Qoros: Europa muss noch länger warten

Autor / Redakteur: Jens Meiners/Andreas Grimm / Jens Scheiner

Nach fulminanten Reaktionen der Medien und der Fachwelt kommt der Neuling aus China nicht mehr voran. Die Verkäufe sind minimal. Angeblich würde Anteilseigner Chery das Projekt gerne einstellen.

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Qoros kämpft mit Absatzschwierigkeiten in China. In Europa wird das Fabrikat so schnell nicht starten.
Qoros kämpft mit Absatzschwierigkeiten in China. In Europa wird das Fabrikat so schnell nicht starten.
(Foto: Qoros)

Mehr mediale Vorschusslorbeeren hätte sich eine neue Automobilmarke kaum wünschen können: Auf einen fulminanten Messeauftritt in Genf im März 2013 folgten triumphale fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest im Sommer 2014, die einem chinesischen Auto niemand zugetraut hätte. Fachwelt und Medien waren begeistert. Tatsächlich ist der Ansatz der Marke einzigartig: Der chinesische Massenhersteller Chery und der Investor Israel Corp. hatten sich zusammengetan, um eine Marke zu entwickeln, die weit oberhalb der lokalen Hersteller positioniert ist – und sich mit der westlichen Konkurrenz anlegen kann. Im Visier: Volkswagen, aber auch die gehobene GM-Tochter Buick. An der Entwicklung war der austro-kanadische Magna-Steyr-Konzern beteiligt, das Design übernahm der frühere VW-Designer und Mini-Chefdesigner Gert Hildebrand.

Doch auf den medialen Paukenschlag folgten verhaltene Marktzahlen; der Marktstart in China war enttäuschend. Bis zu 150.000 Einheiten könnte Qoros in Changshu herstellen; die tatsächliche Produktion lag im vergangenen Jahr nicht einmal bei einem Zehntel. Von 550 Verkäufen im Monat berichtete Ende November der China-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“, einem strategischen Zickzack-Kurs und schmerzhaften personellen Abgängen an entscheidender Stellen. Das Ergebnis seien Gerüchte, dass Chery das Gemeinschaftsunternehmen sogar gegen die Wand fahren lassen möchte.

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Fakt ist: Es hapert am Händlernetz, und die Fahrzeuge haben bislang keine ausreichende Präsenz im Straßenbild. Doch manche Indikatoren weisen inzwischen nach oben. 57 Händler stehen aktuell unter Vertrag, demnächst werden es 80 sein, und bis Ende 2015 hofft Qoros auf rund 200 Verkaufsstellen. Die Auftragseingänge steigen – und die höherpreisigen Varianten werden weitaus stärker nachgefragt werden als die Einstiegsmodelle. Die Klientel kommt eher aus dem oberen Käufersegment; zu den häufig genannten Kaufgründen zählt der Stolz, ein deutsch-chinesisches, lokal gefertigtes Produkt zu fahren.

Neue Werte für Qoros

An der Produktqualität kann die Zurückhaltung kaum liegen. „Das Design ist gelungen, das Chassis kompetent“, sagt Liu Hongcang, Chefredakteur des renommierten Fachmagazins „China Auto Pictorial“. Viel Anerkennung für die Leistung der Mannschaft von Qoros-Chef Volker Steinwascher: Der deutsche Manager war einst bei Volkswagen für das Nordamerika-Geschäft zuständig. Steinwascher hat es geschafft, für die neu kreierte Marke Werte wie Design, Sicherheit und Qualität zu reklamieren – Themen, mit denen sich bislang noch kein chinesischer Hersteller profilieren konnte. Probleme machen dagegen die Motoren, die laut, durchzugsschwach und schmutzig sein sollen – aber von Chery kommen. Sie wären eine gute Erklärung für den inzwischen offiziell verschobenen Marktstart in Westeuropa.

Qoros: Mit Fließheck gegen den Golf
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In China durchstarten will Qoros ungeachtet der Gerüchte mit einem erweiterten Modellprogramm. Vor einigen Wochen stand auf der Automesse in Guangzhou/Kanton ein neues Serienmodell und eine Konzeptstudie (siehe Bildergalerie). Der Crossover Qoros 3 City SUV, der das Modellprogramm ab sofort ergänzt, verfügt über den bekannten 1,6-Liter-Turbo-Benziner mit 156 PS, der an ein Sechs-Gang-Schaltgetriebe oder ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist.

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