Neuzulassungen Privatmarkt schrumpft auf 20-Jahres-Tief

Autor: Andreas Grimm

Lockdown, Verunsicherung und geschlossene Zulassungsstellen haben im Januar deutliche Wirkung gezeigt: Im Privatkundengeschäft blieb es extrem ruhig. Doch es ist nicht das einzige Segment mit scharfen Zulassungseinbußen.

Frostige Stimmung herrscht derzeit im Privatkundengeschäft. Die Zulassungszahlen berechen ein. Auch bei den Autovermietern geht derzeit wenig.
Frostige Stimmung herrscht derzeit im Privatkundengeschäft. Die Zulassungszahlen berechen ein. Auch bei den Autovermietern geht derzeit wenig.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Einbruch der Neuzulassungen im Januar hat alle Vertriebskanäle erfasst. Die stärksten Rückgänge zeigten dabei laut einer Analyse der Marktforschung Dataforce die Zulassungen durch Autovermieter und Privatkunden. Für die Umstände halbwegs normal liefen dagegen die Auslieferungen an die Gewerbekunden.

Dass der Corona-bedingte Lockdown derzeit die Statistiken durcheinanderwirbelt, liegt auf der Hand. Doch die Auswertung zeigt nun, wie stark gerade das Privatkundengeschäft von den Betriebsschließungen betroffen ist. Nur noch knapp 49.000 Zulassungen von privat kamen im Januar zustande. Das ist ein Rückgang um 37,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und der niedrigste Wert für einen Januar seit dem Start der Dataforce-Erhebungen vor 21 Jahren.

In dieser Zahl spiegeln sich mehrere Faktoren wider. Die Schließung der Autohäuser und die Einschränkungen im Zulassungsprozess dämpfen die Zahlen direkt. Indirekt fehlen in den Januarzahlen die vorgezogenen Neuzulassungen aus den letzten Wochen des Jahres 2020, als noch viele Käufer zum reduzierten Mehrwertsteuersatz kauften. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe spricht vor dem Hintergrund dieser Zahlen von einem „Alarmsignal“.

Dass die Umsätze in den Autohäusern angesichts fehlender Kundenströme im Keller sind, lässt sich am zweiten Vertriebskanal auf Rekord-Tiefstand ablesen: den Eigenzulassungen der Händler. Sie sackten im Januar um 34,9 Prozent auf noch 33.300 Einheiten ab – es ist ebenfalls der bisher niedrigste ermittelte Wert für diesen Zulassungskanal in einem Januar. Wenn keine Kunden kommen, braucht es auch keine Tageszulassungen.

Ähnlich erklären lässt sich mutmaßlich der Rückgang der Zulassungen durch die Autobauer selbst. Über sie kamen im Januar 16.400 Einheiten erstmals in den Verkehr (-24,7 %). Den höchsten Rückgang verzeichnete der Absatzkanal an die Autovermieter: Sie ließen noch 12.800 Neuwagen zu, ein Minus von 50,8 Prozent. Deren Geschäft ist durch den andauernden Lockdown ebenfalls hart getroffen, Ersatzkäufe unterbleiben derzeit tendenziell.

Fast schon ein Lichtblick ist angesichts der genannten Rückgänge die Entwicklung im Gewerbekundengeschäft. Dieser Kundenkreis nahm im vergangenen Monat noch 58.400 Einheiten ab. Das sind „nur“ 16 Prozent weniger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Hier schlägt sich unter Umständen das steigende Interesse an elektrifizierten Fahrzeugen nieder, die ja gerade für Flottenkunden durch verschiedene Förderungen attraktiv sind.

Transportermarkt dreht ins Minus

Allen Widrigkeiten zum Trotz war der Transportermarkt in den letzten Monaten stabil geblieben. Damit ist jetzt Schluss. Die Dataforce-Sonderauswertung für leichte Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities ergab für diese Modellgruppe im Januar einen Rückgang um 26,3 Prozent. Mit absolut rund 29.000 Neuzulassungen war das Marktvolumen so niedrig wie zuletzt 2016.

Den stärksten Rückgang verzeichneten dabei die Privatzulassungen mit einem Minus von 33,4 Prozent. Die geringsten Rückgänge verzeichneten dagegen die Eigenzulassungen der Hersteller und Importeure. Interessanterweise fällt das Minus im Vermietergeschäft mit 22,9 Prozent relativ gering aus. Möglicherweise sind die Transporter angesichts des boomenden Onlinegeschäfts weiterhin gefragt, um Engpässe bei den Lieferdiensten zu kompensieren.

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 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«