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Prognose: Absturz der globalen Autonachfrage

Autor / Redakteur: Claus-Peter Köth / Andreas Grimm

Die Coronakrise setzt die bereits gestresste Autoindustrie zusätzlich unter Druck. Die Marktforscher von IHS Markit prognostizieren für 2020 in den wichtigsten Regionen durchwegs zweistellige Rückgänge bei den Autoverkäufen.

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Die Produktion von Fahrzeugkomponenten wird so schnell nicht wieder auf eine hohe Auslastung kommen, glauben die Analysten von IHS Markit.
Die Produktion von Fahrzeugkomponenten wird so schnell nicht wieder auf eine hohe Auslastung kommen, glauben die Analysten von IHS Markit.
(Bild: Benteler)

Die Coronakrise setzt die bereits gestresste Autoindustrie zusätzlich unter Druck. So stuft die jüngste Prognose der Marktforscher von IHS Markit praktisch allen Regionen herab. Während im Großraum China die Produktionsanlagen langsam wieder in Betrieb genommen werden, verlagert sich weltweit der Schwerpunkt von der Frage des Angebots (der Produktion) auf die Nachfrage, da sich die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie weiter ausweiten. Zu denwichtigsten prognostizierten Herabstufungen gehören der Großraum China, Europa und Nordamerika, obwohl praktisch jede Region in den kommenden Monaten mit einer gewissen Verzerrung der Nachfrage konfrontiert ist.

Für die weltweite Automobilindustrie erwartet IHS Markit im Jahr 2020 einen beispiellosen Nachfrageeinbruch. Die Autoverkäufe werden demnach gegenüber 2019 voraussichtlich um mehr als zwölf Prozent auf unter 79 Millionen Einheiten zurückgehen. Dies bedeutet eine Herabstufung um zehn Millionen Einheiten im Vergleich zu den IHS-Prognosen vom Januar 2020 – also vor Corona. Diesen Rückgang bewertet IHS Markit schlimmer als den zweijährigen Rückgang von acht Prozent während der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009.

„Auf globaler Ebene gehen wir von einem starken Rückgang des kurzfristigen Wachstums gefolgt von einer langsamen Erholung aus. Die Risiken sind stark nach unten verzerrt, insbesondere die Frage, wie tief der Markt fallen könnte und wie die Aussichten auf eine Erholung einzuschätzen sind“, erklärt Colin Couchman, Executive Director, Global Autos Demand Forecasting bei IHS Markit. Die Marktaussichten seien gemischt, mit aufkommenden Hoffnungsschimmern für China, obwohl dort das Risiko besteht, dass das Virus in den kommenden Monaten wieder aufflammt.

Für das chinesische Festland wurden die Erwartungen von IHS Markit für 2020 um 2,3 Millionen Einheiten nach unten korrigiert. Nunmehr werden die Prognosen für den Verkauf von Pkw auf knapp über 22 Millionen Einheiten geschätzt, was einem Rückgang von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Es wird erwartet, dass China in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 Anzeichen für eine Bodenbildung zeigt. Gleichzeitig warnt IHS davor, dass das Ausmaß des wirtschaftlichen Abschwungs zu einer zerstörten Nachfrage führen werde.

Europäischer Automarkt für Monate gestört

West- und Mitteleuropa werden aktuell von einer umfassenden Coronavirus-Krise erfasst. Wobei sich die Nachfragebedingungen laut IHS von Tag zu Tag verschlechtern. Die Region sehe sich monatelangen Störungen ausgesetzt. Die Marktforscher prognostizieren für 2020 eine europäische Autonachfrage von gut 15 Millionen Einheiten. Das entspricht einem Rückgang von fast 14 Prozent gegenüber 2019, und annähernd zwei Millionen weniger Einheiten gegenüber der Prognose vor Corona.

Die Prognose für den US-amerikanischen Markt setzt IHS Markit auf eine scharfe, vom Verbraucher geführte Rezession zurück, demzufolge die angekündigten geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen wahrscheinlich nicht ausreichen werden, um den Automobilmarkt vor einem drohenden Nachfrageeinbruch zu retten. Aktuell sagt IHS Markit für 2020 einen US-Automobilabsatz von über 14 Millionen Einheiten vorher, was einem Rückgang von mindestens 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Die Volumenrückstufung gegenüber früheren Prognosen beträgt somit deutlich über zwei Millionen Einheiten.

Alles in allem sprechen die Marktforscher von beispiellosen Zeiten. Man werde die dynamischen Entwicklungen auf der ganzen Welt genau verfolgen, um bei Bedarf weitere Updates zu geben.

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 Claus-Peter Köth

Claus-Peter Köth

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