Qoros bekommt nockenwellenfreien Antrieb

Autor / Redakteur: Jens Meiners / Jens Rehberg

In zwei Jahren will Qoros ein Konzept marktreif haben, bei dem ein elektrohydraulisches System die Nockenwellen ersetzt. Eine ähnliche Technik hat Fiat allerdings bereits im Einsatz.

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„Qamfree 3“-Studie von Qoros.
„Qamfree 3“-Studie von Qoros.
(Foto: Qoros/Jens Meiners)

Auf der Peking Motorshow debütiert eine Studie mit einem Antriebssystem, bei dem der klassische Ventiltrieb mit Nockenwellen durch ein elektrohydraulisches System ersetzt wird, welches die Ventile individuell kontrolliert. Damit kann laut Freewalve-CEO Christian von Koenigsegg auf Drosselklappe und Zahnriemen verzichtet werden, außerdem funktioniere das System mit einer herkömmlichen Einspritzanlage so gut, dass eine teure Direkteinspritzung entbehrlich sei. Der Vor-Kat werde ebenfalls überflüssig.

Für den Einsatz in der Serie kooperiert Freewalve mit dem jungen, chinesischen Fabrikat Qoros, das sich auf dem für alle chinesischen Marken schwierigen Heimatmarkt als Technologieführer positionieren will.

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Das neue auf Basis des 1,6-Liter-Turbomotors von Qoros konstruierte Aggregat steigt angeblich im Drehmoment um 47 Prozent auf 330 Newtonmeter, die Leistung soll um 45 Prozent auf 170 kW/231 PS angehoben worden sein. Gleichzeitig habe sich der Verbrauch um 15 Prozent verbessert, die Emissionen wegen des besseren Kaltstartverhaltens sogar um 30 Prozent. Obendrein sei der neue Motor um stolze 50 Millimeter flacher als das Basis-Aggregat.

Fiat hat bereits seit 2009 die „Multi-Air“ genannte Technologie von Schaeffler im Einsatz – ein elektrohydraulisches System zur flexiblen Einlassventilsteuerung. Ähnlich wie bei dem neuen Konzept von Freewalve schreibt auch Fiat seiner Multi-Air-Technik einen geringeren Verbrauch, eine Verbesserung der Motorleistung und des Wirkungsgrades zu. Diese Effekte lassen sich im Alltagsgebrauch jedoch nicht immer klar nachvollziehen.

Attraktive Verpackung

Qoros-Chefdesigner Gert Hildebrand hat jedenfalls zahlreiche Register gezogen, um die neue Technik angemessen zu präsentieren. Dazu hat er den Qoros 3 SUV mit spezifischen Anbauteilen, einem auffälligen Farbschema und einer im Zentralbereich transparenten Motorhaube modifiziert. Sie gewährt buchstäblich tiefe Einblicke in den Motorraum; das flachere Aggregat senkt den Schwerpunkt und erlaubt den Verzicht auf aktive Motorhauben für den Fußgängerschutz. In Zukunft könnten die Hauben zudem deutlich niedriger werden.

Marktreife in zwei Jahren möglich

In zwei Jahren, so heißt es in Peking, könnte ein Qoros mit der neuen Technologie auf den Markt kommen.

Übrigens kann Qoros bei Bedarf auch elektrisch: Gleich zwei Fahrzeugstudien, die auf die Bezeichnung Qoros 3 und Qoros 5 Q-Lectric hören, sind mit reinem Batterieantrieb ausgerüstet. Beim Qoros 3 Q-Lectric dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h nur 7,9 Sekunden; die Vmax liegt mit 162 km/h ungewöhnlich hoch. Und die Reichweite von 350 Kilometern kann es locker mit Tesla aufnehmen. Schon Ende des Jahres kommt das erste E-Mobil von Qoros in den Handel.

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