Probefahrt ist mit Wirtschaftlichkeitsgebot vereinbar

Autor / Redakteur: autorechtaktuell.de / Andreas Grimm

Die Probefahrt nach einer größeren Reparatur gehört eigentlich zur fachgemäßen Auftragsausführung. Versicherungen würden sich die entstehenden Kosten dennoch gerne sparen. Zumindest bei größeren Reparaturen werden sie um die Zahlung nicht herumkommen.

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Einer Reparatur folgt die Funktionsprüfung – auch mittels einer Probefahrt.
Einer Reparatur folgt die Funktionsprüfung – auch mittels einer Probefahrt.
(Bild: Pro Motor)

Die Kosten einer Probefahrt im Rahmen einer Fahrzeugreparatur sind vom Schädiger zu erstatten, wenn sie tatsächlich angefallen und nachvollziehbar sind. Mit ihr soll die fachliche Wiederherstellung eines Fahrzeugs abgeschlossen werden, das eben nicht ungeprüft an den Kunden übergeben wird. Diese regelmäßig übliche Praxis hat das Amtsgericht Tettnang bestätigt (AZ: 1 C 396/16).

Im verhandelten Fall stritten die Parteien um restliche Kosten nach einem Verkehrsunfall. Insbesondere die Kosten einer Probefahrt in Höhe von 52,30 Euro standen dabei im Streit. Aus Sicht des Amtsgerichts Tettnang allerdings zu Unrecht, denn dieser Kostenpunkt ist mindestens dann vom Unfallverursacher zu erstatten, wenn er sich nachvollziehbar und kausal auf den streitgegenständlichen Unfall bezieht und im Schadengutachten gleichfalls aufgeführt ist.

So bezeichnete das Gericht die Probefahrt nach einer Karosseriereparatur in Höhe von immerhin brutto 3400,73 Euro als nachvollziehbar. „Durch eine solche Probefahrt ist auszuschließen, dass das Fahrzeug ungeprüft an den Kunden übergeben wird und gegebenenfalls Reklamationen anfallen und daraus folgende Nacharbeiten gesondert durchgeführt werden müssen“, heißt es in der Urteilsbegründung.

Mit der Probefahrt verstößt der Geschädigte auch nicht gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot. Gemäß § 249 Abs. 2 BGB soll dem Geschädigten bei voller Haftung des Schädigers im Grundsatz ein möglichst vollständiger Schadensausgleich zukommen. Abzustellen ist vielmehr auf die spezielle Situation des Geschädigten, insbesondere auf seine individuellen Erkenntnis-und Einflussmöglichkeiten.

Wörtlich heißt es in dem Urteil weiter: „Nachdem der von der Klägerin zugezogene Sachverständige die Durchführung einer Probefahrt mit den hierfür geltend gemachten Kosten zur Schadensbeseitigung für erforderlich hielt, bestanden für die Klägerin als Laien jedenfalls im hier zu entscheidenden Einzelfall keinerlei zwingende Anhaltspunkte dafür, dass die mit dem Gutachten korrespondierende Position der Kosten einer Probefahrt nicht zur ordnungsgemäßen Schadensbeseitigung erforderlich gewesen wäre. Der im Gutachten und in der Reparaturrechnung abgerechnete Zeitaufwand für die Probefahrt in Höhe von 0,3 AW = 20 Minuten erscheint auch durchaus angemessen und dem vorgesehenen Reparaturumfang adäquat, § 287 Abs. 2, Abs. 1 ZPO (vergleiche hierzu auch Urteile des Amtsgericht Hattingen vom 19.11.2015 - 6 C 46/15; Amtsgericht Berlin-Mitte vom 23.09.2015 - 18 C 3143/15 - jeweils veröffentlicht in juris).“

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