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Retro Classics: Corona- schlägt Oldtimervirus

| Autor: Jan Rosenow

Ein Drittel weniger Besucher als 2019 kamen auf die Stuttgarter Oldtimermesse. Doch die Liebe der Fans zu altem Blech bleibt ungebrochen – das zeigen die Zahlen der GTÜ.

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Neuer Luxus neben altem Blech: Auch manche Neuwagen wie dieser Bugatti werden direkt zu Klassikern.
Neuer Luxus neben altem Blech: Auch manche Neuwagen wie dieser Bugatti werden direkt zu Klassikern.
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Anders als die Genfer Motorshow fand die Stuttgarter Oldtimermesse Retro Classics zwar statt, aber viele potenzielle Besucher waren von der Diskussion um das Coronavirus wohl doch verunsichert und blieben lieber daheim. Darauf jedenfalls führte Karl Ulrich Herrmann, geschäftsführender Gesellschafter der Retro Messen GmbH, den starken Besucherrückgang bei der Stuttgarter Retro Classics zurück, die vom 27. Februar bis 1. März 2020 stattfand. Rund ein Drittel weniger Besucher als 2019 fanden sich in den Stuttgarter Messehallen ein.

Angesichts der öffentlichen Diskussion findet Herrmann den Einbruch gleichwohl „verkraftbar“, zumal die Struktur des Publikums hochwertig gewesen sei. Dies bestätigt eine computergestützte, repräsentative Befragung unter den Messeteilnehmern: Knapp zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) besitzen mindestens einen Oldtimer, 33 Prozent hatten zum Zeitpunkt der Befragung bereits etwas gekauft oder bestellt, und 5 Prozent investierten mehr als 100.000 Euro. Unter den Gästen, die im Schnitt fünfeinhalb Stunden auf dem Gelände verweilten, waren mehr als ein Drittel Fachbesucher.

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Besonders wichtig war es den Veranstaltern, ein jüngeres Publikum anzusprechen, um der Oldtimerszene Nachwuchs zuzuführen. Dazu dienten Programmpunkte wie die US-Cars, die Neo-Classics und der erstmals veranstaltete Einsteigermarkt. Auch die vom Kultusministerium Baden-Württemberg unterstützte Nachwuchsinitiative „Retro Classics for Education“ wurde von zahlreichen Berufsschülern wahrgenommen.

Oldtimer sind technisch gut in Schuss

Traditionell veröffentlicht die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) zur Retro Classics eine Untersuchung zum technischen Zustand von klassischen Fahrzeugen auf Basis ihrer Hauptuntersuchungen. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass vor allem „echte“ Oldtimer, also über 30 Jahre alte Fahrzeuge mit H-Kennzeichen, sehr gut gepflegt sind. Marco Oehler, stellvertretender technischer Leiter der GTÜ, sagte auf der Pressekonferenz am Freitag, 28. Februar: „Die Zahlen für 2019 bestätigen erneut: Mit dem Fahrzeugalter sinkt die Mängelzahl. Oldtimerbesitzer achten offenbar auf einen technisch guten Zustand ihres rollenden Kulturguts.“

Das wird auch durch einen Vergleich mit ähnlich alten Fahrzeugen ohne H-Kennzeichen deutlich: Von diesen Altautos hatten 26,1 Prozent erhebliche Mängel – bei anerkannten Oldtimern waren es hingegen nur 17,8 Prozent. Am besten standen die Vorkriegsklassiker da: Autos der Baujahre 1920 bis 1940 kamen zu 78 Prozent mängelfrei durch die Hauptuntersuchung, nur 5,2 Prozent fielen durch. Allerdings dürften die meisten dieser Schätzchen auch nur sehr selten im Straßenverkehr bewegt werden. Insgesamt sind in Deutschland rund 800.000 Autos älter als 30 Jahre. Rund 500.000 davon besitzen ein H-Kennzeichen.

Youngtimer rechtzeitig retten

Ein weiterer interessanter Fakt aus dem GTÜ-Zahlenwerk ist, dass die Mängelhäufigkeit bis zu einem Fahrzeugalter von 23 Jahren zunächst ansteigt. Bis dahin gelten die meisten Autos offensichtlich als reiner Gebrauchsgegenstand, in den möglichst wenig investiert wird. Erst mit weiter steigendem Alter erwacht das Interesse der Fans an diesen Fahrzeugen.

Nur: Dann sind die nötigen Investitionen meist viel höher, als wenn man den Wagen kontinuierlich in Schuss gehalten hätte. Kfz-Betriebe sollten Kunden mit Youngtimern darauf hinweisen, dass ein H-Kennzeichen nur bei einem guten Allgemeinzustand erteilt wird.

Autos, die heute an der Schwelle zum Oldtimerstatus stehen, eignen sich zudem sehr gut als Einstieg in das Hobby. Denn es handelt sich zumeist um technisch ausgereifte Fahrzeuge mit einfacher Elektronik sowie guter Ersatzteil- und Gebrauchtteilversorgung. Zu den Modellen, die ab 2020 H-Kennzeichen-fähig werden, gehören so interessante Autos wie der BMW 3er (E36), der Volvo 940/960, der Renault Clio und der Volkswagen T4.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

, Redaktion AUTOMOBIL INDUSTRIE