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Rechtsrisiken in Milliardenhöhe bremsen Volkswagen im ersten Quartal

Autor / Redakteur: dpa / Jens Rehberg

Die Bewältigung von „Dieselgate“ kostet den Volkswagen-Konzern inzwischen rund 30 Milliarden Euro – weitere Kostenblöcke schließt Wolfsburg nicht aus. So gab das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern des ersten Quartals dann auch um gut acht Prozent zum Vorjahr nach.

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(Bild: Rehberg / »kfz-betrieb«)

Ein schwacher Markt in China und Milliardenkosten für Rechtsstreitigkeiten rund um die Prüfstandserkennung. Volkswagen hat zum Jahresauftakt spürbar an Gewinn eingebüßt. Unter dem Strich verdiente der Konzern im ersten Quartal 3,05 Milliarden Euro – nach rund 3,3 Milliarden Euro vor einem Jahr, wie der Branchenprimus am Donnerstag in Wolfsburg mitteilte. Allerdings kletterte die Vorzugsaktie an der Dax-Spitze kräftig, weil Anleger von der Entwicklung im Tagesgeschäft positiv überrascht waren.

Vor Zinsen und Steuern gab das Ergebnis um gut 8 Prozent auf rund 3,9 Milliarden Euro nach. Sondereinflüsse aus Rechtsrisiken von einer Milliarde Euro wirkten sich aus – dabei machte sich erneut die Abgas-Affäre bemerkbar. Damit ist die Abgasrechnung für den Konzern erneut gestiegen, die Bewältigung von „Dieselgate“ kostet den Konzern inzwischen 30 Milliarden Euro.

In der Rechnung seien Kosten für Rechtsanwälte, Vergleiche und ausstehende Verfahren enthalten, sagte Finanzvorstand Frank Witter. Damit seien derzeit absehbare Kosten abgedeckt, weitere aber nicht ausgeschlossen. Das meiste Geld floss bis dato in Nordamerika, wo der Konzern teure Vergleiche geschlossen hatte.

Zahlreiche Verfahren anhängig

Die Folgen der Dieselaffäre werden den Konzern weiter beschäftigen: Allein in Deutschland sind über 60.000 Verfahren unzufriedener Kunden anhängig. Dazu kommen milliardenschwere Klagen von Aktionären, die sich vom Konzern zu spät über das finanzielle Ausmaß der Dieselaffäre informiert fühlen.

Außerdem wird strafrechtlich ermittelt. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig klagte unlängst Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und vier weitere Führungskräfte in der Abgas-Affäre wegen Betrugs an. Dies habe die Risikoeinschätzung des Konzerns aber nicht beeinflusst, sagte Witter.

Der Volkswagen-Konzern profitierte beim Betriebsergebnis von einer Neuregelung in der Rechnungslegung. Eine positivere Neubewertung von Finanzinstrumenten brachte 400 Millionen Euro. Unter Ausklammerung der neuen Dieselkosten steigerte der Konzern damit sein operatives Ergebnis um 15,2 Prozent auf über 4,8 Milliarden Euro.

An der Börse feierten die Anleger die Entwicklung im Tagesgeschäft, die Vorzugsaktie kletterte am Vormittag an der Dax-Spitze zeitweise um rund 5 Prozent.

Markterwartungen übertroffen

Volkswagen sei solide ins Jahr gestartet und habe mit dem Umsatz sowie insbesondere mit dem operativen Ergebnis die Markterwartungen übertroffen, lobte Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JP Morgan. Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI teilte diese Einschätzung. Angesichts der Tatsache, dass das erste Quartal für die meisten Unternehmen sehr schwierig gewesen sei, habe sich Volkswagen gut geschlagen.

Derweil merkte Philippe Houchois vom Analysehaus Jefferies an, dass die Kosten für Rechtsrisiken wegen der Dieselaffäre mit einer Milliarde Euro höher als erwartet ausfielen. Auch sein Kollege Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS sah darin eine negative Überraschung.

Die Kernmarke mit dem VW-Logo hatte besonders an den Sondereinflüssen aus Rechtsrisiken zu knabbern – diese belaufen sich für die Marke auf 400 Millionen Euro. Der Rest verteile sich im Konzern, sagte Witter. Nähere Angaben wollte er nicht machen.

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