Retro Classics Cologne startet holprig

Retro-Classics-Konzept an drittem Standort

| Autor: Steffen Dominsky

Die „Retro Classics“ gibt es jetzt an drei Standorten: nach Stuttgart und Nürnberg jetzt erstmals auch in Köln.
Die „Retro Classics“ gibt es jetzt an drei Standorten: nach Stuttgart und Nürnberg jetzt erstmals auch in Köln. (Bild: Dominsky)

„Viel hilft viel“, sagt der Volksmund. Ob die Macher der Oldtimermesse Retro Classics aus Stuttgart mit diesem Prinzip langfristig Erfolg haben werden, muss sich erst noch weisen. Auf jeden Fall verfolgen sie im Ringen mit der Essener Techno Classica um die Krone der Oldtimermessen konsequent die Strategie „Wachstum durch mehr Veranstaltungen“. Denn auch wenn sich die Retro Classics mittlerweile den Titel „weltgrößte Oldtimermesse“ verliehen hat: Das trifft „nur“ auf die Ausstellungsfläche zu. In Sachen Besucherzahlen hat die ältere Techno Classica nach wie vor weit die Nase vorn – 185.000 zu 89.000 Besucher in diesem Jahr.

Irgendwann kamen die fleißigen Schwaben deshalb auf die Idee, ihr Konzept einer erfolgreichen Oldtimermesse über ihren Ursprungsstandort hinaus ins deutsche Ländle zu tragen. Im vergangenen Dezember eröffnete mit der Retro Classics Bavaria in Nürnberg der erste Ableger des Klassikevents. Und am vergangenen Wochenende mit der Retro Classics Cologne in Köln der zweite. Dort hatten die Macher die Hallen 4 und 5 der Messe Köln angemietet und den Ausstellern eine Fläche von rund 60.000 Quadratmetern zur Verfügung gestellt.

480 Unternehmen nahmen das Angebot an. Besucherzahlen konnten die Stuttgarter zunächst keine nennen. Die Stimmung unter den Besuchern und unter den Ausstellern war überwiegend positiv – zumindest, was den ersten und den zweiten Messetag betrifft.

Sonntag: Keine Beratung, kein Verkauf!

Denn offenbar war den Retro-Classics-Organisatoren eine ziemlich wichtige Tatsache entgangen: Der dritte Messetag fiel auf den „Totensonntag“. Was den meisten bestenfalls ein Achselzucken entlockt, nimmt das Bundesland, zu dem Köln gehört, bitter ernst. Kein Geschäft – nicht mal Kneipen oder Cafés – dürfen an dem evangelischen Feiertag in Nordrhein-Westfalen öffnen. Einzig der Kirche ist es gestattet, Handel zu betreiben oder Dienstleistungen feilzubieten.

Erst wenige Tage vor Messebeginn fiel – zum Glück für die Veranstalter – die Entscheidung, dass die Messe nicht zwangsgeschlossen wird. Das große Aber: Am Sonntag durfte kein Beratungsgespräch und erst Recht kein Verkauf stattfinden. Vielen Ausstellern war das nicht bewusst. Und so darf es nicht verwundern, dass allen voran die Ersatzteilehändler stinksauer waren, als sie von ihrem Glück erfuhren.

Denn sie mussten sich, zusammen mit einigen Fahrzeughändlern und Oldtimerclubs, mit den Kellergeschossen der Messehallen zufrieden geben, die eher das Prädikat „schummrig“ als „einladend“ verdienen. Hier war zudem noch einiges an Ausstellungsfläche frei, während in der Etage darüber manch Händler seine Fahrzeuge wie Sardinen in der Büchse präsentieren musste.

„Das Publikum bewertet die Messe insgesamt mit einer 1,9. Drei Viertel wollen die nächste Ausgabe der Messe besuchen, 90 Prozent die Veranstaltung weiterempfehlen“, resümieren die Messemacher. Inwieweit ihr Konzept aufgeht, sprich sich ihre Retro-Töchter in Nürnberg und Köln etablieren, ohne die Mutter in Stuttgart zu kannibalisieren, wird die Zukunft zeigen. Denn dass trotz aller Euphorie in Sachen Young- und Oldtimer die Messebäume nicht in den Himmel wachsen, das musste in diesem Jahr bereits die Techno Classica schmerzhaft erfahren.

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