PSA übt sich am autonomen Fahren

Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Grimm

Autonomes Fahren steht derzeit im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten vieler Autobauer. PSA hat den Trend nun erkannt und erste Serienmodelle umgerüstet.

PSA verstärkt seine Aktivitäten im Bereich autonomes Fahren. Zwei Prototypen fahren bereits.
PSA verstärkt seine Aktivitäten im Bereich autonomes Fahren. Zwei Prototypen fahren bereits.
(Foto: PSA)

Der PSA-Konzern widmet sich intensiv der digitalen und autonomen Autozukunft. Das hat der Autobauer während eines Verkehrsministertreffens nun demonstriert, das allerdings auch andere Hersteller nutzten um ihren Entwicklungen zu zeigen. Bereits im Herbst auf der IAA hatten die Franzosen entsprechende Pläne angekündigt. Was die Serienreife anbelangt, hinken die Franzosen den Mitbewerbern noch hinterher, dafür konnten sie mit einem so genannten Level-3-Protoypen Regierungsvertreter begeistern.

Level-3-Fahrzeuge sind die Autos, deren Fahrer weder die Hände am Lenkrad, noch die Aufmerksamkeit auf den Straßenverkehr gerichtet haben müssen. Er kann also Lesen, mit dem Handy spielen oder sich seinen Mitfahrern widmen, während das Auto alleine vor sich hin rollt. Allerdings muss der Fahrer auf Kommando innerhalb weniger Sekunden wieder das Steuer übernehmen können, falls die Technik an ihre Grenzen stößt.

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Eine Stufe darunter, also auf Level 2, sind teilautomatisierte Autos angesiedelt, deren Fahrer manche Aufgaben an die Technik delegieren kann, sei es das Lenken, Einparken oder auch den Spurwechsel. Letzteres beherrschen schon einige Serienmodelle – unter anderem von Mercedes und Tesla – und auch einer der beiden Citroën C4 Picasso, die die Ingenieure mit nach Amsterdam gebracht hatten.

Einmal auf der Autobahn angekommen, wird das System aktiviert und der Van gleitet wie von Geisterhand geführt auf seiner Spur dahin. Die Technik lenkt, bremst und gibt Gas – und überwacht den Fahrer. Wendet der den Blick von der Straße, wird er ermahnt. Die Hände muss er allerdings nicht am Volant haben. Entdeckt die Technik ein neues Tempolimit, fragt sie beim Fahrer an, ob sie sich daran halten soll – so vermeiden die Ingenieure derzeit noch letzte Ungenauigkeiten in der Erkennung. Und hat man irgendwann genug davon, hinter dem Lkw zu schleichen, reicht es, den Blinker zu setzen, schon weiß der versteckte Chauffeur, dass er einen Spurwechsel durchführen soll; das macht er natürlich erst, wenn die linke Bahn frei ist, und verhält sich ausgesprochen höflich: Sich in eine enge Lücke reinzudrängen, kommt dem Citroën nicht in den Sinn.

Die Technik, die PSA für das Level-2-Auto nutzt, ist kein Hexenwerk. Ein paar Radarsensoren und Kameras ergänzen die bestehende Bordsensorik, der Rest ist Rechenleistung, die von großen Computern im Kofferraum des Vans übernommen wird. Bis die Franzosen die demonstrierten Funktionen allerdings in Serie bringen, wird es noch etwas dauern; 2020 ist angepeilt. Zwei Jahre eher soll zumindest ein Staufolge-Assistent kommen, wie er zum Beispiel bei Mercedes schon länger im Angebot ist.

Selbstfahrendes Modell lässt noch auf sich warten

Der zweite C4 Picasso, der den Verkehrsministern vorgestellt wurde, ist bereits auf Level-3-Niveau, und noch weiter weg von der Serie. Ihm helfen zusätzliche Lasersensoren und ein sogenanntes differenziertes GPS, das zusammen mit hochauflösenden Kartendaten die Position des Autos auf fünf Zentimeter genau bestimmen kann; ist der Satelliten-Empfang schlecht, liefern zusätzlich die Kameras exakte Daten.

Um sich von dem Citroën kutschieren zu lassen, muss man ihm zunächst das Reiseziel mitteilen. Sobald man auf die Autobahn aufgefahren ist, meldet sich der Autopilot dienstbereit und übernimmt auf Knopfdruck das Kommando. Jetzt kann sich der Fahrer gemütlich zurücklehnen. Mit bis zu 130 km/h spult das Auto die Kilometer ab, hält sich an Tempolimits, entscheidet selbst, wann ein Überholmanöver nötig ist und wechselt an Autobahnkreuzen zur Not auch auf einen anderen Highway. Erst kurz vor der Zielausfahrt holt die Technik den Fahrer wieder ins Boot und übergibt ihm das Steuer. Damit könnten lange Autobahnfahrten in Zukunft deutlich angenehmer werden.

Dass sie mit der Technik vertraut sind, haben die Franzosen mit ihren Prototypen bewiesen. Jetzt gilt es, die Testflotte von derzeit fünf Fahrzeugen deutlich auszubauen, die Technik zur Serienreife zu entwickeln – und gemeinsam mit anderen Herstellern die Gesetzgeber vom notwendigen Vorschriftengerüst zu überzeugen. Denn bis ein Level-3-Auto quer durch Europa ohne Zutun des Fahrers rollen darf, müssen noch einige Paragrafen überarbeitet werden. Vielleicht hat die Amsterdamer Demonstration mit insgesamt über zwanzig verschiedenen Fahrzeugmodellen die Verkehrsminister ja überzeugt.

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