Renaults Stromer sind verkaufsreif

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Mit dem Kangoo (im November) und dem Fluence (im Februar) führt Renault die ersten Großserien-Elektroautos aus europäischer Fertigung in Deutschland ein.

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Fluence (Bild) und Kangoo Z. E. sind die ersten Großserien-Elektroautos von Renault.
Fluence (Bild) und Kangoo Z. E. sind die ersten Großserien-Elektroautos von Renault.
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Handwerker aufgepasst: Ab dem 18. November gibt es eine Alternative zu verstopften Partikelfiltern, häufigen Ölwechseln und rasantem Kupplungsverschleiß: Renault bringt als erstes Fahrzeug aus seiner Elektroautoflotte „Z. E.“ (Zero Emissions) den Kleintransporter Kangoo auf den Markt. Ab 18. November steht der praktische Stromer beim Händler.

Bei der Pressevorstellung in dieser Woche in Lissabon konnten sich Fachjournalisten ein erstes Bild von den Fahreigenschaften des Kangoo Z. E. machen. Im Vergleich zum Diesel mit Schaltgetriebe fährt sich der Wagen so bequem, dass mancher Chef versucht sein könnte, seinen Mitarbeitern die Fahrzeiten als Urlaub abzuziehen: „Gas“ geben und Bremsen reicht. Der Elektromotor stellt gleich beim Anfahren sein volles Drehmoment von 226 Newtonmetern zur Verfügung (das entspricht etwa dem eines 1,6-Liter-Turbodiesels). Motorgeräusche und Schaltrucke gibt es nicht.

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Doch wie sieht es mit den Kosten und der Reichweite aus, die bislang als Manko des batterieelektrischen Antriebs galten? Die Renault-Vertreter gaben sich bei der Pressekonferenz zuversichtlich, dass sie diesbezüglich ein konkurrenzfähiges Paket geschnürt haben. Die Preise für den Kangoo Z. E. starten bei 20.000 Euro (Zweisitzer mit kurzem Radstand). Dazu kommt noch die Batteriemiete, denn die Franzosen trennen Stromspeicher und Fahrzeug finanziell voneinander.

Der Nutzer muss deshalb mindestens weitere 72 Euro monatlich einkalkulieren. Für einen Zweijahresvertrag bei einer Laufleistung von 20.000 Kilometern im Jahr sind schon 99 Euro monatlich fällig (alle Preise exklusive Mehrwertsteuer). Außerdem soll der Kunde noch die von RWE entwickelte „Wallbox“-Ladestation kaufen und installieren lassen. Sie kostet mindestens 722 Euro.

Der Kangoo Z. E. bietet jedoch auch finanzielle Vorteile gegenüber einem Transporter mit Verbrennungsmotor: Laut Renault liegen die Servicekosten um 20 Prozent niedriger, weil der E-Motor komplett wartungsfrei arbeitet. Außerdem sind geringere Reparaturkosten zu erwarten, und der „Kraftstoff“ kostet weniger als vier Euro auf 100 Kilometer.

Genügend Reichweite für den Alltag

Die Reichweite beträgt laut Renault 170 Kilometer (laut NEFZ). Bei den Testfahrten in Lissabon und Umgebung, die in wechselhafter Topographie, aber ohne Beladung stattfanden, war die Batterie nach rund 65 Kilometern halb leer. Je nach Fahrweise, Nutzlast und elektrischen Verbrauchern (Klimaanlage oder Heizung) kann die Reichweite auch unter 100 Kilometer fallen. Doch selbst das dürfte vielen der von Renault adressierten Nutzern ausreichen, nämlich Handwerkern, Lieferanten und anderen Gewerbetreibenden, die vorrangig im Stadtgebiet unterwegs sind. Falls die Batterie doch einmal unverhofft leer ist, schleppt der Renault-Pannendienst „Z. E. Assistence“ den Liegenbleiber kostenlos zur nächsten Ladestation.

Alle Kangoo Z. E. bieten laut Renault das gleiche Ladevolumen und die gleiche Nutzmasse wie ihre herkömmlichen Geschwister. Die 260 Kilogramm schwere Batterie ist unter dem Ladeboden eingebaut. Der Hersteller garantiert, dass sie immer mindestens 75 Prozent ihrer Kapazität (neu: 22 Kilowattstunden) aufweist. Ist es weniger, wird sie kostenlos ausgetauscht.

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