Renault Trucks senkt den Verbrauch um ein Achtel

Kombination verschiedener Maßnahmen

| Redakteur: Thomas Günnel

(Bild: Renault Trucks)

Neun Monate Feinanpassung und sieben Monate Erprobung mit 4.500 Kilometern im öffentlichen Straßenverkehr und auf dem Rollenprüfstand liegen hinter dem Urban Lab 2 von Renault Trucks. Das Ergebnis: Der Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen im Stadt- und Regionalverkehr sanken gegenüber einem vergleichbaren Serienfahrzeug um 12,8 Prozent – heruntergerechnet auf 100 Kilometer bedeutet das 3,5 Liter weniger Kraftstoff und ein um neun Kilogramm verringerter CO2-Ausstoß. Möglich machen das diverse Optimierungen des Lkw: bei Aerodynamik, dem Antriebsstrang, den Reifen und der Konnektivität.

Die Basis für den Forschungs-Truck ist das im Jahr 2016 gestartete Kooperationsprojekt EDIT (Efficient Distribution Truck). Hier sind neben Renault Trucks sechs weitere Kooperationspartner vereint: Valeo, Lamberet, Michelin, Benomad, das Nationale Institut für angewandte Wissenschaften in Lyon (INSA Lyon) und das angeschlossene Labor für mechanische Systeme (LamCoS), das Französische Institut für Transportwissenschaften und -technologien, Raumplanung, Entwicklung und Netzwerke (IFSTTAR) und zugehörige französische Labor für Transporttechnik (LICIT).

Das Projekt hatte zum Ziel, den Verbrauch eines temperaturgeführten Lkw (Kühllastwagen) im Stadt- und Regionalverkehr um 13 Prozent zu senken. Aus diesem Projekt ist das Versuchsfahrzeug Urban Lab 2 entstanden. Obwohl das Projekt EDIT sehr erfolgreich war, kommt das Versuchsfahrzeug Urban Lab 2 laut Renault in dieser Form nicht auf den Markt. Die Technologien die im Versuch den Kraftstoffverbrauch am deutlichsten gesenkt haben, könnten sich künftig aber durchaus in Serienfahrzeugen wiederfinden.

Die Modifikationen im Detail

Aerodynamik: Um den Luftwiderstand des Aufbaus zu reduzieren, wurden die Verdampfer in das Aufbaudach integriert und das Kühlmodul in den Fahrzeugrahmen integriert. Hinzu kamen aerodynamische Anbauteile:

  • Heckflügel und hochklappbare PVC-Textilverkleidungen,
  • Trittstufen-Klappen,
  • Radverkleidungen,
  • Dachdeflektor,
  • Spoiler und Seitendeflektoren am Fahrerhaus

Außerdem ersetzt ein Kamerasystem die klassischen Seitenspiegel. Die Modifikationen entstanden gemeinsam mit Lamberet, einem großen Hersteller von Kofferaufbauten für Kühlwagen-Nutzfahrzeuge.

Mikro-Hybridsystem: Die Ingenieure testeten mehrere Einsatzstrategien des gemeinsam mit dem Automobilzulieferer Valeo entwickelten Mikro-Hybrid-Systems, um beim Bremsen maximal zu rekuperieren. Außerdem wurden diverse Start-Stop-Strategien des Motors herausgearbeitet, um Zeit zu sparen und Vibrationen zu minimieren. Die Verbrauchstests des Mikro-Hybrid-Systems erfolgten auf dem Rollenprüfstand für drei Modi:

  • ohne Mikro-Hybrid-System, Standardkonfiguration,
  • mit Mikro-Hybrid-System, ohne Start & Stop,
  • mit Mikro-Hybrid-System und Start & Stop

Das Ergebnis: ein relevanter Minderverbrauch insbesondere im Stadtverkehr.

Konnektivität: Die Navigationssoftware im Versuchs-Truck steuerte Benomad bei, ein Entwickler von Karten und Navigationssoftware. Das Navigationssystem war zusätzlich mit den Verkehrsleitsystemen verbunden – und konnte seine Geschwindigkeit so zum Beispiel an die Ampelschaltung anpassen: Wenn sich das Fahrzeug einer Ampel nähert, sendet diese Daten an das Fahrzeug. Das System berechnet dann, ob es ökonomischer ist, zu bremsen oder das Fahrzeug zu beschleunigen; immer im Abgleich mit der Verkehrssituation und den geltenden Regeln. So lassen sich Brems- und Beschleunigungsphasen reduzieren und Kraftstoff sparen.

Bereifung: Das Versuchsfahrzeug ist mit einem Reifen-Prototyp von Michelin ausgestattet, der den Rollwiderstand weiter reduzieren soll. Die Messungen des Reifenverhaltens führten die Ingenieure im Regionalverkehr und auf den Autobahnabschnitten des Prüfzyklus durch. Drei Folgetests mit dem Referenzfahrzeug und dem Versuchsfahrzeug dienten dazu, die Profile sowie die Temperatur- und Druckanstiege jedes Reifens zu messen.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Ihr Kommentar zum Thema

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45432815 / Nutzfahrzeuge)

Plus-Fachartikel

Toyota: „Ein relevanter Player“

Toyota: „Ein relevanter Player“

Die japanische Marke gibt im Nutzfahrzeuggeschäft Gas. Flottenchef Mario Köhler erklärt, warum der Hersteller eine eigene Nutzfahrzeugmarke ins Leben ruft und im Handel spezialisierte Light-Vehicle-Center installieren will. lesen

Nutzfahrzeugfinanzierung: Den Bedarf genau kennen

Nutzfahrzeugfinanzierung: Den Bedarf genau kennen

Transporterleasing ist nicht gleich Transporterleasing, weiß Christian Schüßler, Commercial Director von Arval Deutschland. Es braucht individuelle Angebote, um die Nutzfahrzeugkunden zu erreichen. lesen