»kfz-betrieb«-Autocheck Hyundai Tucson Schickes Überraschungspaket

Autor: Wolfgang Michel

Wer mit dem aktuellen Tucson auf Testfahrt geht, erlebt abwechslungsreiche Tage. Denn das C-SUV tritt nicht nur äußerlich extravakant auf. In der Ausstattungsvariante Prime überrascht er auch im Fahrgastraum. Und das gilt ebenso für Antrieb und Fahrwerk.

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Beim neuen Hyundai Tucson entschied sich der koreanische Autobauer gegen ein Facelift. Das für die Marke wichtige Mittelklasse-SUV wurde komplett erneuert.
Beim neuen Hyundai Tucson entschied sich der koreanische Autobauer gegen ein Facelift. Das für die Marke wichtige Mittelklasse-SUV wurde komplett erneuert.
(Bild: Michel/»kfz-betrieb«)

Rund eineinhalb Jahre sind vergangen, seitdem der Autor einen Hyundai Tucson gefahren hat. Mittlerweile sind die Erinnerungen an das damalige Auto verblasst. Wahrscheinlich ist das auch gut so. Denn außer, dass der aktuelle Testwagen zufällig wieder die Modellvariante mit 1.6-CRDi-48-Volt-Mildhybrid-System (100 kW/136 PS) war, lässt er sich nicht mit dem Vorgängermodell vergleichen.

Maximal dieser Vergleich sei erlaubt: 2020 hatte der Tucson ein Sechsgang-Schaltgetriebe sowie das Ausstattungspaket Style an Bord, jedoch keinen Allradantrieb. 2021 war der Testwagen nicht nur mit einem Allradantrieb und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. Er verfügte zudem über das derzeit hochwertigste Ausstattungspaket namens Prime.

So ausgestattet tritt der neue Tucson überzeugend auf. Hyundai Deutschland sollte gemeinsam mit seinen Handelspartnern weiter alles daransetzen, möglichst viele SUV-Interessenten für eine Probefahrt zu gewinnen. Bisher scheint das 2021 gut zu gelingen: Nach sieben Monaten belegt der Tucson mit 10.212 Neuzulassungen bereits Platz zwei (17,2 Prozent) innerhalb der Marke in Deutschland. Der kleinere SUV-Bruder Kona brachte es von Januar bis Juli auf 17.876 Neuzulassungen (30,1 Prozent). Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum lagen die Tucson-Verkäufe bei 8.129 Einheiten (16,5 Prozent); für den Kona verbuchte das KBA damals 12.036 Neuzulassungen (24,5 Prozent).

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An den Wettbewerb sendet Hyundai bezüglich des neuen Tucson folgende selbstbewusste Botschaft: „Optischer Auftritt und die eingesetzte Technologie lassen den Tucson wie den Vertreter einer höheren Fahrzeugklasse wirken – mit den Preisen bleibt er aber auf dem günstigen Niveau, das die Kunden kennen. Auf diese Weise wird der Tucson seine Position als einer der Bestseller der Marke festigen und sie sogar noch ausbauen.“

Leiser Diesel, Antriebsstrang mit Segelmodus

Kommen wir zurück zum Tucson 1,6 CRDi und unseren Eindrücken: Manch einem mögen 100 kW/136 PS zu wenig sein – wir fanden die Leistung völlig ausreichend. Auch wenn es uns nicht gelungen ist, den Durchschnittsverbrauch auf die vom Hersteller angegebenen knapp fünf Liter zu drücken, waren wir immer noch angemessen unterwegs: 22 Stunden Fahrzeit und knapp 1.500 Kilometer quittierte der Bordcomputer mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,5 Litern.

Die Testfahrt führten uns unter anderem nach Südtirol (siehe Bildergalerie). Während der Berg- und Talfahrten spielten Motor, Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb unaufgeregt und geräuscharm zusammen. Zwischendurch fragten sich die Passagiere, ob unter der Motorhaube tatsächlich ein Selbstzünder arbeitet.

Von dem 48-Volt-Hybridsystem bekommen die Insassen nichts mit. Kurzer Einblick in die Funktion: Der elektrische Startergenerator ist über einen Riemen mit der Kurbelwelle des Motors verbunden und unterstützt diesen mit bis zu 12 kW Leistung. Der Startergenerator arbeitet wie ein Dynamo und gewinnt Energie beim Bergabfahren, Ausrollen und Bremsen zurück, die für das nächste Beschleunigen wieder zur Verfügung steht. Dank elektronischer Kupplung aktiviert das System beim Bergabfahren oder beim Cruisen in der Ebene den kraftstoffsparenden Segelmodus. Dazu schaltet es vollautomatisch in den Leerlauf und legt den Motor still – um ihn genauso automatisch und ruckelfrei neu zu starten, wenn seine Kraft wieder benötigt wird. All das läuft unbemerkt ab.

Intelligentes Fahrwerk kompensiert schlechte Straßen

Das gilt ebenso für ECS. So nennt Hyundai seine elektronisch kontrollierte Federung (Electronic Controlled Suspension). Dank der adaptiven Dämpfungstechnik passt sich das Fahrverhalten des Tucson sowohl der Straßensituation als auch den Vorlieben der Fahrerin beziehungsweise des Fahrers an. ECS gewährleistet selbst auf sehr schlechten Straßen eine komfortable Fahrt, was wir uneingeschränkt bestätigen können. Um das Handling permanent anzupassen, überwacht das System kontinuierlich das Fahrwerk. Dabei berücksichtigt es Fahrbedingungen wie Straßenbelag, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Bremsbedingungen und Kurvenfahrt. Indem es die Dämpferkraft an jedem einzelnen Rad kontrolliert, reduziert ECS vertikale Bewegungen des Fahrzeugs. Zudem passt sich die elektrische Servolenkung der jeweiligen Fahrwerksauslegung an. Dank dieser Funktionen steigen Mann und Frau selbst nach 500 Kilometern recht entspannt aus dem Tucson aus.

Verschiedene Aha-Erlebnisse im Innenraum

Stichwort Mann und Frau: Bekanntlich sind die Geschmäcker verschieden, und man ist auch nicht immer einer Meinung. Keine Diskussion gab es beim Design des neuen Tucson. Es kam geschlechterübergreifend gut an.

Der neue Hyundai Tucson punktet aber nicht nur äußerlich. Die Passagiere finden zudem einen attraktiven Innenraum vor. Ein Blickfang ist der 10,25 Zoll große Bildschirm. Direkt darunter sind die Infotainment- und Klimafunktionen angeordnet, die sich über Touch-Sensoren gut bedienen lassen. Ausgewählte Funktionen lassen sich alternativ per Sprache ansteuern. Den Fahrzeuglenker begrüßt ein weiteres, ebenfalls 10,25 Zoll großes digitales Display.

Neben digitalem Tacho und Drehzahlmesser wartet der Tucson an dieser Stelle noch mit einem echten digitalen Schmankerl auf: Sobald man den Blinker setzt, wechselt der Tacho (links) beziehungsweise der Drehzahlmesser (rechts) in den View-Modus und ermöglicht mittels Kamerasystem den seitlichen Rückblick.

Sehen lassen können sich auch die Bedientasten der Getriebefunktionen in der Mittelkonsole. Sie sind nicht nur groß und schick, sondern auch selbsterklärend. Wer gerne Musik auf hohem Niveau hört, bekommt mit dem Krell-Soundsystem guten Klang auf die Ohren.

Hingegen möchte man folgendes Sicherheitsfeature weder sehen noch hören: Zwischen den Vordersitzen verfügt der Tucson über einen sogenannten Center-Airbag. Dieser soll bei einem Seitenaufprall verhindern, dass die Köpfe von Fahrer und Beifahrer zusammenstoßen.

Ausstattungslinie Prime: Wenn schon, denn schon

Pure, Select, Trend, N-Line oder Prime – Hyundai bietet für den Tucson fünf Ausstattungslinien an. Unser Testwagen verfügte wie bereits erwähnt über das Prime-Paket und war somit nahezu vollausgestattet: Lederausstattung, elektrische Sitzverstellung vorne, Memory-Funktion für den Fahrersitz, belüftete Sitze vorne, Sitzheizung hinten, 19-Zoll-Leichtmetallräder, elektrische Heckklappe, eine Drei-Zonen-Klimaautomatik, Sonnenrollos in den hinteren Türfenstern oder das bereits erwähnte Krell-Soundsystem zählen ebenso dazu wie ein Insassenalarm: Letzterer gibt einen Warnhinweis, sollte man das Auto abgeschlossen haben, obwohl sich noch Kinder oder Haustiere darin aufhalten.

Ferner beinhaltet die Prime-Ausstattung einen Park- sowie einen Autobahnassistenten, der die Funktionen von Spurfolgeassistent und navigationsbasierter, adaptiver Geschwindigkeitsregelanlage vereint. So ausgestattet kostete unser Testwagen rund 45.000 Euro.

Fazit: Mit dem neuen Tucson ist Hyundai ein beeindruckendes Auto gelungen. Mit einer Preisrange von knapp 27.000 bis rund 45.000 Euro bieten insgesamt elf Motorisierungs-/Antriebsvarianten (Benzin, Diesel, Hybrid, 48-Volt-Hybridsystem, Plug-in-Hybrid, Vollhybridversion, 2WD, 4WD) den Händlern eine maximale Angriffsfläche in Richtung Kunden und Interessenten. Das überzeugendste Argument ist wie immer die Probefahrt. Wir haben unsere Ausfahrten mit dem neuen Tucson sehr genossen.

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 Wolfgang Michel

Wolfgang Michel

Chefredakteur »kfz-betrieb«