Reifen: Nach wie vor ein Renner

Die technische Entwicklung und das reiche Angebot beeinflussen zunehmend das Reifengeschäft

23.04.2009 | Autor: Konrad Wenz

Obwohl der Ersatzreifenmarkt in den vergangenen Jahren geschrumpft ist, sind Räder und Reifen immer noch ein Umsatz- und Renditebringer – der Renner im Teile- und Zubehörgeschäft.
Obwohl der Ersatzreifenmarkt in den vergangenen Jahren geschrumpft ist, sind Räder und Reifen immer noch ein Umsatz- und Renditebringer – der Renner im Teile- und Zubehörgeschäft.

„Die Automobilhersteller treiben das Reifengeschäft seit Jahren voran. Sie unterstützen ihre Markenwerkstätten mit Projekten und Kampagnen unterschiedlicher Couleur. Dennoch konnten sie in dieser Zeit ihren Marktanteil am Reifengeschäft nicht signifikant erweitern“, führt Drechsler aus.

Noch vor 15 Jahren habe jeder Betrieb, der sich mit dem Reifengeschäft beschäftigte, in der Regel eine direkte vertragliche Beziehung mit dem Reifengroßhändler gehabt – sei es die Freie Werkstatt oder das markengebundene Autohaus. Der Reifenfachhandel sei zu dieser Zeit direkt vom Reifenhersteller beliefert worden. Mittlerweile belieferten die Reifengroßhändler den Reifenfachhandel sowie die Freien Werkstätten. Die markengebundenen Autohäuser würden häufig von ihrem Fahrzeughersteller mit Reifen beliefert. Die Großhändler hätten inzwischen umfangreiche Logistiksysteme aufgebaut, die sie in die Lage versetzten, auch relativ kleine Mengen zeitnah an die Werkstatt zu liefern. „Schon deshalb wird der Reifengroßhandel in absehbarer Zeit nicht an Bedeutung verlieren“, glaubt der BRV-Mann.

Logistik ist wichtig

Allerdings weiß der Geschäftsführer, dass zumindest die markengebundenen Autohäuser nicht mehr auf die logistische Leistungsfähigkeit des Großhandels angewiesen sind. „Ein Autohaus kann in der Regel mit einer vertraglichen Bindung zu einem großen Reifenhersteller sein komplettes Reifengeschäft abdecken. Da bekommt es vom Premiumangebot bis hin zum Low-Budget-Reifen die gesamte Palette. Das heißt, das Autohaus kann mit einem Partner alle Preisstufen abdecken“, berichtet Drechsler. Freie Werkstätten hätten diese Vorteile in der Regel nicht. Deshalb würden sie auch künftig den Reifengroßhandel benötigen.

Aber auch für markengebundene Autohäuser sieht Drechsler Vorteile, wenn sie mit dem Reifengroßhandel zusammenarbeiten. Beispielsweise das große Angebotssortiment, das über das eines Automobilherstellers hinausginge. Zudem gebe es auch deutliche Preisunterschiede, besonders im Geschäft mit den Kompletträdern.

Auch der Onlinevertrieb von Reifen treibt dem BRV-Geschäftsführer keine Sorgenfalten auf die Stirn. „Dafür ist der Reifen viel zu komplex. Er ist ein Hightech-Produkt“, erklärt Drechsler. Die Verbraucher hätten in der Regel keine Lust, sich durch das vielfältige Onlineangebot zu klicken. Immerhin gebe es in Deutschland rund 2.500 verschiedene Reifendimensionen, die von etwa 150 Reifenherstellern in den Markt getragen würden.

Komplexes Geschäft

„Selbst wenn der Verbraucher weiß, welche Dimension und welchen Geschwindigkeitsindex er benötigt, gibt es immer noch ein sehr breites Angebot – und das überfordert ihn“, berichtet Drechsler.

Sorgen bereiten dem Geschäftsführer allerdings die großen Überkapazitäten, die die Industrie aufgebaut hat. Der Reifenhersteller Continental verkündete kürzlich, dass in Europa eine Überkapazität von rund 15 Millionen Reifen existiere. Zwar glaubt Drechsler, dass die Reifenhersteller über kurz oder lang, ihre Produktion an die zurückgehende Produktion der Automobilhersteller anpassen werden. Das ginge jedoch nicht von heute auf morgen. Deshalb befürchtet der Geschäftsführer, dass das Überangebot zu einem Preisverfall führen werde. Allerdings gehe er nicht von einem freien Fall der Preise aus, wie das bei manch anderen Konsumgütern passiert. Dagegen würde die rasante technische Entwicklung sprechen. Drechsler geht davon aus, dass die steigenden Anforderungen durch Automobilhersteller, Gesetzgebung und Verbraucher den Preis für die Reifen nach oben treiben werden. Letztlich sei davon auszugehen, dass diese beiden gegenläufigen Entwicklungen das Preisniveau stabilisieren würden.

„Letztlich wird derjenige, der die bessere Qualität und den besseren Service anbieten kann, der Gewinner am Markt sein. Mittelfristig sehe ich keine signifikanten Verschiebungen in den Distributionskanälen“, resümiert Drechsler. Das Reifengeschäft werde immer komplexer, und die Betriebe, die es professionell betreiben wollten, müssten in Equipment und Ausbildung investieren.

 

Reifen: Nach wie vor ein Renner

 

Meinung

 

Meinung

 

Meinung

 

Meinung

 

Meinung

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 299341 / Service)

Plus-Fachartikel

Santander Consumer Bank: Zielgenaue Trainings

Santander Consumer Bank: Zielgenaue Trainings

Der Mönchengladbacher Finanzdienstleister baut sein Trainingsangebot für den Automobilhandel aus. Welche Angebote es für den Handel gibt, erläutert Holger Katzmarek, Leiter Akademie Mobilität und Waren. lesen

Händler- und Herstellerwebsites: Bedingt auftragsbereit

Händler- und Herstellerwebsites: Bedingt auftragsbereit

Hersteller verpflichten Markenhändler in der Regel dazu, markenkonforme Websites zu betreiben. Studienergebnisse zeigen jedoch, dass diese so manche Defizite aufweisen. Und mit den Websites der Hersteller selbst sieht es oft nicht besser aus. lesen