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Rekord: Mehr als 2.000 Staus pro Tag auf deutschen Autobahnen

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Die Anzahl und Länge der Staus auf deutschen Autobahnen hat 2018 weiter zugenommen. Das vermeldet der ADAC. Der Automobilclub führt die zunehmende Verstopfung auf mehrere Ursachen zurück.

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(Bild: ACE)

Einen unrühmlichen Rekord von rund 745.000 Staus hat der ADAC im Vorjahr auf deutschen Autobahnen registriert. Im Durchschnitt habe es bundesweit mehr als 2.000 Staus pro Tag gegeben, teilte der Automobilclub in der Nacht zum Donnerstag mit. Insgesamt seien damit in der Staudatenbank knapp drei Prozent mehr Staus als im Jahr 2017 erfasst worden.

Die Staulängen wuchsen um rund fünf Prozent und summierten sich laut ADAC auf eine Gesamtlänge von etwa 1,5 Millionen Kilometer – eine Blechschlange, die etwa 38-mal um die Erde reichen würde. Insgesamt waren die Autofahrer 459.000 Stunden zum Stillstand gezwungen.

Als Gründe für den Anstieg führte der Automobilclub die um 0,4 Prozent gestiegene Kfz-Fahrleistung an – errechnet von der Bundesanstalt für Straßenwesen – sowie den leichten Anstieg der Baustellenzahl: 2018 gab es rund 3 Prozent mehr Nadelöhre als 2017.

Die mit Abstand meisten Staus gibt es in NRW

Im Bundesländer-Ranking steht unverändert Nordrhein-Westfalen mit 35 Prozent aller Staus an der Spitze, gefolgt von Bayern (17 %) und Baden-Württemberg (11 %). Der staureichste Tag des Jahres 2018 mit einer Mischung aus Reise- und Berufsverkehr war Donnerstag, 28. Juni. An diesem Tag begannen in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt die Sommerferien. Der Verkehr staute sich so auf 13.000 Kilometern.

Unter den Fernautobahnen hat die A3 von Köln über Frankfurt nach Passau zu recht einen üblen Ruf - dort staute es sich proportional betrachtet am längsten. Dazu dürfte die Passage zwischen der österreichischen Grenze und Passau besonders beigetragen haben: Wegen der andauernden Grenzkontrollen der Bayern ist dies bundesweit der staureichste Streckenabschnitt. Aber auch die A1 (Lübeck - Hamburg - Köln) und die A5 (Basel - Karlsruhe - Frankfurt) nervten regelmäßig mit Verkehrsbehinderungen.

Am häufigsten staut es sich übrigens inzwischen an den Mittwochen – die Differenz zu den anderen Werktagen mit Ausnahme des Montags ist jedoch klein. Der staureichste Tag des Jahres 2018 war aber ein Donnerstag: An jenem 28. Juni kam zum Berufsverkehr noch der Reiseverkehr hinzu, weil in drei Bundesländern die Schulferien begonnen hatten. Folge: Staus auf 13.000 Kilometern Länge.

Für seine Berechnung wertet der ADAC anonymisierte Geschwindigkeits- und Positionsdaten von rund 260.000 Fahrzeugen aus, die zum Beispiel von Flotten großer Speditionen oder Navigationsgeräten stammen. Auch Angaben von Polizei und Staumeldern fließen mit ein. Dann gilt: Rollen mehrere Fahrzeuge auf einem Kilometer Strecke über fünf Minuten hinweg im Schnitt langsamer als mit Tempo 20, gilt das als Stau. Die längste Ausdehnung dieser Staustrecken wird gezählt.

NRW-Politiker zweifelt ADAC-Statistik an

Der Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium, Hendrik Schulte, zweifelt diese Staumessungen indes an. „Die ADAC-Werte auf einen Tag berechnet, soll es im vergangenen Jahr in NRW täglich 1.300 Kilometer Stau gegeben haben – alle Feiertage, Ferien und sonstigen verkehrsarmen Tage mit einbezogen. Ein solcher Wert deckt sich nicht ansatzweise mit unseren Erhebungen und erscheint mir auch wenig plausibel“, sagte er der „Rheinischen Post“.

Der ADAC-Wert liegt mehr als viermal so hoch wie die vom NRW-Ministerium erfassten 103.562 Kilometer. Das Ministerium erfasse seine eigenen Daten durch sogenannte Induktionsschleifen an allen Ein- und Ausfahrten der Autobahnen, sagte Schulte. „Durch dieses bewährte System ist eine jährliche Vergleichbarkeit unserer Daten gewährleistet.“

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