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Schaeffler: Maue Jahresbilanz mit Lichtblicken

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Der mittelfränkische Zulieferer leidet unter der schwächelnden Autokonjunktur. Im laufenden Jahr erwartet Schaeffler keine spürbare Verbesserung – und kommt mit seinen aktuellen Zahlen dennoch gut an der Börse an.

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Die Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach.
Die Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach.
(Bild: Schaeffler)

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler blickt angesichts der mauen Autokonjunktur und der Coronavirus-Krise vorsichtig auf das Geschäftsjahr 2020. So erwartet der Vorstand um Konzernchef Klaus Rosenfeld beim Umsatz einen währungsbereinigten Rückgang von bis zu zwei Prozent. Bestenfalls dürften die Erlöse das Vorjahresniveau erreichen, teilte das Unternehmen bei der Vorlage der Jahresbilanz am Dienstag in Herzogenaurach mit. 2019 stagnierte der Umsatz währungsbereinigt bei 14,4 Milliarden Euro.

Von den Erlösen sollen im neuen Jahr 6,5 bis 7,5 Prozent als bereinigter Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) übrig bleiben. Das wäre deutlich weniger als im Vorjahr. Da war die Marge bereits um 1,6 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent zurückgegangen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte 2019 um 16 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro ab. Der Spezialist für Kupplungen, Getriebe und Wälzlager bekam die Schwäche der Automärkte deutlich zu spüren und musste seine Jahresprognose im Sommer kappen. Unter dem Strich brach der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um mehr als die Hälfte auf 428 Millionen Euro ein. Dabei belasteten Sondereffekte von 258 Millionen Euro im Zuge des laufenden Umbaus.

Am Kapitalmarkt kamen die Nachrichten dennoch sehr gut an. Wohl auch deshalb, weil der freie Barmittelzufluss (Free Cashflow) deutlich zulegte und Rosenfeld mit wachsender Zuversicht auf den zuletzt arg gebeutelten chinesischen Automarkt blickt, der eine beispiellose Flaute erlebt. Der Schaeffler-Chef erwartet eine Aufholbewegung und geht von einer Erholung in Richtung zweites Halbjahr aus, sofern das neuartige Coronavirus ein temporäres Phänomen bleibt. Die Schaeffler-Vorzugsaktie legte am Mittag um gut zehn Prozent zu und war Spitzenreiter im SDax. Seit Jahresbeginn haben die Titel aber über ein Fünftel an Wert verloren.

Positives gab es beim freien Barmittelzufluss vor Ein- und Auszahlungen für Fusions- und Übernahmeaktivitäten zu berichten. Dieser verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 89 auf 473 Millionen Euro. Die Kennzahl ist vor allem für Analysten und Investoren eine wichtige Kennziffer, da er Aufschluss über die Finanzkraft eines Unternehmens gibt.

Sorgen wegen Coronavirus

Trotzdem hat Schaeffler ein schwieriges Jahr hinter sich. „Das Marktumfeld war alles andere als einfach“, befand Rosenfeld. Während die Erlöse im Autozuliefergeschäft leicht rückläufig waren, konnte Schaeffler in der Industriesparte zulegen. In den Regionen China und Amerika steigerten die Franken den Umsatz, in Europa und der Asien-Pazifik-Region war er währungsbereinigt dagegen rückläufig.

Mit Blick auf das neuartige Coronavirus in Europa sprach Rosenfeld von einer „besorgniserregenden Situation“. Corona stelle ein Risiko dar, das man so bisher nicht kannte und auf das man sich einstellen müsse. Dennoch gebe es keinen Grund, in Panik zu verfallen. Schaeffler habe sein Krisenmanagement im Griff und sehe aktuell keinen Anlass, ein Werk zu schließen, sagte Rosenfeld. Ungeachtet dessen beobachte man die Situation genau. In China, wo das Virus seinen Anfang nahm, arbeiteten mittlerweile 95 Prozent der Mitarbeiter wieder. Alle Werke seien in Betrieb, die Kapazitätsauslastung liege bei 80 Prozent, Lieferketten seien nicht beeinträchtigt, betonte der Manager.

Im Zuge der eingeleiteten Sparrunde und des laufenden Umbaus beschäftigte Schaeffler Ende 2019 rund 5.000 Mitarbeiter weniger als zu Beginn des Vorjahres und verfügte über rund 87.700 Beschäftigte. Der Stellenabbau erfolge in kleinen Schritten, betonte Rosenfeld. Ein Gesundschrumpfen sei nicht das Ziel.

Starker Schwenk hin zu Elektro

Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS hob den freien Barmittelzufluss hervor, der positiv überrascht habe. Zudem hätten Umsatz und operatives Ergebnis die Erwartungen jeweils um fünf Prozent übertroffen. Allerdings dürfte der eingetrübte Ausblick auf 2020 wohl zu sinkenden Analystenprognosen führen, erwartet er. Tim Schuldt vom Analysehaus Pareto Securities verwies derweil darauf, dass der schwächere Ausblick am Markt wohl bereits einkalkuliert worden sei.

Aus Sicht von Jose Asumendi von der US-Bank JP Morgan rückt nun der Kapitalmarkttag in zwei Wochen in den Fokus. Dann will Schaeffler seine Strategie und Mittelfristziele bekanntgeben. Rosenfeld sieht das Unternehmen auf einem guten Weg. Zumal Schaeffler in der E-Mobilität nicht nur angekommen sei, sondern immer erfolgreicher werde. Die Franken sind noch vergleichsweise stark vom Verbrennungsmotor abhängig, der Schwenk hin zur Elektromobilität ist daher recht groß. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 45 Cent je Vorzugsaktie erhalten und damit 10 Cent weniger als ein Jahr zuvor.

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