Regierung: Keine Bedenken gegen R1234yf

KBA-Risikobewertung und Stoffbewertung laufen noch

| Autor: Andreas Grimm

Nach derzeitigem Sach- und Kenntnisstand hat die Bundesregierung keine Einwände gegen die Nutzung des Kältemittels R1234yf.
Nach derzeitigem Sach- und Kenntnisstand hat die Bundesregierung keine Einwände gegen die Nutzung des Kältemittels R1234yf. (Bild: VBM-Archiv)

Die Bundesregierung will vorerst keine Prüfpflicht für Leckagen aus Klimaanlagen mit dem Kältemittel R1234yf einführen. Das schreibt die Bundesregierung in einer Antwort (17/12566) auf eine Anfrage der Fraktion „Die Linke“ über mögliche Gefährdungen durch das Kfz-Kältemittel R1234yf. In der Anfrage hatten sich die Abgeordneten unter anderem auf die „neuen Erkenntnisse über die leichte Entzündbarkeit in Personenkraftwagen“ des Daimler-Konzerns bezogen sowie auf die chemischen Zerfallsprodukte des Kältemittels, die sich in der Umwelt anreichern können.

Hinsichtlich der Überwachung von Leckagen aus Klimaanlagen, die mit R1234yf befüllt sind, sieht die Regierung keine Handlungsnotwendigkeit, da die erwarteten Kältemittelverluste „im Gegensatz zu den mit R134a befüllten Klimaanlagen nicht klimarelevant sind“. Ausschlaggebend für diese Einschätzung ist die wesentlich geringere Treibhauswirkung von R1234yf gegenüber dem alten Kältemittel.

In ihrer Antwort verweist die Regierung allerdings darauf, dass eine abschließende Risikobewertung von R1234yf durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) noch nicht vorliegt. Dafür seien laut der Behörde weitere Betrachtungen und Versuche der Hersteller erforderlich, da sich keine einheitliche Bewertung durch die abgefragten Hersteller abzeichne. „Es bleibt abzuwarten, ob sich aus diesen Betrachtungen und Versuchen Anhaltspunkte ergeben, aufgrund derer die Einführung einer Leckageprüfung erwogen werden könnte“, heißt es daher in der Stellungnahme der Regierung.

Keine Vorschriften fürs Kfz-Gewerbe

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse sind auch keine zusätzlichen Vorschriften für Werkstätten zu erwarten. Die Regierung plane keine neuen besonderen Regelungen zu Arbeitsschutz-Maßnahmen in Servicewerkstätten. „Die bestehenden Regelungen im Arbeitsschutzgesetz und speziell in der Gefahrstoffverordnung werden nach dem derzeitigen Erkenntnisstand als ausreichend angesehen“, heißt es in dem Antwortschreiben. Darüber hinaus habe das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe in seinem „Handbuch zur Klimaanlagen-Schulung von sachkundigen Personen“ den Umgang mit dem Kältemittel R1234yf berücksichtigt und ein entsprechendes Merkblatt aufgelegt.

Einer speziellen Kennzeichnungspflicht für Kraftfahrzeuge, die mit R1234yf befüllt sind, erteilte die Regierung eine Absage. Es sei bereits gängiger Standard, dass das verwendete Kältemittel mitsamt der Menge durch den Hersteller im Motorraum des Fahrzeugs ausgewiesen werde. Eine Kennzeichnungspflicht außerhalb des Motorraums könnte lediglich im Rahmen harmonisierter EU-Vorschriften initiiert werden.

Für die Umwelt erwartet die Regierung andererseits Belastungen durch das neue Kältemittel. Studien hätten gezeigt, dass es nach dem Zerfall von R1234yf zu einer Erhöhung von Trifluoressigsäure (TFA) komme. Die Chemikalie sei insbesondere in Gewässern nachzuweisen, weil TFA im Wasser nur langsam abgebaut werde. Bei einer breiteren Verwendung von R1234yf sei daher mit „einem Anstieg von TFA in der Atmosphäre und einem verstärkten Eintrag in Meere sowie Böden und Oberflächengewässer zu rechnen“, erklärt die Bundesregierung weiter.

Mögliche Umweltauswirkungen der Stoffe seien auch Gegenstand einer laufenden Evaluierung im Rahmen der europäischen Chemikalienrichtlinie „Reach“. Die Stoffbewertung von R1234yf ist noch nicht abgeschlossen, weshalb „die Ergebnisse der Bewertung oder Teile davon derzeit nicht weitergegeben werden“ können.

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