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Rückkehr von Wiesmann rückt näher

Autor: Christoph Seyerlein

Die britischen Brüder Roheen und Sahir Berry wollen die Sportwagen-Schmiede Wiesmann wieder aufleben lassen. Ein Gläubiger muss von den Plänen noch überzeugt werden.

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Die Wiesmann-Produktion in Dülmen war 2014 stillgelegt worden.
Die Wiesmann-Produktion in Dülmen war 2014 stillgelegt worden.
(Foto: Wiesmann)

Die Wiederauferstehung der Marke Wiesmann ist fast beschlossene Sache: Die Gläubigerversammlung der insolventen Manufaktur stimmte am Mittwoch mehrheitlich dem Verkauf der Produktionsanlagen, der Werksimmobilie und der Schutzrechte an die britischen Unternehmer Roheen und Sahir Berry zu. Weil ein Gläubiger dagegen Widerspruch einlegte, steht der endgültige Vollzug noch aus. Der Fall soll in den nächsten Tagen vor Gericht entschieden werden. Bereits im November hatte es bereits einige Meldungen über eine mögliche Rückkehr der Roadster-Schmiede gegeben.

Wenn der Gerichtsstreit positiv ausgeht, wollen die neuen Eigentümer die Sportwagen-Produktion in Dülmen bereits im nächsten Jahr wieder hochfahren. Das britische Brüderpaar strebt für Wiesmann eine intensivere internationale Vermarktung an als in der Vergangenheit. Beispielsweise sollen künftig auch Rechtslenker zum Portfolio gehören und die Marke so für Märkte wie Großbritannien, Teile Asiens und Afrikas, Australien und Neuseeland interessant machen.

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Neue Geschäftsführerin in Dülmen soll Anita Tatalovic werden, die im Herbst gemeinsam mit den Berry-Brüdern die neue Wiesmann Automotive GmbH gegründet hatte. Die beiden ursprünglichen Unternehmensgründer Martin und Friedhelm Wiesmann sollen sie als Berater unterstützen. Sobald Rechtssicherheit herrscht, wollen die Investoren weitere Schlüsselpositionen besetzen.

Neben der Kaufsumme, über die nichts bekannt ist, planen Roheen und Sahir Berry nach eigenen Aussagen, einen achtstelligen Betrag in Entwicklung und Produktion zu investieren. Mittelfristig liegt das Absatzziel laut Unternehmensmitteilung bei 250 bis 300 Autos pro Jahr. Dabei setzt Wiesmann wie bereits vor der Pleite vorzugsweise auf Antriebstechnik von BMW. Eine Weiterentwicklung sei aber zumindest für den europäischen Markt unumgänglich, da die bisherigen Motoren noch auf Euro-4-Basis verbaut worden waren.

Wiesmann war ab dem Jahr 2012 immer mehr in Schieflage geraten, unter anderem soll der Neubau einer Manufaktur erheblich zur Schieflage beigetragen haben. Friedhelm und Martin Wiesmann hatten sich in der Folge aus dem Unternehmen zurückgezogen. Aber auch Hauptinvestor Stefan Breuer hatte den Niedergang nicht aufhalten können. Mitte August 2013 musste der Betrieb Insolvenz anmelden. Im Mai 2014 war endgültig Schluss.

Bis zur Pleite gehörten die Roadster und Sportcoupés des exklusiven Kleinserienherstellers zu den weltweit schnellsten Fahrzeugen ihrer Art. Motoren wie der 4,4-Liter-V8-Twinturbo pumpten bis zu 555 PS in die Leichtgewichte im Sportwagendesign der Sechzigerjahre.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«