Rückrufe: Zwischen Desaster und Chance

Handel und Hersteller müssen eng zusammenarbeiten, um Imageschäden durch Rückrufe zu verhindern

15.08.2010 | Autor: Joachim von Maltzan

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu Ihrem Briefkasten und finden dort einen Brief Ihres Kfz-Herstellers vor. Dieser informiert Sie darüber, dass Ihr Auto von einer Rückrufaktion betroffen ist. Aber vermutlich finden Sie diese Vorstellung gar nicht so schlimm, weil Sie sie selbst schon erlebt haben.

Rückrufe sind nichts Außergewöhnliches mehr. Allein im vergangenen Jahr haben weltweit verschiedene Hersteller rund sieben Millionen Fahrzeuge aus den unterschiedlichsten Gründen in die Werkstätten geholt. Opel war 2009 am Fahrzeugvolumen gemessen „Rückruf-Meister“. Dennoch sieht Thomas Bieling, Sprecher des Verbands Deutscher Opel- und Chevrolet-Händler (VDOH), das Thema gelassen: „Das Rückruf-Thema ist kein großer Aufreger. Für 2009 muss man sogar sagen, dass es für Werkstattauslastung gesorgt hat.“ Die entsprechenden Zeiteinheiten würden vom Hersteller „ordentlich vergütet“. Auch bei der Teileverfügbarkeit habe es im vergangenen Jahr keinerlei Engpässe gegeben. Selbst im Hinblick auf das Image sieht Bieling keine größeren Probleme: „Die Kunden haben fast alle verständig reagiert“, so der Händlersprecher.

Von solchen Rückrufen nimmt die Öffentlichkeit im Regelfall kaum oder nur wenig Notiz. Anders sieht das jedoch bei großen Rückrufen aus, wie derzeit bei Toyota. Für den japanischen Hersteller entwickelt sich das zu einem Disaster. Weltweit musste das Unternehmen Anfang des Jahres rund acht Millionen Autos wegen des klemmenden Gaspedals zurückrufen, die meisten davon in den USA. Amerikanische Medien berichten bereits über 34 Todesopfer als Folge der defekten Pedale. Toyota muss sich nun auf einer Anhörung vor den Behörden in Washington verantworten, die wissen wollen, seit wann der Konzern über die Probleme mit den Gaspedalen informiert war.

Toyota wird Jahre brauchen, um sich vom Imageverlust und den Kosten dieser Rückrufaktion zu erholen. Der Geislinger Automobilprofessor Willi Diez geht von einem Schaden von zwei bis drei Milliarden Euro für den Konzern aus.

Aber nicht nur Toyota ist davon betroffen. Auch Peugeot und Citroën müssen – wenn auch in geringerem Umfang – Fahrzeuge wegen des gleichen Fehlers zurückrufen.

Schnelle Information notwendig

Rückrufe sind freiwillige Aktionen der Automobilindustrie. Das Produkthaftungsgesetz, das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz und die Regelungen zur Mangelhaftung im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) liefern die rechtliche Grundlage dafür. Da der Hersteller im Falle von Schäden haftet, hat er in den meisten Fällen ein eigenes Interesse daran, die betroffenen Kunden möglichst frühzeitig zu warnen, damit es gar nicht erst zu Schäden kommt. Da die Gesetzeslage in den einzelnen Länder stark voneinander abweicht, fällt auch der Umfang solcher Aktionen weltweit sehr unterschiedlich aus. So haben die USA mit die schärfsten Gesetze zur Produkthaftung. Entsprechend umfangreich sind dort die Rückrufe.

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