CO2-Ausstoß Realemissionen von Plug-in-Hybriden übersteigen Herstellerangaben drastisch

Autor: Viktoria Hahn

Die Verkäufe vermeintlich emissionsarmer Plug-in-Hybride schießen in die Höhe – auch dank staatlicher Förderung. Doch laut einem Test der Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E) sind die CO2-Emissionen dieser Fahrzeuge im realen Fahrbetrieb bis zu achtfach höher als offiziell angegeben.

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Der Mitsubishi Outlander ist einer der beliebtesten PHEV weltweit und wird von der Bundesregierung mit einer Kaufprämie in Höhe von 4.000 Euro gefördert.
Der Mitsubishi Outlander ist einer der beliebtesten PHEV weltweit und wird von der Bundesregierung mit einer Kaufprämie in Höhe von 4.000 Euro gefördert.
(Bild: Mitsubishi)

Sämtliche Hersteller wollen aktuell emissionsarme Fahrzeuge verkaufen, um die im Januar 2020 in Kraft getretene EU-Norm 2020/21 für CO2-Emissionen von Autos zu erfüllen und Strafzahlungen zu vermeiden. Befeuert wird dieses Vorhaben nicht zuletzt von der staatlichen Förderung von E-Autos. Doch in der realen Welt scheinen besonders die beliebten Plug-in-Hybride (PHEV) nicht so umweltfreundlich zu sein, wie in den Testlabors der Autobauer. Zu diesem Schluss kommt nun eine Studie der Brüsseler Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E). Denn selbst unter optimalen Testbedingungen seien die PHEV-Emissionen 28 bis 89 Prozent höher als von den Herstellern angegeben, so die Tester.

Von den drei Modellen, die von T&E getestet wurden, schnitt der BMW X5 noch am besten ab: Er übertraf die offiziellen CO2-Werte dennoch um 28 Prozent und emittierte 41g/km. Bei demselben milden Test stießen der Volvo XC60 und der Outlander 115g/km beziehungsweise 86g/km aus, ein Abstand von 62 bis 89 Prozent im Vergleich zu den offiziellen WLTP-Werten.

Bei Fahrten mit schnellerer Beschleunigung, höherer Zuladung oder auf der Autobahn entdeckten die Tester weiterhin, dass die elektrische Reichweite der Fahrzeuge enorm schnell sank. Insbesondere der X5 und der XC60 blieben bei starker Beschleunigung nicht im reinen EV-Betrieb. Bei einem der Tests lief der Verbrennermotor bereits nach 18 Kilometern (X5) beziehungsweise 11 Kilometern (XC60) an, was die rein elektrische Reichweite um drei Viertel reduzierte, obwohl die Batterie voll aufgeladen war.

DUH fordert Ende der staatlichen Förderung

Alle drei dieser getesteten Fahrzeuge werden aktuell von der Bundesregierung mit einer Kaufprämie in Höhe von 4.000 Euro gefördert. Aufgrund der Ergebnisse der T&E-Studie hat sich nun auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eingeschaltet: Sie fordert die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, die beim Autogipfel beschlossene Fortsetzung der staatlichen Förderung dieser Fahrzeuge zu stoppen.

Die Testfahrzeuge wurden von T&E auf der Grundlage ihres Verkaufsvolumens im Jahr 2019 ausgewählt. Im Falle des BMW X5 spielte außerdem die angegebene elektrische Reichweite mit 81 Kilometern (WLTP) eine Rolle, da diese als branchenführend gilt.

Die Zulassungszahlen der Plug-in-Hybride waren im ersten Halbjahr 2020 in Europa deutlich gestiegen. Laut dem Herstellerverband Acea stieg ihr Anteil am europäischen Pkw-Gesamtmarkt (EU+Efta+UK) um mehr als das Dreifache – von 1,0 Prozent auf 3,5 Prozent.

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Über den Autor

 Viktoria Hahn

Viktoria Hahn

Volontärin des Newsdesk von »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG