Russischer Automarkt erstmals seit Jahren wieder gewachsen

Volumen seit 2012 mehr als halbiert

| Autor: dpa

Der russische Automarkt ist weiterhin in keiner guten Verfassung.
Der russische Automarkt ist weiterhin in keiner guten Verfassung. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Erstmals nach Jahren der Krise ist der russische Automarkt 2017 wieder gewachsen. Mit 1,59 Millionen verkauften Fahrzeugen lag der Absatz fast 12 Prozent höher als 2016. „Der Weg zu einer vollständigen Erholung des Marktes ist noch lang, aber der erste Schritt ist getan“, sagte Jörg Schreiber, Autoexperte der Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB), am Freitag in Moskau.

Russland liegt im europäischen Vergleich beim Autoabsatz auf dem fünften Platz hinter Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien. Es gebe noch viel Spielraum für die weitere Entwicklung, so Schreiber.

2016 war der russische Automarkt noch mit einem Verlust von elf Prozent im Vergleich zu 2015 abgesackt. Insgesamt hatte er sich seit seinem Höchststand 2012 mit 2,9 Millionen verkauften Neuwagen mehr als halbiert. Doch schon im ersten Halbjahr 2017 hatte sich eine Erholung abgezeichnet.

Ein Grund für den jahrelangen Absturz war der schwache Rubelkurs zum Dollar. Dieser wurde dadurch befördert, dass die Ölpreise zeitweise unter 50 US-Dollar je Barrel gesunken waren. Zudem hatten die Russen wegen der Rezession immer weniger Geld im Portemonnaie.

Nun sei die Rezession in Russland weitgehend überwunden, sagte Schreiber. „Das Schlimmste ist auf jeden Fall vorbei, alle Indikatoren sprechen dafür. Wir können aber noch nicht von stürmischem Wachstum sprechen.“ Das künftige Wirtschaftswachstum werde wohl kein Rekordniveau erreichen. „Aber viel spricht dafür, dass es positiv sein wird, auf mittlerem Niveau.“ Zuletzt hatten sich die für Russland wichtigen Ölpreise stabilisiert. Die Regierung erwartete für 2017 ein moderates Wirtschaftswachstum und eine zunehmende Kaufkraft der Bürger.

Marktführer bleibt weiterhin die russische Traditionsmarke Lada mit einem Anteil von rund 20 Prozent. Doch auch internationale Autobauer hielten während der Krise demonstrativ an Russland als Hoffnungs- und Wachstumsmarkt fest. Der deutsche Premium-Hersteller Daimler etwa begann vergangenen Sommer mit dem Bau eines eigenen Werks bei Moskau, das 2019 den Betrieb aufnehmen soll. Auch der Münchner Autobauer BMW erwägt Berichten zufolge eine Ausweitung seines Engagements in Russland mit einer eigenen Produktion.

Lada Vesta: Russische Marke in westlichem Design

Trotz der positiven Marktentwicklung tun sich Branchenkenner schwer mit einer Prognose für 2018. Die AEB könne erstmals keine Vorhersage machen, sagte Schreiber. Grund seien Pläne der Regierung, Abgaben zu erhöhen, die noch nicht abgeschlossen seien. „Das könnte auf einzelne Marken einen sehr starken Einfluss haben“, sagte er. „Wir werden unsere Prognose veröffentlichen, wenn die Pläne der Regierung klarer sind.“

Die Erwartungen anderer Experten variieren zwischen 5 und 15 Prozent Wachstum. Der Erfolg hängt auch dabei vom Staat ab. 2017 hatte die Regierung die Branche mit umgerechnet rund einer Milliarde Euro gestützt in Form von Vergünstigungen beim Autokauf. Für dieses Jahr könnte die Regierung der Zeitung „RBK“ zufolge die Hilfe kürzen.

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