Rekordgewinn bei PSA – Opel trägt dazu bei

Autor / Redakteur: dpa / Andreas Wehner

Nach einer harten Sanierung hat Opel im vergangenen Jahr seinen Betriebsgewinn deutlich ausgebaut. Und auch beim Mutterkonzern PSA blieb unterm Strich mehr Geld in der Kasse.

Firmen zum Thema

(Bild: PSA)

Nach harten Sanierungsmaßnahmen hat Opel im vergangenen Jahr seinen Betriebsgewinn auf 1,1 Milliarden Euro ausgebaut. Das sagte der Finanzvorstand des französischen Mutterkonzerns PSA, Philippe de Rovira, am Mittwoch in Rueil-Malmaison bei Paris vor Medienvertretern. 2018 hatte Opel mit der britischen Schwestermarke Vauxhall bereits einen operativen Gewinn von 859 Millionen Euro eingefahren. Allerdings sank im letzten Jahr bei Opel der Umsatz um knapp eine Milliarde auf 17,4 Milliarden Euro.

Auch der Opel-Mutterkonzern PSA geht mit einem Rekordgewinn in die geplante Fusion mit Fiat Chrysler. „PSA ist einer profitabelsten Autohersteller der Welt“, sagte Konzernchef Carlos Tavares. Er lobte ausdrücklich das Abschneiden der deutschen Tochter Opel, die gut zweieinhalb Jahre nach der Übernahme die Wende geschafft habe.

Opel gehört seit Sommer 2017 zu den Franzosen. Bei der Sanierung blieben viele Arbeitsplätze auf der Strecke. Die Einmalkosten für Abfindungen sind in den operativen Gewinnzahlen wie auch Zinsen und Steuern nicht berücksichtigt.

Der PSA-Konzern steigerte den Nettogewinn um gut 13 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür waren Kostensenkungen und neue Modelle. Der Umsatz des Konzerns wuchs um ein Prozent auf 74,7 Milliarden Euro, obwohl er 2019 mit 3,48 Millionen Einheiten gut zehn Prozent weniger verkauft hat als im Jahr zuvor.

Aus dem Modellportfolio gestrichen wurden vor allem große Motoren und verlustreiche Opel-Modelle mit technischer Grundlage aus der General-Motors-Vergangenheit. Tavares sagte, er sei sicher, dass PSA im laufenden Jahr die europäischen Grenzwerte für CO2-Emissionen einhalten werde. „Im Januar und Februar halten wir sie ein.“

Der Konzernchef zeigte sich auch zuversichtlich, dass er grünes Licht von den Wettbewerbsbehörden für die Fusion mit Fiat Chrysler (FCA) bekommt, die spätestens im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen sein soll. PSA und FCA hatten Ende des vergangenen Jahres angekündigt, den viertgrößten Automobilhersteller der Welt zu schmieden. „Wir führen zwei Unternehmen zusammen, die gesund sind“, betonte Tavares.

Branchenexperten hatten darauf hingewiesen, dass FCA unter Führung des inzwischen gestorbenen Managers Sergio Marchionne auf große Investitionen – beispielsweise in Elektroantriebe – verzichtet habe. Derzeit ist der Konzern vor allem mit den großen SUVs der Marken Jeep und RAM erfolgreich. Die Branche steht unter Zugzwang, milliardenschwere Investitionen in Elektromobilität und autonomes Fahren zu bewältigen.

Opel-Chef Michael Lohscheller feierte die Zahlen als „Ergebnis der harten Arbeit aller Opelaner“ und verkündete eine Erfolgsprämie von 600 Euro für jeden Beschäftigten in Europa – der erste derartige Bonus bei den Rüsselsheimern seit 1997. Die eigentlich erst für 2026 angepeilte Profitabilität habe man mit 6,5 Prozent Marge bereits übertroffen und verfüge nun über ausreichende Mittel für zukunftsweisende Investitionen.

Zweieinhalb Jahre nach der Übernahme durch PSA haben die drei deutschen Opel-Standorte trotz Umsatzrückgangs und Jobabbaus inzwischen gute Perspektiven: In Montagewerk Eisenach läuft der noch frische SUV Grandland inklusive einer Elektroversion vom Band, und am Komponenten-Standort Kaiserslautern soll mit Unterstützung der Steuerzahler eine der größten Batteriefabriken Europas mit rund 2.000 Arbeitsplätzen entstehen.

Darben muss noch der Stammsitz Rüsselsheim, wo erst im kommenden Jahr die neue Generation des Bestsellers Astra startet und dann das Montagewerk im Zweischichtbetrieb auslasten soll. Bis dahin bestimmen Kurzarbeit und seltene Produktionstage für das Auslaufmodell Insignia den Alltag. Das Entwicklungszentrum mit zuletzt 4.850 Vollzeitstellen könnte weiter verkleinert werden, wenn bei einer gelungenen Fusion mit Fiat-Chrysler zusätzliche Entwicklerkapazitäten in den Konzern kämen.

Der Opel-Gewinn ist letztlich auf den rigiden Schrumpfkurs zurückzuführen, für dessen Fortführung Lohscheller sich die Rückendeckung der Gewerkschaft IG Metall gesichert hat. Der Deal ist immer gleich: Tausende Beschäftigte können mit goldenem Handschlag das Unternehmen verlassen, und für die übrigen werden die Jobgarantien verlängert, aktuell bis Mitte 2025. PSA hat sich die Programme zu Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit bei Opel allein im vergangenen Jahr 855 Millionen Euro kosten lassen – mit ähnlichen Summen ist auch in den kommenden Jahren zu rechnen.

Vor der Übernahme durch PSA beschäftigte Opel mehr als 19.000 Mitarbeiter in Deutschland. Seit der Übernahme im Sommer 2017 wurden in Deutschland bereits über 6.000 Stellen des Traditionsunternehmens gestrichen.

(ID:46382697)