»kfz-betrieb« Auto-Check Fiat 500 3 Retro-Elektro, prego!

Autor: Jan Rosenow

Mit dem Elektroantrieb hat Fiat seine beliebte Knutschkugel zukunftsfähig gemacht. Bei konzeptgerechter Fahrweise überzeugt auch die Reichweite. Im falschen Fahrmodus wird der Zwerg aber zum Hoppelhäschen.

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In „Schweinchenrosa“ Metallic fällt der Fiat 500 e auf, gefällt aber nicht jedem (und auch nicht jeder).
In „Schweinchenrosa“ Metallic fällt der Fiat 500 e auf, gefällt aber nicht jedem (und auch nicht jeder).
(Bild: Rosenow/»kfz-betrieb«)

Bei der Parkplatzsuche in der Innenstadt sollte ein Kleinstwagen wie der Fiat 500 e eigentlich in seinem Element sein: Ist er doch gerade einmal 3,63 Meter lang, hat Ultraschallsensoren ringsum und sogar eine Heckkamera. Doch wenn es sehr eng zugeht und noch dazu hohe Bordsteinkanten zu überwinden sind, dann braucht es auch einen sanft auf die Gaspedalbewegung ansprechenden Motor, um den Wagen zentimetergenau rangieren zu können.

Elektroautos bieten hierfür eigentlich ideale Voraussetzungen, denn kein Verbrennungsmotor samt Getriebe lässt sich so genau dosieren wie eine E-Maschine. Umso überraschter waren wir, als wir den Fiat 500 e erstmals in der Würzburger Innenstadt einparkten. Im Ein-Pedal-Modus bremst der E-Motor den Wagen kraftvoll bis zum Stillstand und hält ihn auch fest. Das Losfahren braucht dann etwas mehr „Gas“, als erwartet. Beim Einparken in eine Mini-Lücke war es erstaunlich schwierig, den Italiener vorsichtig die Bordsteinkante hinauf zu dirigieren, ohne gleich dem Hintermann auf den Stoßfänger zu krachen.

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Stopp. Kann man das wirklich dem Auto vorwerfen, oder sitzt das Problem nicht wie so häufig hinterm Lenkrad? Das Studium der Betriebsanleitung sollte heutzutage der ersten Fahrt immer vorausgehen. Der Fiat 500 e besitzt drei Fahrmodi, die sich mit einem Kippschalter in der Konsole zwischen den Vordersitzen anwählen lassen. Im Modus „Normal“ fährt das E-Mobil auch wie ein normales Auto, inklusive supersanften Ansprechens auf Fahrpedalbewegungen. Doch voreingestellt war der Modus „Range“, der mit dem erwähnten, etwas ruppig agierenden Ein-Pedal-Modus verknüpft ist. Als dritte Variante gibt es noch den „Sherpa“-Modus, der besonders energiesparend ausgelegt ist und beispielsweise die Höchstgeschwindigkeit radikal auf 80 km/h beschränkt.

Im Alltag funktioniert der Normal-Modus vor allem für Umsteiger von Verbrennerautos zweifellos am besten, und beim Verbrauch konnten wir keine Unterschiede zum Range-Modus feststellen. In der Stadt und bei Landstraßentempo zeigte sich der Fiat mit einem Verbrauch von unter zwölf Kilowattstunden (laut Bordcomputer) angemessen sparsam. Auch die mit hoher Leistung laufende Klimaanlage trieb den Energieverbrauch nicht spürbar in die Höhe.

Der schwere Kleine wirkt sehr solide

Doch solche Einzelwerte haben bei Elektroautos wenig Aussagekraft, denn deren Stromhunger hängt viel stärker von den Fahrbedingungen ab als bei Verbrennern. Während bei den oben beschriebenen Idealbedingungen die im WLTP ermittelte Reichweite von über 300 Kilometern realistisch ist, schafften es die Testfahrer eines E-Auto-Portals, die 42 Kilowattstunden fassende Batterie (nutzbar: 37 kWh) nach 130 Kilometern in die Knie zu zwingen – bei Tempomat 130 und Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Doch zurück zu unseren Testfahrten bei schönstem Sommerwetter. E-Auto-typisch ist der Kleinstwagen ein schwerer Brocken. Doch die rund 1,4 Tonnen Leermasse haben nicht nur Nachteile.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

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Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group