Ansprüche bei Unfall vor Fahrzeugübergabe

Verkaufsbemühungen müssen substantiiert dargelegt werden

| Autor: autorechtaktuell.de

(Bild: TÜV Süd)

Das Amtsgericht (AG) Wolfsburg hat eine Entscheidung bezüglich der durchaus praxisrelevanten Problematik, dass ein veräußertes Fahrzeug noch vor der Übergabe durch einen Unfall beschädigt wird, gefällt. Es stellt sich dann die Frage, welche Ansprüche der Verkäufer gegenüber der Unfallgegnerseite geltend machen kann, wenn der Käufer berechtigt vom Kaufvertrag zurücktritt, da er kein verunfalltes Fahrzeug übereignet haben möchte (AG Wolfsburg, Urteil vom 6.9.2017, AZ: 22 C 83/17).

Im verhandelten Fall verkaufte der Kläger im April 2016 einen Jahreswagen für 36.500 Euro an eine Käuferin, wobei die Übergabe für Ende Oktober 2016 vereinbart worden war. Im September 2016 ereignete sich ein Unfall. Diesbezüglich stand die Eintrittspflicht der Haftpflichtversicherung des Unfallgegners dem Grunde nach zu 100 Prozent fest. Aufgrund des Unfalls vom 15.9.2016 trat die Käuferin berechtigt vom Kaufvertrag zurück.

Der Kläger forderte nunmehr vor dem AG Wolfsburg von der unfallgegnerischen Haftpflichtversicherung als Beklagte Schadenersatz, da es ihm am 1.1.2017 gelang, das verunfallte Fahrzeug zu einem Kaufpreis von lediglich 33.200 Euro weiter zu veräußern. Abzüglich einer erhaltenen Wertminderung in Höhe 500 Euro machte er die Differenz zum ursprünglich vereinbarten Kaufpreis als weiteren Unfallschaden geltend.

Begründung des Urteils

Das AG Wolfsburg gab der Klage statt und sprach 2.800 Euro an Schadenersatz zu. Das Gericht bestätigte, dass der Kläger auch den Schaden in Form entgangenen Gewinns von der Beklagten einfordern könne. Er habe unter Vorlage der eingestellten Inserate substantiiert dargetan, dass er sein Fahrzeug zeitnah und unter sukzessiver Preisreduktion auf dem Markt angeboten habe, nachdem er den ursprünglich vereinbarten Kaufpreis wegen des Rücktritts der Käuferin nicht realisieren haben könne. Die Beklagte habe hinsichtlich der Verkaufsmöglichkeiten nicht hinreichend substantiiert bestritten.

Das AG Wolfsburg war der Ansicht, dass der Kläger ausreichend dazu vorgetragen hatte, welche Verkaufsmöglichkeiten nach dem Unfallereignis bestanden. Hier hätte die Beklagte sehr viel substantiierter vortragen müssen, warum sie meine, dass das streitgegenständliche Fahrzeug – auch mit dem Makel Unfallfahrzeug – auf dem Markt zu der Zeit zu einem höheren Preis gehandelt worden wäre.

Die Entscheidung des AG Wolfsburg zeigt, dass hier substantiierter Vortrag zu den Verkaufsbemühungen des Verkäufers wichtig ist. Derartiger substantiierter Vortrag erfolgte im konkreten Fall, sodass die Klage vollumfänglich erfolgreich war.

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