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„PSA ist noch deutlich hinten dran“

| Autor: Christoph Baeuchle

Über die Wende hat die Groupe PSA bereits vor mehreren Monaten gejubelt. Mit dem Mehrjahresplan „Push to Pass“ will sie nun wieder angreifen. Doch ist der Autobauer dazu in der Lage? IHS-Analyst Martin Benecke nimmt die Situation unter die Lupe.

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Martin Benecke, Manager Pkw-Absatzprognosen Westeuropa bei IHS Automotive.
Martin Benecke, Manager Pkw-Absatzprognosen Westeuropa bei IHS Automotive.
(Bild: IHS Automotive)

Redaktion: Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die Situation von Peugeot und Citroën dar, insbesondere in Deutschland?

Martin Benecke: In den vergangenen Jahren hat die Groupe PSA sehr stark gelitten, vor allem durch die Entwicklung in den südeuropäischen Ländern, in denen der Hersteller traditionell stark vertreten ist. Der von PSA-Chef Carlos Tavares eingeleitete Sparkurs zeigt Wirkung, aber im Vergleich zu Wettbewerbern ist PSA deutlich hinten dran.

Nennen Sie uns ein konkretes Beispiel.

Citroën war zwar mit Angeboten wie dem C-Crosser früh im SUV-Segment vertreten. Aber die Modelle kamen aus Asien und waren nicht für den deutschen Markt konzipiert. Entsprechend schlecht kamen sie hier an. Noch immer fehlt allen PSA-Marken ein marktkonformes SUV-Angebot. Erst Ende 2017 ist mit neuen Modellen zu rechnen, die möglicherweise den Nerv der Kunden treffen.

Ist dies das einzige Manko im Portfolio der PSA-Marken?

Die Angebote von Peugeot und Citroën sind durch den Sparkurs der vergangenen Jahre noch vergleichbarer geworden. Einem durchschnittlichen Kunden dürfte es schwerfallen, die Unterschiede zwischen einem Peugeot 308 und einem Citroën C3 zu erkennen.

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Die Eigenständigkeit der Konzernmarken hat PSA zuletzt immer wieder betont. Der C4 Cactus sollte das neue Gesicht von Citroën sein und mit Designimpulsen auch auf die anderen Markenmodelle ausstrahlen. Wie ist dies einzustufen?

Der C4 Cactus ist alles andere als ein Ruhmesblatt, vor allem wenn man seine Entwicklung in Deutschland anschaut. Sein Feuer hat er bereits zwölf Monate nach Marktstart verschossen. Das zeigt sich auch bei den Neuzulassungen zum Jahresstart 2016. In den ersten Monaten gingen sie im zweistelligen Prozentbereich zurück.

Worauf führen Sie dies zurück?

Schwer zu sagen. Mit dem Preis, die Liste startet bei 13.990 Euro, wollte Citroën ein Highlight setzen. Er ist günstig für das Segment. Aber wenn man den Cactus etwas schicker haben will und einige Optionen nutzt, ist er schnell recht teuer im Vergleich zu den Wettbewerbern. Zudem ist das Design gewöhnungsbedürftig. In Deutschland ist man diesbezüglich eher konservativ, das zeigt sich am Erfolg von VW Golf, Opel Astra oder auch den Mercedes-Modellen, die sich über die Jahre hinweg kaum verändert haben.

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Bereits im vergangenen Jahr hat PSA-Chef Carlos Tavares die Wende ausgerufen, mit dem jüngst vorgestellten Mehrjahresplan will er zum Überholen ansetzen. Ist PSA Deutschland dazu bereit?

Das kann ich nicht erkennen. Von einer Wende kann hierzulande keine Rede sein. Dies spiegelt sich deutlich in den Absatzzahlen der ersten Monate 2016 wieder. Nur Citroën konnte bei der Marktentwicklung halbwegs mithalten. Mit den Produkten, die in nächster Zeit zu erwarten sind, sehe ich nicht die Möglichkeit, das Steuer kurzfristig herumzureißen. Ich befürchte, das braucht noch etwas Zeit. Erst die angekündigten SUVs könnten den Ausschlag geben.

Das heißt, PSA Deutschland muss die Aufholjagd und die Rückeroberung verlorener Marktanteile zunächst verschieben?

Ich wüsste nicht, wie PSA dies schaffen will. Um Marktanteile zu gewinnen, brauchen die Marken extrem starke Modelle. Aber auch die Wettbewerber haben ihre Hausaufgaben gemacht. Das gilt für Renault gleichermaßen wie für Opel, Volkswagen und seine Konzernmarken. Alle Marken sind so nah beieinander, dass es wahnsinnig schwierig ist. Um Stückzahlen zu erzielen, bleibt nur der Weg über Rabatte, und damit beginnt die Spirale.

Welche Rolle spielt Deutschland in dem neuen PSA-Plan?

Das ist schwer zu sagen, der Fokus richtet sich auf die großen Regionen. Zahlen und Ziele veröffentlichen viele Marken. Strategiepläne sind immer mit Vorsicht zu genießen. Mein Eindruck ist, dass bei PSA eher noch eine angespannte Situation vorherrscht. Die Dynamik fehlt. Die Entwicklung ist noch immer am Anfang. Bis man die Früchte des Änderungsprozesses ernten kann, wird noch einige Zeit vergehen.

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Die Groupe PSA steht im Mittelpunkt der Titelgeschichte der »kfz-betrieb«-Ausgabe 24/2016, die am 17. Juni erscheint.

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