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Schweiz: So tickt der eidgenössische Oldiemarkt

| Autor: Steffen Dominsky

Young- und Oldtimer stehen nach wie vor hoch im Kurs. Das zeigt eine Studie der Swiss Historic Vehicle Federation (SHVF). Kfz-Betriebe können von diesem Trend profitieren, so die Macher der Studie.

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Oldtimer genießen in der Schweiz hohes Ansehen: Eine aktuelle Studie beleuchtet nun erstmals den Young- und Oldtimermarkt ider Eidgenossen.
Oldtimer genießen in der Schweiz hohes Ansehen: Eine aktuelle Studie beleuchtet nun erstmals den Young- und Oldtimermarkt ider Eidgenossen.
(Bild: Grimm/»kfz-betrieb«)

Wir Deutschen haben unsere seit 2013, die Österreicher ihre seit 2018. Und die Schweizer? Die haben ein wenig länger gebraucht, jetzt aber ihre eigene Oldtimer-Studie vorgelegt. Dabei ist die Alpenrepublik eigentlich Oldie-Traumland, was vor allem zwei Gründe hat: Erstens ist in kaum einem anderen Land die Vielfalt an Marken und Typen größer – verständlich, schließlich gibt es in dem Land keinen Platzhirschen, sprich einen Großserien-Autobauer, die allermeisten Fahrzeuge werden seit jeher aus aller Herren Länder importiert. Und zweitens ist die Pflegementalität der Schweizer überaus hoch, die Fahrzeuge auch noch nach Jahrzehnten technisch und optisch top in Schuss.

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Erstellt wurde die jetzt veröffentlichte Studie im Auftrag des SHVF, des Dachverbands der Schweizer Oldtimerclubs und Interessenvertretungen. Der konnte, was die Befragung der Besitzer eines Klassikers betrifft, auf eine breite Datenbasis zugreifen: Rund 250 Clubs, Vereine oder Freundeskreise gehören ihm an. Diese repräsentieren wiederum gut 25.000 Enthusiasten. Sie wurden zu allgemeinen Nutzungs-, Fahrzeug-, Bestands- und Versicherungsdaten befragt. Ferner zu Demografie, Ausgaben, Zukunftserwartungen usw.

Zusätzlich erhoben die Studienmacher ein repräsentatives Stimmungsbild der Schweizer Bevölkerung zum Thema. Außerdem befragte man die lokalen Wirtschaftsbetriebe (inklusive Kfz-Werkstätten) aus dem Segment „Veteranenfahrzeuge“, um die wirtschaftliche Bedeutung dieses Bereichs zu quantifizieren. Ergänzend wurde eine Expertenrunde zur Prüfung und Verifizierung der Ergebnisse einberufen.

Traktoren auf Platz zwei im Bestand

Eine Million Schweizerinnen und Schweizer, rund zwölf Prozent der Bevölkerung, gaben im Rahmen der Befragung an, sich intensiver mit dem Thema Veteranenfahrzeuge, wie man Young- und Oldtimer in der Schweiz mehrheitlich beschreibt, auseinanderzusetzen oder sich dafür zu interessieren. 44 Prozent der Befragten freuen sich, wenn sie Veteranenfahrzeuge auf der Straße sehen – ein Wert, der nahezu dem in Österreich und Deutschland entspricht. Jeder Zweite ist der Meinung, dass die Fahrzeuge als Kulturgut auf Schweizer Straßen erhalten werden müssen. 36 Prozent gaben zudem an, im vergangenen Jahr eine Ausstellung oder ein Event für Veteranenfahrzeuge besucht zu haben. Jeder Sechste ist sogar der Meinung, die öffentliche Hand sollte dieses Kulturgut stärker unterstützen.

53.000 Schweizer besitzen mindestens einen Klassiker – sei es ein Automobil oder ein Motorrad. Zum November 2019 wurden in der Schweiz 97.000 Pkws, 80.000 Motorräder, 2.100 Lkws und 84.000 Traktoren gezählt, die älter sind als 30 Jahre. Der Bestandswert dieses Veteranenfuhrparks in privaten Händen wird auf 7,7 Milliarden Franken geschätzt. In den Erhalt wird regelmäßig investiert. 5.000 Schweizer Franken wenden die Eigner im Schnitt pro Pkw und Jahr auf, Motorradbesitzer tragen 2.500 Franken zu den Werkstätten und Teilehändlern.

Dominiert wird der Bestand von Automobilien der Sechziger- und Siebzigerjahre. Am beliebtesten sind die Modelle MG B, Jaguar E-Type und Porsche 911. Die deutschen Marken sind auf Schweizer Straßen grundsätzlich stärker vertreten als die englischen, obwohl das Interesse an englischen Marken gegenüber deutschen Marken leicht überwiegen soll. Überraschend: Marken wie BMW und Opel befinden sich nicht im Spitzenfeld der Beliebtheitsskala, und US-Autos sind mit Ausnahme von Chevrolet (drei Prozent Anteil) praktisch nicht vertreten. Weitere Ergebnisse der Studie zeigen die Grafiken in der Bildergalerie.

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Über den Autor

 Steffen Dominsky

Steffen Dominsky

Redakteur »kfz-betrieb«, "bike & busines", "Fahrzeug + Karosserie", stellv. Ressortleiter Service & Technik »kfz-betrieb«, Vogel Communications Group