Jaguar Radikaler Neuanfang

Autor: Julia Mauritz

Ab 2025 wird es nur noch vollelektrische Jaguar geben. Das hatte Jaguar-Land-Rover-CEO Thierry Bolloré bereits im vergangenen Februar verkündet. Jetzt hat er einem englischen Automagazin seine Strategie näher erläutert.

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Der elektrische I-Pace ist das einzige Modell, das Jaguar in seine neue Ära mitnimmt.
Der elektrische I-Pace ist das einzige Modell, das Jaguar in seine neue Ära mitnimmt.
(Bild: Jaguar)

Jaguar-Land-Rover-CEO Thierry Bolloré hatte im vergangenen Februar angekündigt, Jaguar bis zum Jahr 2025 zu einer rein elektrischen Luxusmarke transformieren zu wollen. Im Interview mit der britischen Autoplattform Autocar hat er nun erstmals nähere Details zur Neupositionierung verraten.

Die Strategie sieht vor, dass mit Ausnahme des elektrischen I-Pace alle aktuellen Modelle auslaufen – neben dem Sportwagen F-Type wird es auch die beiden Limousinen XE und XF sowie die beiden SUVs E-Pace und F-Pace künftig nicht mehr geben. Die ursprünglich für dieses Jahr geplante Einführung eines vollelektrischen XJ hat das Unternehmen ebenfalls kurzfristig abgeblasen.

Thierry Bolloré, der seit September 2020 die Geschicke des britischen Traditionsherstellers leitet, will das Jaguar-Profil deutlich schärfen und das Fabrikat klar von Land Rover trennen – so sind für die Zukunft keine Jaguar-SUVs oder -Crossover-Modelle geplant. Gleichwohl soll die Edel-Submarke Range Rover durchaus als Vorbild für die „neu erfundene“ Marke Jaguar fungieren.

Fahrzeuge werden deutlich teurer

Zudem plant der ehemalige Renault-Boss, die Marke Jaguar preislich deutlich höher zu positionieren – unter 115.000 Euro wird es wohl keinen Neuwagen mehr geben. Er stellt einzigartige Modelle in Aussicht, die er in einer Nische positionieren will, die bislang noch unbesetzt ist. Das Volumen soll künftig zwar bei Jaguar nicht mehr so stark im Fokus stehen wie in der Vergangenheit. Gleichwohl traut der französische Manager der Marke durchaus steigende Verkaufszahlen zu.

Wenn es um die Gründe für die Neupositionierung von Jaguar geht, muss man nur einen Blick auf die Verkaufszahlen werfen: 2020 wurden weltweit 323.480 Land Rover neu zugelassen, und nur 102.494 Jaguar. Auch in Deutschland schwächelt das Fabrikat: Laut KBA wurden im ersten Halbjahr 2021 29,5 Prozent weniger Jaguar-Neuwagen zugelassen als im Vorjahreszeitraum.

Keine Infos zur Vertriebsstrategie

Thierry Bolloré scheut im Interview mit dem britischen Autoportal nicht davor, den Finger in die Wunde zu legen: Für verfehlt hält er vor allem die bisherige Jaguar-Strategie, in den Wettbewerb zu den deutschen Premiumherstellern treten zu wollen. Am Ende, so Bolloré, würden die Käufer doch zum Original greifen – also zu einem BMW oder Audi.

Welche Folgen diese Neupositionierung von Jaguar für die 70 deutschen Händler der Marke haben wird, die Millionenbeträge in ihre Showrooms investiert haben, bleibt abzuwarten. Zur künftigen Vertriebsstrategie hat sich Bolloré bislang nicht offiziell geäußert.

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