von Dataforce.

Auch der Autoanalyst Peter Fuß von der Wirtschaftsberatung EY rechnet „spätestens ab August mit einer spürbaren Rückgang der privaten Neuwagennachfrage“. Zuletzt hatten allerdings unter anderem Renault und Mazda ihre Prämien verlängert. Wie lange der Boom der Privatkunden also anhält, entscheidet sich nicht zuletzt am Rabattverhalten der Hersteller und Importeure.

Dass der Markt nur teilweise zu vorgezogenen Käufen neigt, zeigt sich am Firmenkundengeschäft. In diesem Segment hat der Absatz im ersten Halbjahr stagniert. Zwischen Januar und Ende Juni wurden knapp 419.666 Neuwagen an Firmenkunden ausgeliefert, das waren exakt 110 Einheiten weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In den letzten Monaten (Mai und Juni) waren die Neuzulassungen durch gewerbliche Kunden sogar deutlich rückläufig.

Mit einem Umschwung ist in diesem Segment für 2018 nicht mehr zu rechnen. „Aufgrund von Produktions- und Lieferverzögerungen neu konfigurierter Pkw als Resultat der Umstellung auf WLTP ab September 2018 werden die Flottenzulassungen kurzfristig wahrscheinlich keine großen Sprünge mehr machen“, heißt es in der aktuellen Dataforce-Analyse zur Pkw-Marktsituation. Gleichzeitig staut sich in diesem Kanal ein Nachholbedarf auf, der den Markt ab 2019 wieder stimulieren dürfte.

Ein weiterer Effekt der robusten privaten Nachfrage sind sinkende Eigenzulassungen durch die Hersteller und Händler. Auf den Fahrzeugbau entfielen von Januar bis Juni 175.635 Einheiten, das waren 3,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Handel summierte sich der Rückgang sogar auf 5,6 Prozent. 345.000 Einheiten kamen auf diese Weise auf die Straße, gut 20.000 Einheiten weniger als im ersten Halbjahr 2017. Zusammengenommen kamen trotz der guten Nachfrage aber immer noch 28,3 Prozent aller Neuwagen über solche Sondereffekte auf die Straße.

Eine leicht erhöhte Zulassungstätigkeit als im Vorjahr weist Dataforce zudem für die Autovermieter aus. Diese Unternehmen brachten 201.785 Neuwagen auf die Straßen. Das leichte Plus von 0,6 Prozent dürfte ebenfalls ein Ergebnis der allgemein guten Konjunktur in Deutschland sein, verbunden mit einem höheren kurzfristigen Mobilitätsbedarf.

Privatkundenboom auch im Transportermarkt

Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich im so genannten Transportermarkt, der die Zulassungen von Pkw-Utilities und leichten Nutzfahrzeugen in einer Sonderauswertung zusammenfasst. Nach den ersten sechs Monaten des Jahres, ist der Transportermarkt um 5,4 Prozent gewachsen, wobei ebenso wie im Pkw-Markt besonders die Privatnachfrage diese Entwicklung beeinflusste (+18,2 %).

Gleichzeitig läuft das Firmenkundengeschäft dynamischer als im reinen Pkw-Markt. Gewerbliche Kunden sorgten für ein Zulassungsplus von 3,2 Prozent und auch das Geschäft mit den Autovermietern legte um 1,8 Prozent zu. Eine dritte Parallele ist die Eindämmung der Eigenzulassungen von Handel und Herstellern. Diese beiden Gruppen zusammen brachten im ersten Halbjahr noch gut 53.500 Fahrzeuge auf die Straßen, etwa 2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

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