Studie Rohstoff- und Chipmangel bremsen die Autoindustrie

Autor / Redakteur: dpa / Nick Luhmann

Die Unternehmensberatung Alix Partners sieht länger anhaltende Probleme für die Autobranche. Neben der Verdopplung der Rohstoffkosten bremsen fehlende Elektronikchips und Programmierer die Erholung der Autoindustrie noch über Jahre.

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(Bild: Daimler)

Weltweit werden dieses Jahr voraussichtlich etwa 83 Millionen Autos verkauft. Die 2018 erreichte Rekordmarke von 94 Millionen Autos wird wohl laut den Branchenexperten erst wieder 2025 erreicht. Die Gewinnmargen dürften allerdings schon dieses Jahr wieder Vorkrisenniveau erreichen, sagte Branchenexperte Jens Haas am Freitag. Grund seien Sparprogramme, hohe Staatshilfen, „die Vermeidung von Rabattschlachten und die schnelle Erholung des chinesischen Marktes“.

Aber die Rohstoffkosten pro Fahrzeug seien im Vergleich zum Vorjahr um 92 Prozent auf ein Rekordhoch von 3.600 Dollar gestiegen. Für nächstes Jahr werde nur eine leichte Entspannung erwartet. „Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist aber noch nicht in Sicht“, denn es mangle an fast allen wichtigen Rohstoffen, erklärten die Studienautoren.

Die Chip-Knappheit werde in Europa zu einem Produktionsausfall von bis zu vier Millionen Fahrzeugen führen. „Aktuell werden Bestellungen von Ende 2020 erst im September diesen Jahres bedient.“ Dies führe vermehrt zu Produktionsstopps in Autofabriken weltweit. Mit einer Entspannung der Situation sei erst 2022 zu rechnen. Für die Studie hatten sie die Bilanzen von mehr als 300 Autoherstellern und Zulieferern ausgewertet.

Der Anteil an Elektrofahrzeugen werde bis 2030 weltweit auf 23 Prozent wachsen, in Europa sogar auf 32 Prozent. Allerdings seien E-Autos heute noch bis zu 11.000 Dollar teurer als vergleichbare Verbrenner, der Abstand werde nur langsam kleiner. Ohne staatliche Subventionen könnten die Absatzziele nicht erreicht werden, sagte Haas.

Batteriethema entspannt sich

Ein wichtiger Grund für die höheren Kosten der E-Autos sei die Batterieproduktion. Vorreiter China werde seine Produktionskapazität bis 2025 auf 750 GWh ausbauen. Europa hole jedoch auf und werde seine Kapazität auf 369 GWh erhöhen. „Fast die Hälfte der europäischen Produktion ist in Deutschland angesiedelt.“ Der weltweite Ausbau werde die Kosten senken.

Ein Problem für die traditionellen Zulieferer der Autobauer ist, dass die Autokonzerne weniger Bauteile brauchen und zudem immer mehr Anteile in die eigene Hand nehmen. Bei E-Antrieben würden 2025 weltweit 50 Prozent der Wertschöpfung von den Herstellern selbst oder in Joint Ventures produziert werden.

Programmierer dringend gesucht

In naher Zukunft würden die Autobauer auch bei der Softwareentwicklung enger zusammenarbeiten. „Hersteller kämpfen derzeit damit, rechtzeitig bis zur Einführung autonomer Systeme nicht nur bei Komponenten, sondern auch bei der Entwicklung von Software genug Erfahrung zu sammeln", erklärten die Branchenexperten.

„Der War for Talents für das Fahrzeug der Zukunft wird sich weiter verschärfen, da nicht mehr nur die großen Tech-Unternehmen wie Google oder Facebook auf Softwareentwickler angewiesen sind, sondern Autobauer mehr und mehr Ingenieure dieses Fachbereichs benötigen."

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