Urteil Schufa-Einträge werden jetzt nach sechs Monaten gelöscht

Autor Silvia Lulei

Schufa-Einträge werden nach sechs Monaten statt bislang drei Jahren gelöscht. Das hat das OLG Schleswig entschieden. Verbraucher freuen sich, dass sie einen Restschuldbefreiungsvermerk nun schon viel früher los sind. Aber Händler sollten bei der Kreditvergabe künftig genauer hinschauen.

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Dank eines Urteils des OLG Schleswig gewinnen Verbraucher ihre Bonität trotz Schufa-Eintrag jetzt viel früher zurück.
Dank eines Urteils des OLG Schleswig gewinnen Verbraucher ihre Bonität trotz Schufa-Eintrag jetzt viel früher zurück.
(Bild: Rodnae Productions - Pexels.com)

Gemäß einem Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Schleswig vom 2. Juli 2021 (Az. 17 U 15/21) darf die Schufa künftig einen Restschuldbefreiungsvermerk nicht mehr wie bisher üblich drei Jahre lang speichern, sondern muss ihn nach Ablauf von sechs Monaten dauerhaft löschen. Das Urteil sorgt für einen Aufschrei in der Finanzwelt, sagt Johan Tillich, Schuldnerberater und Vorsitzender des Vereins für Existenzsicherung e.V. Denn es hat Auswirkungen sowohl auf die Betroffenen als auch auf den Handel.

Schon eine kleine Unachtsamkeit kann zu schwerwiegenden finanziellen Problemen führen. Wer beispielsweise ein Auto auf Raten kauft, aber plötzlich den Arbeitsplatz verliert, könnte über kurz oder lang Schwierigkeiten bekommen, den Kredit zu bedienen. Die Folgen sind weitreichend, weiß Tillich. Verbraucher mit schlechter Bonität sind mit Blick auf ihre Zahlungsfähigkeit im sogenannten Schufa-Register vermerkt.

Verbraucher sind erleichtert

Bereits ein einziger Eintrag im Schufa-Register kann weitreichende Folgen für den Verbraucher haben. Denn jedes Unternehmen überprüft die Zahlungsmodalitäten der Kunden, ehe es ein Geschäft eingeht. Das dient einerseits dem Schutz der Anbieter, weil sich diese so vor möglichen Zahlungsausfällen schützen können. Zum anderen werden auch Verbraucher davor bewahrt, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Denn wer ohnehin mit Zahlungsproblemen zu kämpfen hat, wird es aller Voraussicht nach schwer haben, eine zusätzliche finanzielle Belastung zu stemmen.

Daher ergibt ein Schufa-Vermerk durchaus Sinn. Das Problem war allerdings bisher, dass der sogenannte Restschuldbefreiungsvermerk über drei Jahre hinweg gespeichert wurde. Das machte es Verbrauchern schwer, weitere Geschäfte einzugehen und zum Beispiel einen Handyvertrag etc. abzuschließen. Weil der besagte Vermerk nun bereits nach einem halben Jahr gelöscht werden soll, können Verbraucher früher aufatmen.

Nicht immer von Vorteil

Wird die Restschuldbefreiung in Anlehnung an das aktuelle Urteil des OLG schon nach Ablauf von sechs Monaten gelöscht, haben Verbraucher die Chance, bereits nach dieser Zeit einen neuen Kredit abzuschließen oder das begehrte Handy inklusive Vertrag kaufen zu können. Das ist sicherlich mit einem Stück zusätzlicher Freiheit verbunden. Aber laut Johann Tillich lädt es auch dazu ein, erneut in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Wer wie bisher mindestens drei Jahre lang warten musste, bis ein neuer Kaufvertrag eingegangen werden konnte, ist nach Ansicht des Finanzexperten eher in der Lage, vorsichtig und bedacht zu handeln. Dadurch kann das Risiko, unüberlegt eine neue Kaufentscheidung zu treffen, minimiert werden.

Händler schauen genauer hin

Johann Tillich befürchtet, dass auch Händler genauer hinschauen werden, wenn es darum geht, Verträge mit Kunden einzugehen. Selbst wenn der Restschuldbefreiungsvermerk aus dem Schufa-Register entfernt wurde, kann die Kontaktaufnahme mit entsprechenden Prüfinstituten wie Creditreform helfen, mehr über die aktuelle Finanzsituation potenzieller Kunden zu erfahren.

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