Saab: Gute Chancen für geordnete Abwicklung

Administrative Prozesse mit Saab Deutschland funktionieren noch

21.12.2009 | Redakteur: Jens Rehberg

Für den schwedischen Automobilhersteller Saab besteht derzeit keine akute Insolvenzgefahr. Dies sagte Saab-Deutschland-Chef Hans-Jörg Hänggi am Montag im Gespräch mit »kfz-betrieb ONLINE«. Durch den Verkauf der überholten Saab-Technik an den chinesischen Autokonzern BAIC sei genug Liquidität vorhanden, um die Marke notfalls geordnet abzuwickeln, so der Manager. Zudem habe Saabs Noch-Eigentümer General Motors bekräftigt, dass alle rechtlichen Verpflichtungen gegenüber Vertragspartnern eingehalten würden.

Konkrete Informationen zur Art und Weise einer möglichen Abwicklung wird es laut Hänggi frühestens in der kommenden Woche, wahrscheinlicher aber erst Anfang Januar geben. Kundenfahrzeuge, die nach wie vor auch noch bestellt würden, würden in Schweden bis auf Weiteres produziert. Die Fertigung würde keineswegs in Kürze komplett heruntergefahren.

Um die Zusicherung einer geordneten Abwicklung im Fall der Fälle ist auch der Saab-Händlerverband bemüht. Es gebe zwar wegen der bereits begonnenen Weihnachtspause zurzeit keinen direkten Kontakt nach Rüsselsheim, sagte Verbandsgeschäftsführerin Bettina Issinghoff auf Anfrage der Redaktion, jedoch funktionierten die administrativen Prozesse zwischen Importeur und Netzpartnern im Tagesgeschäft momentan noch gut. Auch Zuschüsse und Boni würden bezahlt.

GM soll endlich Tatsachen schaffen

„Im Falle einer Abwicklung müssen Garantie- und Gewährleistungsansprüche gewahrt werden“, so Issinghoff. Die Service-Verträge sollten idealerweise regulär weiterlaufen. Wichtig sei jetzt aber, dass GM endlich Klarheit schaffe.

Der Vorsitzende des Saab-Händlerverbands, Frank Jaenicke, ist trotz der irritierenden Nachrichtenlage zuversichtlich: „Ich denke, dass es weitergehen wird“, sagte er zu »kfz-betrieb ONLINE«. In Schweden stehe eine hochmoderne Fertigungslinie für ein verkaufsbereites neues Auto (Red.: Saab 9-5), das werde GM nicht einfach wegwerfen. Die Saab-Händler müssten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass die schwedische Marke künftig nur noch eine Nische bedienen werde.

Saab-Händler haben sich neu aufgestellt

Selbst im Falle einer Abwicklung sieht Jaenicke keine Pleitewelle über die aktuell 86 deutschen Saab-Händler hinwegrollen. „Die, die noch dabei sind, haben ihre Strategie den Marktgegebenheiten bereits angepasst“, so der Händler aus Halle. Die verbliebenen Vertriebspartner hätten sich in den letzten Monaten zusätzliche Marken ins Haus geholt oder sich zum Teil auch Freien Werkstattkonzeptanbietern angeschlossen.

Im Moment erlebe er sogar eine schwache Belebung der Saab-Nachfrage, sagte Jaenicke weiter. Einige Kunden hätten sich zum Teil nach jahrelanger Abstinenz wieder gemeldet, um sich noch eines der letzten Modelle der „Liebhabermarke“ zu sichern. Zudem hätten sich die Gebrauchtwagen-Restwerte stabilisiert. „Die Saab-Problematik wurde da über das Jahr hinweg schon eingepreist.“

Nach Berechnungen des KBA hat Saab in Deutschland 2009 bislang lediglich knapp 1.200 Fahrzeuge verkauft – im Jahr zuvor waren es noch mehr als doppelt soviele. Weltweit wird der schwedische Hersteller in diesem Jahr weniger als 50.000 Autos absetzen.

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