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Rolls-Royce Ghost: Gespenstisch still trotz 12 Zylindern

| Autor / Redakteur: sp-x / Andreas Wehner

Der Ghost gilt als Einstiegsmodell in die noble Welt von Rolls-Royce. Er ist das meistverkaufte Modell der britischen BMW-Tochter. Jetzt startet die die zweite Generation der Limousine.

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Der Ghost ist das sogenannte Einstiegsmodell in den Auto-Olymp, denn als einziger Rolls ist er für unter 300.000 Euro zu haben.
Der Ghost ist das sogenannte Einstiegsmodell in den Auto-Olymp, denn als einziger Rolls ist er für unter 300.000 Euro zu haben.
(Bild: Rolls-Royce)

Eine Gleichung, die eigentlich nicht aufgehen kann: „Weniger und gleichzeitig mehr“ forderte Rolls-Royce-Chef Torsten Müller-Ötvös von seinen Ingenieuren und Designern bei der Neuauflage des Ghost. Denn Nachfragen bei Kunden des meistverkauften Modells der englischen Traditionsmarke ergaben: Ein neuer Ghost sollte klarer und sachlicher aussehen und durch den Verzicht auf einige Schalter und Hebel einfacher zu bedienen sein. Andererseits wünschten sich die wohlhabenden Klienten mehr hochmoderne Technik und vor allem noch mehr Qualität.

Der Ghost („Geist“) ist eben nicht irgendein neuer Rolls-Royce, sondern der Nachfolger des mit 18.000 gebauten Fahrzeugen in zehn Jahren erfolgreichsten Modells aller Zeiten, das die legendäre Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ je vor sich hertragen durfte. Der Ghost ist das sogenannte Einstiegsmodell in den Auto-Olymp, denn als einziger Rolls ist er für unter 300.000 Euro zu haben. Zum Vergleich: Der Rolls-Rocye-Klassiker Phantom kostet ab 450.000 Euro.

Rolls-Royce Ghost: Lautloser Gleiter
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Neue Schlichtheit schon von außen: Eine sanft gen Heck abfallenden Dachlinie, glatte Flächen an den Seiten unterbrochen durch eine akkurat gemalte Horizontal-Linie. Die einzige zarte Karosserie-Falz ist knapp über dem Schweller zu entdecken. Fast nüchtern präsentiert sich auch die neue Motorhaube, die sich in Richtung des berühmten Kühlergrills optisch verjüngt. Knapp über dem Asphalt dann noch ein länglicher Lufteinlass, der den recht schmalen Stoßfänger umklammert. Alles wirkt modern und doch gediegen, unterscheidet sich deutlich vom zwar kraftvollen, aber eben recht klobigen Gesicht des Vorgängers.

Der Längenzuwachs um acht Zentimeter auf jetzt 5,55 Meter sorgt zudem für ein gestreckteres Äußeres. Dimensionen, bei denen ein paar Zentimeter mehr schließlich keine Rolle mehr spielen. Die neue Größe kommt der nochmals gestiegenen Beinfreiheit in der zweiten Reihe zugute. Denn schließlich ist der Ghost eine Luxuslimousine, deren betuchte Passagiere First-Class-Ambiente erwarten.

Geisterhafte Stille

Die erste „Geisterfahrt“ beginnt mit einer Überraschung. Hat der Rolls-Royce etwa einen Elektromotor? Keineswegs, unter der Haube flüstern im Leerlauf zwölf Zylinder, verteilt auf 6,75 Liter Hubraum. Sie lauern darauf, mit Hilfe von zwei Turboladern ihre gewaltige Durchzugskraft von 850 Newtonmetern auf alle vier Räder gerecht zu verteilen.

Der Hör-Irrtum ist neben der Laufkultur des Benziners dem auf die Spitze getriebenen Einsatz von Dämmmaterial geschuldet, das allein gut 100 Kilogramm auf die Waage bringt. Ob als Folie zwischen der doppelten Verglasung, hinter dem Motor- oder vor dem Kofferraum oder sogar in den Reifen. Kein Teil des 2,5-Tonners blieb vom Lauschangriff der Akustiker verschont. Und in der Tat herrscht bei nicht aktiver Audioanlage (18 Lautsprecher, 1.300 Watt) eine Stille, die dem Modellnamen Ghost gerecht wird – fast gespenstisch also.

Sterne überall

Dazu passt die herzerwärmende Anmutung des Rolls-typischen Sternenhimmels in der Dachverkleidung mit seinen 1.340 winzigen LED-Lämpchen. Funkelndes auch vor dem Beifahrer neben dem Zentralmonitor. Hier ist ein beleuchteter Ghost-Schriftzug zu sehen, der von 850 Sternen umgeben ist, die ihrerseits von 152 LED mit Licht versorgt werden. So ein an sich unwesentliches Detail ist typisch für die Philosophie von Rolls-Royce, den Kunden etwas anzubieten, was sie in keinem anderen Auto finden.

Ein kurzer Druck auf den Stockhebel rechts vom Lenkrad, ein sanftes Zucken der rechten Zehen öffnet die so fremde Welt der Superreichen, die es sich leisten können mit 420 kW/571 PS unterwegs zu sein. Der Ghost ist ein Gigant, dessen Besitzer zu 80 Prozent selbst hinterm Steuer sitzen und auf die Dienste eines livrierten Chauffeurs gerne verzichten. Das Fahrerlebnis aus überbordender Kraft gepaart mit reinstem Luxus-Ambiente ist eines der Erfolgsgeheimnisse dieses Rolls-Royce, hat viele neue Käufer angelockt, die zuvor noch nie ein Auto der Marke besessen haben.

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